Hätten Sie gewusst, dass Äpfel Rosengewächse sind und dass es mehrere tausend Sorten gibt? Drin stecken jede Menge Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe. Auch die vielfältige Verwendbarkeit ist ein Bonus der Frucht, die im Lateinischen Malus heißt.

Deutlich über 100 Sorten gab es am Sonntag beim Oktobermarkt in Ebern zu sehen, kleine, verschrumpelte und große goldbackige, grüne pockennarbige und braune mit Lederhaut. Die Ortsgruppe des Bundes Naturschutz (BN) und der Kreisverband für Gartenbau und Landespflege Haßberge richteten zum 25. Mal in Ebern ein Apfelfest aus. Zum Jubiläumsjahr gab es Obst in einer Fülle wie lange nicht mehr. Trotzdem hatten die BN-Mitglieder im Rathaushof alle Mühe, die Gäste mit handgepresstem Most zu versorgen. Dazu gab's verschiedenste Apfelkuchen. Das Fest und das sommerliche Wetter überstrahlten den Oktobermarkt.

Eine Schale von 3,46 Meter Länge am Stück hatte Viktor Adam bei dem Fest im Jahr 2007 von einem Apfel gepellt. Den Rekord konnte seither niemand brechen. Auch der Eberner selbst nicht. Diesmal reichten ihm 1,93 Meter zu Rang zwei.

Gutes Gerät und ruhige Hand

Den Sieg holte sich Thomas Reckenberger, dessen Schale 42 Zentimeter länger ausfiel. "Du brauchst richtig große, gleichmäßige Äpfel", verriet der Sieger, "eine ruhige Hand und gutes Gerät." Reckenberger war aus Sennfeld nach Ebern gekommen, um sich mit einem Apfelvorrat einzudecken. Nicht nur zum Essen; daheim will er jetzt weiter das Schälen üben. Bei den Kindern gewann Luica Oppelt aus Ebern mit 166 Zentimetern.

Der Boskop darf nicht fehlen

Äpfel aus dem eigenen Bestand konnte man vom Pomologen (Apfelkundler) Frank Schellhorn vom Institut für Biodiversität (IfBI) bestimmen lassen, eine Gelegenheit, die zahlreiche Obstbaumbesitzer nutzten. So konnten IfBI-Chef Klaus Mandery, zugleich Vorsitzender des BN-Kreisverbandes, und seine Helfer nebenher eine Liste der gängigsten Apfelsorten erstellen. Kaiser Wilhelm wächst in vielen Gärten, der Winterrambur und die Goldparmäne. Boskop, besonders die roten Sorten, werden wegen ihrer Lagerfähigkeit geschätzt, ebenso die Lederäpfel.

Wer wollte, konnte Äpfel verkosten. Des einen Lieblingsapfel war anderen zu mehlig, und was der Nächste lecker fand, zog anderen den Mund sauer zusammen. Trotzdem kristallisierten sich Favoriten heraus: der Riesenboiken und der Rheinische Bohnapfel, vor allem aber eine rotbäckige Frucht, bei deren Bestimmung selbst die Pomologen passen mussten. Einer von Manderys Favoriten ist der Purpurrote Cousinot, ein alter Weihnachtsapfel, "klein aber unfassbar aromatisch".

"Gemeinsam haben wir uns zur Aufgabe gemacht, unser heimisches Obst aus naturnahem Anbau und seinen besonderen Stellenwert wieder mehr in den Fokus zu rücken", sagte Landrat Wilhelm Schneider, der die wirtschaftliche Bedeutung des Streuobstes herauskehrte. Harald Amon, BN-Ortsvorsitzender in Ebern, war schon dabei, als 1988 in Zusammenarbeit mit dem Obst- und Gartenbauverein das erste Apfelfest stattfand.

Bestände werden kartiert

Das Ziel, den Lebensraum Streuobst mit seiner artenreichen Fauna und Flora bekannt zu machen und Interesse zu wecken, trage Früchte. Zu diesem Zweck verleiht der BN auch Muser und Presse an Kindergärten, die das Thema "Obst und Ernte" gerne aufgreifen. Amon registrierte erfreut, "dass heute an vielen Orten im Landkreis Apfelfeste durchgeführt werden". Dennoch würden viel zu oft alte Bäume achtlos gefällt. "Ein verlorener Schatz", so Amon, der sich für eine Erfassung von alten Obstbäumen und Streuobstbereichen aussprach. Laut Bürgermeister Jürgen Hennemann lässt die Stadt Ebern gerade die Bestände auf kommunalen Flächen durch Mandery und Team kartieren. Dem Apfelfest voraus ging am Vortag eine Streuobstexkursion in Aidhausen mit dem Pomologen Wolfgang Subal.