Rund 4,3 Millionen Euro Schulden hat Königsberg. Das sind fast 1200 Euro pro Einwohner. Gemessen an der durchschnittlichen Pro-Kopf-Verschuldung bayerischer Kommunen in der Größenordnung Königsbergs (3700 Einwohner) ist das ein richtiger Brocken - sie beträgt nämlich nur 630 Euro. Wer das kleine Städtchen mit seinen 17 Stadtteilen im Herzen des Landkreises Haßberge künftig regiert, hat also nicht viel zu lachen.

Bürgermeister Erich Stubenrauch (Freie Wähler) will von Trübsal blasen aber nichts wissen: "Ich bin noch relativ entspannt", sagt der 56-Jährige im Gespräch mit dem Fränkischen Tag. Und auch sein Herausforderer im Kampf um den Chefsessel im Rathaus, Uwe Beck von der CSU, ist nicht nach "Kopf in den Sand stecken" zumute: "Ich bin ein heimatverbundener Mensch", sagt er. Wenn es gelinge, ein Wir-Gefühl in Königsberg und all seinen Stadtteilen zu entwickeln und die Gemeinschaft zu stärken, dann sei ihm um die Zukunft seiner Heimatstadt nicht Bange.

Nicht, dass einer der beiden die Situation unterschätzen würde. Beide wissen, dass sie nach der Wahl am 16. März als Bürgermeister Entscheidungen treffen müssen, die weh tun.

Oder, wie es Stubenrauch ausdrückt: Mitunter muss die Stadtführung in naher Zukunft einige "Grausamkeiten auf den Weg bringen". Königsberg hat, um seiner finanziell miserablen Lage Herr zu werden, bereits damit begonnen, städtische Gebäude zu verkaufen, Dorferneuerungen einzustellen und Zuwendungen zu kürzen oder zu streichen (etwa die Übungsleiterpauschale für Vereine). Laut Stubenrauch müssen auch Fragen gestellt werden wie: Muss der Büchereibetrieb eingestellt werden? Kann das Hallenbad weiter betrieben werden? Das sei natürlich "sehr ärgerlich" für die Einwohner. Man müsse Ideen verkaufen, die man gar nicht verkaufen will.

Der amtierende Bürgermeister ist sich aber sicher, dass er in der Lage ist, die Stadt wieder auf Kurs zu bringen. Dass er wieder zur Wahl antritt, ist für ihn selbstverständlich. In einer so schwierigen Lage von Bord zu gehen, "das macht man nicht", sagt er. "Und ich sehe auch eine Chance", dass Königsberg aus den Schulden rauskommt. Er bringe die nötige Erfahrung mit. "Ich kann das Städtchen aus diesem Tal herausführen."

Auch Uwe Beck sieht sich dazu in der Lage. Zwar ist er ein kommunalpolitischer Neuling, aber der 45-Jährige traut sich viel zu. Er habe sich intensiv mit Kommunalpolitik auseinandergesetzt und fühle sich bereit, das Ruder in die Hand zu nehmen. Wichtig sei ihm, dass die Bürger mitgenommen und ihnen Entscheidungen so erklärt werden, dass sie sie nachvollziehen können. Er will "ein Vertrauensverhältnis zu den Bürgern schaffen". Einschnitte schließt er unter seiner Führung nicht aus, es stünden unpopuläre Entscheidungen an. Die Gründe für die miserable Finanzlage der Stadt sieht er übrigens in Versäumnissen aus den vergangenen Jahrzehnten. "Man hat sich mit dem Ist-Zustand zufrieden gegeben", sagt Beck. Als die Gewerbesteuereinnahmen noch hoch waren, habe man sich darauf verlassen, dass das immer so bleibe. Mit seiner Kandidatur, so sagt er, werde die Wahl erst zu einer richtigen Wahl, denn nun gebe es auch eine "Auswahl": Die Bürger hätten nun die Möglichkeit sich zu entscheiden. Entweder sie sagen: Wir sind so zufrieden, wie es die letzen Jahre gelaufen ist, oder: Wir wollen eine frische Kraft, die auch mal ein paar Dinge anders macht.

Alle haben die Schulden im Blick: Königsberger Politiker sprechen über ihre Ziele

Um 16 Sitze geht es im Königsberger Stadtrat. Die CSU, die SPD, die Freie Wählergemeinschaft (FWG) und die "Offene Hellinger Liste" treten an, um sich möglichst viele Stimmen für ihre Stadt zu sichern. Hier nennen sie ihre Ziele für die Wahl am 16. März.

Eddi Klug, Listenvertreter der SPD, sagt: "Das Hauptaugenmerk für die Zeit nach den Wahlen liegt auf der Konsolidierung des städtischen Haushaltes." Seiner Partei gehe es dabei aber um "eine soziale und ausgewogene Umsetzung dieses Anliegens". Die vorhandenen sozialen Einrichtungen wie etwa das Königsberger Hallenbad gelte es zu erhalten und zu stärken. "Ein weiterer Schwerpunkt ist der Erhalt und die Verbesserung der Infrastruktur. Alle dazu notwendigen Maßnahmen sind so anzulegen, dass sie von der Bevölkerung nachvollziehbar sind", meint Klug.

