Als ob es noch eines Beispieles bedurft hätte: Ein Autofahrer mit einem Wagen mit BA-Zulassung lieferte es am Samstagvormittag. Die Zeiler Feuerwehr, die an diesem Wochenende auf dem Tuchanger ihr 150. Jubiläum feierte, richtete am Samstag auch den Kreissiebenertag aus. Für den Festzug von der Pfarrkirche Sankt Michael zum Festgelände musste für kurze Zeit abgesperrt werden. Das tat die Feuerwehr.


Die Blaskapelle angehalten

Dabei wurde ein Autofahrer beobachtet, wie der Zeiler Kommandant Tobias Hetterich unserer Zeitung schilderte, der eine Warnbake zur Seite schob, mit seinem Wagen mit BA-Zulassung über den gesperrten Festplatz fuhr (laut Zeugenaussagen nicht gerade langsam), und die Feuerwehr musste sogar eine Blaskapelle im Festzug stoppen, damit es keinen Unfall mit dem Auto gab. Und am Ende "hat er uns noch den Vogel gezeigt", beschrieb Tobias Hetterich.


"Das ist massiv"

Der 37-Jährige ist seit neun Jahren Kommandant der Zeiler Feuerwehr und muss in jüngster Zeit immer häufiger zur Kenntnis nehmen, dass er und seine Kollegen beschimpft, beleidigt und angegangen werden. "Das ist massiv", sagt er und das sei "ein großes Problem". Polizei und Rettungskräfte bestätigen eine Zunahme solcher Übergriffe, nicht nur gegen die Feuerwehr, auch gegenüber Sanitätern, Notärzten, Polizisten und anderen Helfern. "Das ist ansteigend", sagt Detlef Hauck, der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion in Ebern.
Tobias Hetterich schilderte unserer Zeitung den Vorfall vor der Tuchanger-Halle. In der Halle griff Landrat Wilhelm Schneider beim Kreisfeuerwehrtag vor den Kommandanten der Feuerwehren aus dem Landkreis diese Missstände auf.


Dienst ist ehrenamtlich

Besonders bei Einsätzen zur Verkehrsregelung, wie am Samstag beim Siebenertag in Zeil, müssten sich die Feuerwehrfrauen und -männer immer häufiger beschimpfen und beleidigen lassen, schilderte Wilhelm Schneider. Es sei in keinster Weise selbstverständlich, dass Menschen ihre Freizeit opfern und in der Feuerwehr ehrenamtlich Dienst tun. "Ich bin mir sicher: Der eine oder andere Feuerwehrmann wäre auch lieber unter den Feiernden im Festzelt oder wäre froh, Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Aber stattdessen übernimmt er eine Aufgabe für die Allgemeinheit. Und dann muss er sich von so manchen Leuten auch noch dumm anreden oder sogar beleidigen lassen." Anweisungen und Absperrungen würden einfach nicht beachtet oder, was schon geschehen ist, Feuerwehrdienstleistende würden von Autos angefahren. Schneider: "Für solche Reaktionen habe ich kein Verständnis, und wo es möglich ist, sollten diese Verfehlungen zur Anzeige gebracht werden. Es ist unfassbar, dass es überhaupt derartige Fälle gibt. Aber sie zeigen deutlich, dass sich Teile unserer Gesellschaft verändern, und das leider nicht unbedingt zum Positiven. Respekt und Anstand sind anscheinend aus der Mode gekommen. Dagegen müssen wir ein klares Zeichen setzen", forderte der Landrat.


Gaffer-Box

Die Zeiler Feuerwehr griff bei ihrem Fest noch eine andere Problematik auf: Gaffer. Dazu stellte sie auf dem Festgelände eine sogenannte Gaffer-Box auf. Die kam von der Berufsfeuerwehr in Mainz und sollte deutlich machen, wie unverfroren und respektlos Gaffer auf der Jagd nach spektakulären Bildern sind. Die Box führt vor Augen, wie ein Verletzter sich fühlt, der "begafft" wird, und in der Box wurden Unfallbilder gezeigt, allesamt aufgenommen von Gaffern. Darunter sind Schockfotos, die es in sich haben.
Gaffer sind zum Glück nicht das große Problem, das die hiesigen Feuerwehren haben. Natürlich würden bei Bränden oder anderen Einsätzen von Zuschauern die Smartphones gezückt und Aufnahmen gemacht, erklären der Zeiler Kommandant Tobias Hetterich und der Kreisbrandinspektor Peter Pfaff, auch aus Zeil. Die Technik macht es leicht, heutzutage solche Fotos und Videos einzufangen. Die Arbeit der Feuerwehren werde durch solche Aufnahmen allerdings nicht beeinträchtigt, haben sowohl Pfaff wie auch Hetterich (bisher) erfahren. Anders sehe es, wie sie aus Erzählungen der Kollegen wissen, bei Feuerwehren aus, die zu Einsätzen auf Autobahnen unterwegs sind.