Die Regeln unserer Serie "Jeder gegen jeden" zur Bundestagswahl sind denkbar einfach: Jeder Kandidat darf jedem anderen Kandidaten eine Frage stellen. Nach der Antwort des Befragten hat der Fragesteller noch die Möglichkeit, darauf zu reagieren. In diesem Teil unserer Serie befragt der FDP-Kandidat Nicolas Thoma den Linke-Kandidaten Frank Hertel zum Thema Sicherheit und Europa.

Nicolas Thoma: Ist Deutschland bereit für eine europäische Armee?

Frank Hertel:  Wir sind der Überzeugung, dass eine europäische Armee abzulehnen ist. Der Zustand der EU ist heute sehr fragil. Zum einen durch die Krisenländer, zum anderen aber auch durch einen extremen Rechtsruck, wie zum Beispiel in Polen oder Ungarn. Die Uneinigkeit, die innerhalb der EU zu bestimmten Themen wie Flüchtlinge, Rechtspopulismus herrscht und auch die vielen Gruppierungen innerhalb der einzelnen Mitgliedsländer, die einen EU-Austritt fordern und ein Europa der Nationalstaaten wollen, sprechen eindeutig gegen eine europäische Armee. Darüber hinaus macht eine europäische Armee nur Sinn, wenn die nationalen Armeen aufgelöst werden. Wir brauchen nicht noch mehr Militärausgaben in Europa, um eine Parallelarmee aufzubauen. Dieses Geld ist im Bereich der Bildung und Infrastruktur in den Mitgliedsländern besser investiert. Auch halten wir es demokratiepolitisch für hochgefährlich, weil der Parlamentsvorbehalt, den wir heute haben, ausgehebelt würde. Man würde praktisch die Militärfrage in die Hände nichtgewählter Kommissare legen. Das lehnen wir grundsätzlich ab. Das wäre ein Rückschritt in der Demokratie. Des Weiteren muss die EU dringend reformiert werden, in der heutigen Form halten wir sie für zum Scheitern verurteilt. Wir lehnen jegliche Interventionsarmeen - und darunter natürlich auch eine europäische - grundsätzlich ab und sehen darin keinen Ansatz zur Lösung der drängenden Fragen unserer Zeit.

Nicolas Thoma: Die Europäische Union ist das größte Friedensprojekt, welches nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa geschaffen wurde. Nach der EGKS 1951, die den Stahl- und Waffenhandel zwischen den Staaten Europas kontrollierte, ist die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) 1954 am Veto Frankreichs gescheitert. In Anbetracht der steigenden Zahlen asymmetrischer Bedrohungen und einem NATO-Bündnispartner USA, der "America first" sieht, ist es an der Zeit, in Europa enger zusammenzurücken. Deshalb brauchen wir eine europäische Armee, die unter gemeinsamen Oberbefehl des Europäischen Parlaments - nicht der Kommission - stehen soll mit dem Ziel, eine europäische Verteidigungsunion (EVU) zu schaffen.

Hinweis der Redaktion: Argumente und Thesen stammen von den Kandidaten und sind redaktionell nicht gegenrecherchiert und auch nicht irgendwie bearbeitet.