Gerne würde Katrin Richter wieder selbst Auto fahren. "Das wäre das große Ziel, den Bus so umbauen zu können, aber das ist sehr teuer. Deshalb machen wir Schritt für Schritt", erklärt die junge Frau, die wegen einer Muskel-Athrophie seit dem Teenager-Alter im Rollstuhl sitzt. Um sich ein Stück Selbstständigkeit zurückzuholen, setzt sie auf "Crowdfunding" und hat im Internet unter leetchie.com einen Spendenaufruf gestartet.
Auf facebook lasen ihr Anliegen auch die Weisbrunner Feuerwehrler, die auch einen Beitrag leisten wollten. Katrin Richter ist in Weisbrunn aufgewachsen, ist die Tochter des früheren Feuerwehrkommandanten Josef Macht. "Natürlich kennen wir alle die Katrin noch", erklärten Christina Benkert und Alicia Pfuhlmann, die beiden Vorsitzenden des Feuerwehrvereins. Außerdem ist die 33-Jährige immer wieder in Weisbrunn, auch wenn sie heute mit Ehemann Henry und Sohn Sam in Bamberg lebt.


Hebebühne im Heck erstes Ziel

Die gelernte Automobilkauffrau hatte bis vor kurzem ein Auto, das sie selbst bedienen konnte, mitfinanziert vom Arbeitsamt, "denn da war ich ja noch berufstätig", erklärt Katrin Richter. Das ist sie jetzt nicht mehr, und deshalb hat sie sich nach langen Überlegungen zu diesem Spendenaufruf durchgerungen.
Vor wenigen Wochen wurde der neue Bus geliefert. Der hat eine mobile Rampe, über die Henry den Rollstuhl in den Laderaum fährt, nachdem er seine Frau auf den Beifahrersitz gehoben hat. "Das erste Ziel wäre, eine Hebebühne im Heck einzubauen", erklärt Katrin Richter. Das wäre eine Entlastung für ihren Mann.
Damit sie selbst wieder Auto fahren könnte, bräuchte es nicht nur einen Umbau des Fahrersitzes, sondern vor allem viel Elektronik. Und das würde einen hohen fünfstelligen Betrag kosten, das weiß Katrin Richter, schließlich ist sie vom Fach. Wegen der fehlenden Kraft müsste sie das Auto über Joystick steuern. Ob sie so viel Geld zusammenbekommen kann, weiß Katrin Richter nicht. Aber sie strahlt voller Zuversicht, denn die ersten Reaktionen seien überwiegend positiv gewesen - und dass sich die Feuerwehr aus ihrem Heimatort gemeldet hat, das machte sie sehr froh.
"Es ist nur ein kleiner Beitrag", meinte Christina Benkert, selbst Berufskraftfahrerin, als sie die 500 Euro überreichte. Katrin Richter meinte dazu nur: "Das ist kein kleiner Beitrag, sondern der Hammer." Sie bedankte sich herzlich.


Keine Resignation

Katrin Richter hat sich mit ihrer Erkrankung arrangiert, aber nicht resigniert. Was möglich ist, das holt sie heraus. Vieles, was für andere Menschen selbstverständlich ist, muss bei Katrin Richter gut überlegt sein - bis hin zu dem Wunsch, Mutter zu werden. "Da haben wir lange drüber geredet, die Risiken abgewogen, aber die Entscheidung war richtig und alles ist gut gegangen", erzählt sie mit einem liebevollen Blick auf ihren vierjährigen Sam.