"Das hat ja nichts mehr mit Torten zu tun, das sind ja alles Kunstwerke." Solche und ähnliche Einträge im Gästebuch und bei Facebook sind für die "Zuckerbäckerin67" keine Seltenheit. Sandra Dürrnagel hat es geschafft. Ihr süßes Hobby wurde vergoldet. Mit einer kunstvoll gestalteten Hochzeitstorte landete sie auf der "cake cologne", der größten Messe für Tortenspezialitäten, auf Rang 1.

Das hat auch negative Folgen: Kein Schleckermäulchen wird sich an dieser Kalorienbombe laben. "Die wird nie angeschnitten", verspricht die 46-Jährige, die im Hauptberuf bei einem großen Arbeitgeber im Stadtgebiet tätig ist und sich dort auch als Betriebsrätin engagiert. Jetzt schmückt das gute Stück das Wohnzimmer im Rosenweg, das zumindest in einer Ecke mehr einer Bastelstube ähnelt.

Begeisterung für Motivtorten

"Gebacken habe ich schon immer gerne. Das wurde mir in die Wiege gelegt", blickt die gebürtige Pfarrweisacherin zurück, deren Mutter aus einer Bäckerei in Ahorn stammt. Ab der Geburt von Enkelin Vivian wuchs aber der Wunsch nach Motivtorten. "Irgendwie bin ich auf den entsprechenden Seiten im Internet hängen geblieben." Das Erstlingswerk war ein Marshmallow-Fondant.

Das war im Dezember 2011 und irgendwo muss da eine geballte Ladung an Kreativität freigesetzt worden sein. Über 80 Torten haben seither Feiern im Familien- und Freundeskreis bereichert. "Manchmal arbeite über drei Wochen an einer Torte." So brütetet sie für ihr Meisterstück, das den Juroren des Verbandes der deutschen Tortenkunst eine Goldmedaille wert war, lange: "Für die Kirchenfenster habe ich Fruchtbonbons eingeschmolzen,um diesen Effekt zu erreichen."

Für jede Gelegenheit

An Inspirationen mangelt es nicht. "Sagt mir einer ein Motto, habe ich schon eine Idee im Kopf." Und so entstanden Torten in Form einer Dampflok oder eines Posaunenchors und beim Besuch des Zeitungsreporters standen Muffins mit Fotokamera und Zeitungsseiten zum Nachmittagskaffee bereit.

"Vielleicht habe ich doch den falschen Beruf erlernt?", fragt sich die gelernte Textilverkäuferin, die später in Bäckerei,Kantine und nun seit 13 Jahren bei Uniwell ihrem Broterwerb nachgeht. "Die Tortenbäckerei ist für mich der ideale Ausgleich zur Arbeit, da schalt' ich so richtig ab", unterstreicht Sandra Dürrnagel einerseits den Freizeitaspekt, spinnt den Gedanken aber weiter: "Eine meine Torten-Freundinnen macht gerade so eine Art kleine Meisterprüfung. Mal schauen, wie's bei der läuft, vielleicht mache ich das auf meine alten Tage dann auch noch?"

Auf kleinster Arbeitsfläche

Denn: "Das Backen macht mir einfach Spaß, ich könnt' das Tag und Nacht." Und dies in "meiner kleinen Küche" sowie der benachbarten Werkbank, wo die vielen Motiv-Goodies geformt werden.

Um sich fortzubilden und weitere Anregungen zu holen, kauft sich Sandra Dürrnagel nicht nur die entsprechende Fachliteratur, sondern hat auch schon zwei Kurse in München und Köln bei Bettina Schliephake-Burchhardt, der "Tortenpäpstin in Privatsendern ("Torten-Tuner") besucht.