Jetzt hat es das Rote Kreuz mit Brief und Siegel: Die Produktionsschule des BRK-Kreisverbandes Haßberge leistet anerkannte und erfolgreiche Arbeit zur beruflichen und sozialen Integration benachteiligter Jugendlicher. Sie ist, so lobt Landrat und BRK-Kreisvorsitzender Wilhelm Schneider, ein eigenständiger Bereich des beruflichen Bildungssystems im Landkreis Haßberge geworden. Mit der Verleihung des Gütesiegels "Soziale und berufliche Integration" der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Jugendsozialarbeit Bayern bekam das BRK-Team ein besonderes Geschenk.
Die Produktionsschule sei ein einzigartiges und sehr untypisches Projekt der arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit, machte BRK-Kreisgeschäftsführer Dieter Greger bei dem Festakt im Kreisverband in Haßfurt deutlich. Die Produktionsschule sei 2005 entstanden und die erste in Bayern gewesen, berichtete er nicht ohne Stolz. Schon lange kümmere sich das Rote Kreuz in den Haßbergen um soziale Aufgaben, insbesondere mit benachteiligten jungen Menschen.
Als lokaler Akteur habe der BRK-Kreisverband in den vergangenen Jahren schnell auf Problemlagen und Entwicklungen in den Haßbergen reagiert, "diese zeitnah in Konzepte und Maßnahmen umgesetzt und dabei stets als Vertreter für die Belange der jungen Menschen agiert", sagte Greger. Auf den Prinzipien der Jugendhilfe basierend, umfasse das sozialpädagogische Leitbild unter anderem den Auftrag, sich einzumischen, wenn es um strukturelle Bedingungen des Aufwachsens junger Menschen geht.
Greger zählte eine ganze Reihe entsprechender Projekte in den letzten 20 Jahren auf, darunter unter anderem die Trägerschaft der Jugendsozialarbeit an Schulen seit 2005 sowie das Engagement an den offenen und gebundenen Ganztagsschulen, Mittagsbetreuungen an fünf Standorten, die Schulkind-Begleitung, das Mehrgenerationenhaus in Haßfurt sowie das Projekt "KitaPlus", das im BRK-Kindergarten in Königsberg umgesetzt werde.


Soziale und berufliche Integration

Hans-Georg Schuhmacher von der LAG Jugendsozialarbeit in Bayern, der elf Wohlfahrtsverbände angehören, überreichte das Gütesiegel "Soziale und berufliche Integration" für die Arbeit in der Produktionsschule an Geschäftsführer Dieter Greger, Karina Hauck, Leiterin des Teams Soziale Arbeit, und ihr Team. Mit dem Gütesiegel werde qualitätsvolle Arbeit zum Wohle von Jugendlichen ausgezeichnet. Es wurde bislang 32-mal verliehen. Die PSH erhielt es zum wiederholten Mal.
Die PSH ist laut Schuhmacher in verbandlichen Strukturen sehr gut eingebettet und vernetze und leiste solide Qualitätsarbeit. Die sieben Zertifizierungskriterien seien in hohem Maße erfüllt. Dass in der PSH für elf Jugendliche ein Angebot am Übergang von der Schule zum Beruf bereitsteht, sei etwas ganz Besonderes. Durch verschiedenste Qualifikationsmaßnahmen gelinge es, die Jugendlichen bei einer eigenständigen Lebensführung zu unterstützen. Zudem lernten sie verlässliche Tages- und Arbeitsstrukturen kennen und bekämen Praktika in Ausbildungsbetrieben angeboten. Besonders hob der Fachmann hervor, dass das Angebot des BRK für benachteiligte Jugendliche niedrigschwellig zu erreichen sei. "Das ist eine Einrichtung, die Zukunft hat", meinte Schuhmacher.


"Arbeitsmarkt bereitet Probleme"

Die Qualität der PSH lobte auch Landrat Wilhelm Schneider, der zugleich deutlich machte, dass ein - wie derzeit - boomender, wünschenswerter Arbeitsmarkt auch Probleme bereite, alle elf Plätze der Produktionsschule zu besetzen. So nähmen derzeit lediglich vier Jugendliche das Angebot wahr.


Anerkennung der Leistung

Wie Schneider auch in seiner Funktion als BRK-Kreisvorsitzender sagte, sei die Verleihung des Gütesiegels für das BRK nicht nur Voraussetzung für die weitere Finanzierung des Projekts, sondern auch eine Anerkennung der Leistung der Projektmitglieder, "Zeugnis ihrer Professionalität, Kompetenz und Engagement in der Arbeit mit jungen Menschen". Dieses Siegel sei ein Aushängeschild für das ständige Bemühen der Mitarbeiter der Produktionsschule um Qualität und Effektivität in ihrer schwierigen Arbeit zum Wohl der Jugendlichen.
Durch die Erfahrungen, Aufgaben und Präsenz des BRKs im sozialen Umfeld kam es nach Schneiders Worten im Jahr 2005 zu der Idee, etwas völlig anderes im Landkreis für junge benachteiligte Menschen zu errichten: eine Produktionsschule. Damals stellte die Jugendhilfeplanung des Landkreises Haßberge einen stetig wachsenden Bedarf an Unterstützungsleistungen zur nachhaltigen beruflichen und sozialen Integration benachteiligter junger Menschen fest. Als Reaktion darauf sei mit Zustimmung des Jugendhilfeausschusses im Oktober die Produktionsschule Haßberge in Trägerschaft des BRK-Kreisverbandes als ein mit Kooperations- und Netzwerkpartnern eng abgestimmtes bedarfsgerechtes Angebot ins Leben gerufen worden. Das Angebot der PSH habe der Entstehung von Lücken im Hilfesystem des Landkreises Haßberge entgegengewirkt (weitere Informationen unter www.produktionsschule-hassberge.de). mi