Riesige Schwimmbecken, ein Sprungturm. Doch alles ist leer. Es ist Sommer, doch davon ist im Freibad kaum etwas zu spüren. Gerade einmal ein Auto steht auf dem Parkplatz in Haßfurt. Die Kassen sind verriegelt, es ist still. Ursula Sauer-Hauck möchte auch gerade wieder aufbrechen, sie ist die einzige Besucherin. Die Königsbergerin kommt regelmäßig hierher, mindestens dreimal in der Woche zum Schwimmen - bei jedem Wetter.
An Tagen wie diesen genießt sie die Ruhe. "Ein Privatbad", erklärt sie und erzählt von den Vorzügen eines leeren Schwimmbades: Sie dreht ihre Runden im Becken oder unterhält sich mit dem Bademeister.

Allein auf weiter Flur


An schönen Sommertagen tummeln sich 2500 bis 3000 Gäste im Freibad. Diesmal hat Schwimmmeister Günther Schleelein Schicht. Heute sind Sauer-Hauck und Schleelein allein im Freibad. Schleelein kann gar nicht richtig verstehen, wieso bei dem Wetter die Besucher ausbleiben. "So kalt ist es doch gar nicht", meint er. Doch es ist auch windig. "Das verschreckt die klassischen Badegäste."
Schon im Sommer 2011 war das Wetter für viele nicht freibadtauglich. Deshalb entschied sich der Betreiber, es nur am Nachmittag zu öffnen. "Ich hoffe, dass es im August besser wird und wir wieder richtig Betrieb haben", sagt Schleelein. Sonst werden die Öffnungszeiten wieder umgestellt. Außerdem gibt es für ihn noch einen weiteren Grund. "Ohne Gäste macht es auch als Bademeister nicht sehr viel Spaß."

Jubiläum Magnet in Hofheim


Auch der Leitende Schwimmmeister Andreas Zapf im Freibad Hofheim ist optimistisch. Am Samstag und Sonntag steht das 40. Jubiläum des Bades an, und einige Veranstaltungen wie das 24-Stunden-Schwimmen oder eine Schaumparty sind geplant. "Ich hoffe, dass mindestens 100 bis 200 Menschen kommen", erklärt Zapf. An guten Tagen erfrischen sich etwa 500 bis 1000 Besucher in den Becken. Bei schlechtem Wetter öffnet das Schwimmbad nur stundenweise (8 bis 10 Uhr, 12 bis 14 Uhr, 16 bis 18 Uhr), um Personalkosten einzusparen. "Wir versuchen auch die beeinflussbaren Parameter weitgehend herunterzufahren", erklärt Zapf. Mit Parameter meint er beispielsweise den Chlorgehalt oder die Heizung.
Jochen Kusserow, Schwimmmeister im Eltmanner Freibad, begrüßt morgens einige Frühschwimmer, doch während des Tages kommen nur noch wenige. An heißen Tagen sind etwa 500 Menschen im Bad. Kusserow sieht in den wenigen Badegästen auch ein Sicherheitsproblem. Wenige Menschen bedeutet: weniger Beobachter. Befindet sich ein Schwimmer in einer gefährlichen Situation, bekommt es möglicherweise niemand mit. Der Schwimmmeister muss also erst recht konzentriert sein, wenn wenige Gäste im Bad sind.

Hartgesotten


In Altenstein verirren sich bei diesem Wetter auch nur hartgesottene Sportler im Becken. Auch hier gibt es flexible Öffnungszeiten bei schlechtem Wetter. "Wir versuchen, die Kosten zu minimieren, indem wir die Pumpen herunterfahren", erklärt Betriebsleiter Hansjürgen Büschel. Kommen keine Besucher, bedeutet das für ihn nicht automatisch Langeweile. Kleinere Reparaturen stehen an.
Ähnlich geht es auch in Ebern zu. Philip Ullrich, der Fachangestellte für Bäderbetriebe, mäht den Rasen oder säubert die Becken. Doch wenn alles erledigt ist und das Wetter dennoch nicht besser wird, muss er schon auch zugeben: "Bei sehr schlechtem Wetter können acht Stunden echt lang werden." 2000 Besucher zählt Ullrich bei Sonnenschein in seinem Bad. Wenn es stürmt oder die Temperaturen unter die 15-Grad-Celsius- Grenze fallen, wird auch hier auf flexible Öffnungszeiten umgestellt oder gar vorübergehend geschlossen.

Gäste lassen sich Zeit


Die Kosten bei Regen und Kälte sind weitaus höher als sonst, denn das Bad wird mit Solarenergie betrieben. Keine Sonne, keine Heizkraft durch Sonnenenergie. Um die Kerntemperatur in den Becken halten zu können, muss er dann auf Gasbetrieb umstellen. Und das kostet.
Ullrich arbeitet seit vier Jahren im Ebener Schwimmbad. Eine solch schlechte Saison hatte er noch nie. Er hofft, dass es sich das Wetter nochmal anders überlegt und die Sonne herauskommt. Doch auch dann lassen die Badegäste auf sich warten, erklärt Ullrich. "Erst wenn es zwei oder drei Tage warm und sonnig ist, kommen die Gäste."