Es ist nur ein kleiner Schritt, den die Stadt Haßfurt geht, aber er könnte eine große Wirkung entfalten - und Signalwirkung haben. Einstimmig beschloss der Finanz- und Hauptausschuss des Haßfurter Stadtrates in seiner Sitzung am Donnerstagabend im Rathaus, dass ab 1. Oktober das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat nicht mehr auf städtischen Flächen aufgebracht werden darf. Das beinhaltet auch verpachtete Flächen; allerdings wird da die Regelung wohl erst bei Neuverpachtungen oder Pachtverlängerungen umgesetzt.

Haßfurt will mit seinem Vorstoß ökologisch ein Zeichen setzen. Wenngleich: Die Stadt hat, wie es in der Sitzung hieß, bisher schon weitgehend auf das Herbizid, das als krebsverdächtig gilt, verzichtet. Nun soll aber Klarheit geschaffen werden, und der Ausschuss wünscht sich eine eindeutige Haltung in Form einer Dienstanweisung des Bürgermeisters, wonach Glyphosat nicht mehr verwendet werden darf.

Die Initiative ging von den Stadtratsfraktionen Bündnis 90/Die Grünen/Liste für den aktiven Umweltschutz und SPD aus. Die Stadträte legten einen entsprechenden Antrag vor, den der Finanz- und Hauptausschuss einstimmig befürwortete. Zuvor hatte die Stadt Stellungnahmen des Amtes für Landwirtschaft, des Bauernverbandes und des Bundes Naturschutz eingeholt, damit sich die Räte ein Bild machen konnten.

Während sich die Vertreter der Landwirte differenziert und eher zurückhaltend zum Vorstoß der Kreisstadt äußerten, war die Haltung des Bundes Naturschutz eindeutig. Die Kreisgruppe begrüßt den Verzicht auf Glyphosat und hofft darauf, dass andere Kommunen diesem "ökologischen Vorbild" folgen. Der Beschluss passt laut Bund Naturschutz gut zu den Bemühungen der Stadt beim "Eh-da"-Projekt und beim bald anlaufenden Projekt "Blühender Landkreis Haßberge".

Mit beiden Aktionen sollen Flächen geschaffen werden für Pflanzen, die Bienen und anderen Insekten als Lebensgrundlage dienen. Bürgermeister Günther Werner (FW) brachte seine Befürchtung zum Ausdruck, dass bei weiterem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln die Lebensräume für die Bienen immer weiter eingeschränkt werden. "Der Antrag ist sehr gut", lobte er seine Ratskollegen.

Der Biologe Dietmar Will, der bei der Stadt arbeitet, betonte, dass mit dem Beschluss ein Signal gesetzt werde. Der Verzicht auf Glyphosat "steht der Stadt Haßfurt gut zu Gesicht". Andere Städte und Gemeinden könnten folgen. Will: "Wir werden da ganz genau von anderen Kommunen beobachtet."

Und es geht offensichtlich auch ohne Glyphosat. Stadtrat Norbert Geier (CSU) wies darauf hin, dass ein großer Bauer im Stadtgebiet ohne das Pflanzenschutzmittel arbeite und dessen Äcker "liegen wie geleckt da".


Weitere Themen

Im Finanz- und Hauptausschuss ging es am Donnerstagabend auch um weitere Themen. Eine Reihe von Zuschussanträgen wurde behandelt - und mit einer Ausnahme alle gebilligt.

Die evangelische Kirchengemeinde Haßfurt hatte gleich zwei Förderanträge vorgelegt. Sie wollte zehn Prozent der Kosten (4600 Euro) für den Einbau einer Dusche im Pfarrhaus Haßfurt für das Kirchenasyl. Der Ausschuss gewährte die 460 Euro. Und das Pfarramt beantragte zehn Prozent der Kosten für die Errichtung eines barrierefreien Zugangs zur Kirche. Bei diesem Punkt schluckten einige Stadträte, denn die Kosten für die Barrierefreiheit belaufen sich laut Unterlagen auf rund 63 000 Euro. Geplant ist, eine Rampe zwischen dem Gemeindehaus und der Kirche zu bauen. Dazu ist an der Kirchenvorhalle ein Mauerdurchbruch nötig. Der Ausschuss billigte den beantragten Zuschuss in Höhe von 6300 Euro.

Über Geld aus der Stadtkasse dürfen sich auch der ESC Haßfurt und der Kreisverband Haßberge des Roten Kreuzes freuen. Der Eishockeyverein bekommt 6000 Euro für seine Jugendarbeit und das BRK genau 60 900 Euro als Jahresförderung 2018 für das Mehrgenerationenhaus in Haßfurt, dessen Träger das Rote Kreuz ist.

Abgelehnt wurde der Antrag des FC Augsfeld auf Förderung des Baus eines Grillstandes. Über 4000 Euro kostete der Neubau laut Verein; dazu leisteten Mitglieder rund 400 Helferstunden. Der Antrat entspreche nicht den Förderrichtlinien, weil kommerzielle Anlagen eines Vereins nicht bezuschusst werden, wurde die Ablehnung begründet. SPD-Stadtrat Manfred Stühler machte sich für eine Ausnahme stark, denn Vereine bräuchten eine wirtschaftliche Basis, um beispielsweise auch Jugendarbeit betreiben zu können. Er kam mit seinem Argument nicht durch.

Wie schon der Bauausschuss einige Tage zuvor billigte auch der Finanz- und Hauptausschuss die Erweiterung der Mittagsbetreuung an der Grundschule Haßfurt um drei Gruppen. Immer mehr Eltern wollen ihre Kinder in die Einrichtung geben. "Die Mittagsbetreuung platzt aus allen Nähten", beschrieb Bürgermeister Günther Werner die Situation. Derzeit sind Kinder teilweise in Containern untergebracht; diese Lösung soll beendet werden mit den drei neuen Gruppen. Dann werden rund 200 Kinder und 17 Gruppen betreut.