Ob er Holländer oder Niederländer genannt wird, ist Nico Scholtens egal. Wichtiger ist die Qualität des Weines, der in Flaschen, Kisten, Tanks und Fässern im Keller lagert. Trocken soll er sein, sehr trocken. Das muss nicht jedem schmecken, Hauptsache Scholtens ist mit der Qualität seiner Produkte zufrieden. Vor mehr als 40 Jahren begann der gebürtige Niederländer, in Zell am Ebersberg Wein anzubauen. Es folgten drei Krisen und ein Happy End.

Das einzig typisch Holländische in Nico Scholtens Fatschenbrunner Weinstube sind die Käseplatten, die zum Rot- und Weißwein serviert werden. Weder trägt der Hausherr Holzschuhe noch stehen Tulpen in Vasen. Kein Wunder: Die überwiegende Zeit seines Lebens hat der gebürtige Apeldoorner in Franken verbracht. Als die Familie seiner Ehefrau Salome 1970 nach Eschenau (Knetzgau, Kreis Haßberge) zog, brach Nico Scholtens sein Studium (Holländisch, Germanistik, Musik) ab und ging mit. Sein Schwiegervater schenkte ihm einen kleinen Weinberg in Zell am Ebersberg. Die erste Saison war ein Debakel, danach gelang Scholtens der Wein immer besser.

Ein zerstörerischer Winter

Die Weinstube mit der alten Lehmdecke, in der der 67-Jährige sitzt und aus seinem Leben erzählt, ist einer Krise entsprungen. Im Winter 1982/83: "Wir hatten in der Nacht minus 28 Grad und am Tag bis zu 20 Grad plus", erinnert sich Scholtens an eine für Weinreben zerstörerische Jahreszeit. "Die Pflanzen sind bis in die Wurzeln erfroren", sagt er. Nicht bloß eine Ernte war verloren - auch in den kommenden Jahren würden sich die toten Pflanzen nicht erholen, wusste Scholtens. Er konnte also über Jahre fast nichts mit seinem Wein verdienen.
Obwohl Scholtens schon hohe Kredite offen hatte, gewährte ihm seine Bank nach langem Zureden einen weiteren - für eine Weinstube. "Unter der Bedingung, dass ich ein Jahr ohne neue Kredite auskommen musste", erinnert sich Scholtens. Ein paar hundert Liter gelagerten Weins verkauften Nico und seine Frau Salome Scholtens in der neuen Wirtschaft. Das rettete sie über die Flaute.

Die Weinstube ist im Fachwerkstil gehalten, mit Teppichen und alten Musikinstrumenten an der Wand. Scholtens sitzt ruhig und wartet auf Fragen. Er steht nicht gern im Mittelpunkt, am wenigsten mag er, fotografiert zu werden. Aber er spielt mit: Wenn er vor Weinkisten posieren soll oder nach seiner zweiten Krise gefragt wird.
Die passierte im Winter 1992. Der Winzer hatte Wein per Schlauch aus Tanks in seinem Keller in eine Wanne im Garten hochgepumpt - zum Entsäuern. Der Temperaturunterschied von Wein und Wanne sprengte Letztere. 1500 Liter besten Weins gingen innerhalb von Sekunden verloren. Ein finanzielles Debakel. "Ich habe lange mit meiner Frau gesprochen, ob wir aufhören oder weitermachen. Wir waren pleite", erinnert sich der 67-Jährige. Sie machten weiter. Nahmen einen großen Kredit auf und vergrößerten ihren Keller, damit der Wein zum Entsäuern nicht mehr in eine Wanne im Garten gepumpt werden musste.

Nico Scholtens ist froh, dass er dabei blieb. Die letzten Ernten liefen gut, die kommende verspricht es zu werden. Seit einigen Jahren ist er in Rente, sein Sohn Noel führt die Geschäfte. Vielleicht sind die Krisen überwunden. Happy End also. Nico Scholtens lächelt unter seinem Rausche-Schnurrbart. Obwohl die dritte Krise ihm noch heute zu schaffen macht.

Den Krebs besiegt

1979, nur wenige Jahre nachdem er seine Frau Salome geheiratet hat (1976) und sein Sohn Noel geboren wurde (1977), erkrankte Nico Scholtens an Lymphdrüsenkrebs. "Die Ärzte haben mir ein Jahr gegeben. Maximal", sagt er. Die Therapie zehrte den über 1,80 Meter großen Mann bis auf 48 Kilogramm aus, schädigte den ganzen Körper. Doch statt vom Bett an die Decke zu starren, legte Scholtens zwei neue Weinberge in Zell an. "Durch die Arbeit hatte ich keine Zeit, an der Krankheit zu verzweifeln." Nach fünf Jahren hatte er den Krebs besiegt. Über 30 Jahre ist das her.

An zwei Wochenenden feiern die Scholtens mit unterschiedlichen Veranstaltungen das 40-jährige Bestehen ihres Weinbe-triebs in Fatschenbrunn.




Jazzklänge und polnische Folkore im Garten


Experimentell
Am Sonntag, 29. Juni, spielen ab 15 Uhr Musiker aus der Region Jazz im Garten von Nico Scholtens Weinstube: Die Haßfurter Band "Generations" und der Schweinfurter Künstler "MadBob" laden zum Zuhören ein.

Volkstümlich Am Sonntag, 20. Juli, sind ab 16 Uhr Musiker aus dem polnischen Riesengebirge zu Besuch auf dem Weingut Scholtens. Fränkische und polnische Musikanten spielen gemeinsam Folklore im Garten der Weinstube. Dazu wird in polnischer und fränkischer Tracht getanzt.

Kostenlos Der Eintritt ist bei beiden Veranstaltungen frei.

Anfahrt Nico Scholtens' Weinstube liegt an der Rieneckstraße 6 in Fatschenbrunn (Oberaurach). Informationen gibt es telefonisch unter 09529/326.