Damit die Energiewende im Landkreis Haßberge überhaupt realisierbar wird, braucht es eines ganz besonders: Geld. Und das soll unter anderem von den Kommunen und den Bürgern kommen, damit "die Wertschöpfung im Landkreis bleibt", wie es die Verantwortlichen bei der GUT (Gesellschaft zur Umsetzung von Technologieprojekten für erneuerbare Energien) formuliert haben.

Oberaurach will mitmachen

Der nächste und auch wichtigste Schritt ist nun die Gründung einer Betreibergesellschaft. Das soll bis Ende des Jahres geschehen. Derzeit wird das Thema in den Gemeinde- und Stadträten behandelt. Die Kommunen sollen sich überlegen, ob und in welcher Form sie sich an der Betreibergesellschaft beteiligen wollen, die aller Voraussicht nach die Rechtsform einer GmbH und Co. KG bekommt.

Die Gemeinde Oberaurach hat bereits signalisiert, 100.000 Euro zur Verfügung zu stellen und somit Kommanditist werden zu wollen. Diesem Beispiel dürften weitere folgen. Den weitaus größeren Eigenkapitalanteil aber sollen die Landkreis-Bürger liefern. Hierzu wird, voraussichtlich im kommenden Jahr, eine Bürgergenossenschaft gegründet. Diese soll ebenfalls als Kommanditist an der Betreibergesellschaft Anteil haben.

Im Detail wollen die GUT- Geschäftsführer Günter Mendel, Wilfried Neubauer und Norbert Zösch noch keine Informationen herausgeben. "Wir sind noch nicht soweit", sagt Günter Mendel auf Anfrage. Zunächst müssten noch einige (unter anderem rechtliche) Dinge geklärt werden. Erst dann wolle man gezielt an die Öffentlichkeit gehen.

Um sich ein grobes Bild davon machen zu können, was es kosten wird, wenn der Landkreis Haßberge seinen eigenen Strom durch regenerative Energien erzeugen will, reicht es aber aus, ein paar Zahlen zusammenzuzählen. Dann wird einem bewusst, um welch riesige Dimensionen es sich hier handelt: Ein Windrad etwa kostet zwischen drei und vier Millionen Euro. Allein im geplanten Windkraftanlagen-Park WK 88 bei Kleinmünster (Gemeinde Riedbach) sollen zehn Windräder entstehen. Angenommen, es entstünden verteilt auf andere Standorte weitere zehn solcher Anlagen, wäre man schon bei Investitionskosten zwischen 60 und 80 Millionen Euro. Außerdem sollen Projekte mit Solarstromerzeugung hinzukommen, auch Biogasanlagen werden eine gehörige Rolle spielen. Alles in allem ist also mit weit über 100 Millionen Euro zu rechnen.

Es wird immer konkreter

Die GUT wurde einst gegründet, um Ideen zu sammeln und Pläne auszutüfteln, wie die Energiewende im Landkreis zu schaffen ist. Mit der Betreibergesellschaft geht es nun ans Eingemachte: Sie soll die Energiewende umsetzen. Bürger und Kommunen werden die Eigenkapitalgeber. Würde über deren Einlagen eine Eigenkapitalquote von 25 Prozent erreicht, dürften die Macher der Energiewende zufrieden sein. Der Rest des Kapitals muss über andere Geldgeber (Banken) finanziert werden.