Auch das große Thema Energiewende liegt der SPD am Herzen. "Hier unterstützen wir die Bestrebungen von dezentralen Lösungen vor Ort", sagt Klug. Ziel der SPD-Liste ist es "so viele Stadtratsmandate wie möglich zu erringen, um eine soziale und ausgewogene Stadtratsarbeit, im Sinne der Mehrheit der Bevölkerung, leisten zu können. Derzeit hat die SPD vier Sitze.

Peter Müller vom CSU-Ortsverband sagt, dass es seiner Partei vor allem darum gehe, die Bürger frühzeitig, umfassend und fortlaufend über die Arbeit im Stadtrat zu unterrichten. Das sei die Grundlage für "ein Vertrauensverhältnis und umfassendes Verständnis in der Bevölkerung für kommunale Arbeit und Entscheidungen".

Dieses Vertrauensverhältnis und das umfassende Verständnis seien extrem wichtig, um die Bürgerinnen und Bürger auch bei Entscheidungen mit nachhaltiger Wirkung und breiter Reichweite mitzunehmen und zu beteiligen.

"Eines der wichtigsten Ziele in diesem Zusammenhang wird sein, den Haushalt auf eine solide Basis zu stellen", sagt er. Hier müssten alle Ausgaben - nicht nur die freiwilligen Leistungen - "genau unter die Lupe genommen werden. Das Gleiche gilt bei den Einnahmen, hier müssen wir alles dafür tun, um an die Töpfe wie Bedarfszuweisungen, Sonderhilfen, Stabilisierungsprogramme und so weiter zu kommen."

Dann müsse die Stadt zuallererst Schulden tilgen, beziehungsweise Rücklagen bilden. "Eine schwierige Aufgabe, denn wir haben zahlreiche Dorferneuerungen laufen, Junkersdorf soll dieses Jahr noch an die Gemeinschaftskläranlage angeschlossen werden."

Wieder betont er dabei die große Bedeutung der Bürger: "In vielen Gesprächen sind wir nicht nur auf großes Interesse gestoßen, wir haben auch eine große Bereitschaft zur Mitarbeit signalisiert bekommen. Dieses Potenzial müssen wir nutzen."

Bei der letzten Kommunalwahl hat die CSU sieben Stadtratsmandate erhalten. Durch die Umstellung von de Hondt auf Hare Niemeier (bevorzugt kleinere Parteien) und die Tatsache, dass mit der Hellinger Liste nun insgesamt vier Gruppierungen um die Stimmen der Wähler werben, "ist es sicherlich nicht ganz realistisch, wieder an diese sieben Sitze glauben zu wollen".

Die Kandidaten jedenfalls seien sehr engagiert. "Wir werden die Mandate so besetzen, wie wir das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler erhalten. Wir freuen uns über jede Stimme", aber auf eine Wunschzahl von Sitzen "werden wir uns nicht festlegen". Danach gefragt, wie Müller die Arbeit des derzeitigen Bürgermeisters beurteilt, erklärt er: "Uns obliegt es nicht, die Arbeit des Stadtoberhauptes in irgendeiner Art und Weise zu bilanzieren beziehungsweise evaluieren. Diese Aufgabe wird einzig und allein von den Wählerinnen und Wählern am 16. März wahrgenommen werden."

Frank Slawik erklärt die Ziele der Offenen Hellinger Liste. Der Stadtteil Hellingen tritt erstmals mit einer eigenen Liste zur Wahl an. Mann werde die vorherrschenden Probleme nicht gleich lösen können, glaubt Slawik. "Wir wollen einen zusätzlichen Vertreter aus unserem Dorf im Stadtrat, einen, der auch fraktionsunabhängig und mit frischen Gedanken die Sache angeht", sagte Slawik bei der Kandidatenaufstellung im Januar. Nicht anfreunden könne er sich mit Entschuldigungen oder Ausreden, es sei kein Geld da, um Projekte anzugehen.

Die Freie Wählergemeinschaft (FWG) Königsberg hat derzeit fünf Sitze im Stadtrat und will sie mindestens verteidigen. Bei einem Blick auf die eigene Liste und auch die Listen der Konkurrenz sieht Bürgermeister Erich Stubenrauch eine klare Tendenz zu einer Verjüngung in Königsbergs Kommunalpolitik. "Gefühlsmäßig wird die Hälfte des Stadtrats neu sein." Die FWG hat sich vorgenommen, eine sachbezogene, bürgernahe, unabhängige und ideologiefreie Politik zu machen. So lautet das ausgerufene Wahlkampfmotto.

Das neue Stadtratsgremium dürfe die Augen vor dem demografischen Wandel nicht verschließen, Einwohnerschwund sei ein Problem vieler Kommunen auf dem Land. Wichtig seien deshalb die Themen Innenentwicklung und Kooperation mit den Nachbarn auf der Suche nach Lösungen, betont er.