Der Handel mit Brennholz ist ein lukratives Geschäft geworden. Mit den Ölpreisen sind in den vergangenen Jahren auch die Holzpreise gestiegen. Vor zehn Jahren kostete ein Festmeter Stammholz im Stadtwald Haßfurt/Sailershausen noch zwischen 25 und 30 Euro. Heute liegt der Preis bei 60 Euro. Tendenz steigend.

Früher verlacht, heute beneidet

380 Hektar misst der Stadtwald insgesamt. Den Großteil davon betreut das Universitätsforstamt Sailershausen. Für 60 Hektar ist das Amt für Landwirtschaft und Forsten in Schweinfurt zuständig, vertreten durch Forstdirektor Franz Eder und Revierleiter Roland Henfling.

Förster Henfling ist der Mann vor Ort. Er ist es, der die zu fällenden Bäume auswählt und das Holz schätzt und misst, das die Selbstwerber später holen. Allerdings dürfen nur diejenigen Holz machen, die vorher einen Motorsägenkurs absolviert haben und Schutzkleidung tragen.

Die Selbstwerber, erzählt Henfling, seien früher belächelt worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als das Öl nur so durch die Heizungen rauschte, schien es widersinnig, dass manche im Wald weiter Brennholz sammelten. Heute werden die Selbstwerber von damals beneidet. Denn sie sind es, die Roland Henfling als die "Stammkundschaft" bezeichnet. Und die, so ist es in jeder Branche Brauch, genießt gewisse Vorteile.

Bei Henfling steht sie an erster Stelle, wenn es um die Vergabe der Lose geht. "Das ist eine Frage der Fairness", erklärt er. Wer ein Reisiglos erwirbt, darf sich maximal fünf Ster des Kronenholzes aus dem Wald holen. "Aber beim Fahren durch den Wald bloß nicht die Rückegassen verlassen!", mahnt der Förster. Ein Ster kostet derzeit 15 Euro. "Früher waren wir dankbar, wenn wir das Holz überhaupt los geworden sind" sagt der 54-Jährige. Heute führt er eine Warteliste.

Holzvergabe ist ein Politikum

Auch im Steigerwald übertrifft die Nachfrage bei weitem das Angebot. Förster Albrecht Hartung, ebenfalls Revierleiter beim Amt für Landwirtschaft und Forsten, ist für 400 Hektar Kommunalwald der Gemeinden Knetzgau, Oberaurach und Kirchlauter verantwortlich. Die Vergabe des Holzes sieht er mittlerweile als Politikum.

In vielen Fällen entschieden die Bürgermeister, wer das begehrte Brennholz bekomme. Anfragen von außerhalb werden dabei nicht berücksichtigt. In einer Kommune, deren Namen Hartung nicht nannte, kommen auf über 100 Anmeldungen 25 Holzlose.

Nach Einschätzung des 57-Jährigen kann der Holzbedarf in Bayern nur zu vier bis fünf Prozent aus den Staats- und Kommunalforsten gedeckt werden. Die Lösung für das Dilemma liegt für Hartung auf der Hand: "In früheren Jahren wurden im Winter nur ein oder zwei Zimmer geheizt. Heute ist das ganze Haus warm. Das ist ein Luxus, den sich vielleicht bald nicht mehr jeder leisten kann." Albrecht Hartung empfiehlt deshalb, das Zuhause energetisch zu sanieren.

In den Gebieten, in denen Hartung die Holzverteilung regelt, nimmt er den Begriff des Holzloses wörtlich und verlost die Rechte. "Dadurch wird keiner bevorzugt oder benachteiligt Alles andere bringt nur Ärger", sagt er. Die Lose umfassen eine Fläche von durchschnittlich 0,2 Hektar. Die Holzmenge, die jeder einzelne herausholen kann, liegt bei ungefähr 20 Ster. "Manchmal ist es aber auch das Doppelte", sagt Hartung. 25 bis 30 Euro kostet der Kubikmeter Kronenholz beziehungsweise schwaches Laubholz. Das unbearbeitete Holz holen sich die Selbstwerber aus dem Wald.

Eine traditionelle Einnahmequelle

Wer Polterholz mit nach Hause nehmen will, muss schon mehr bezahlen. Denn das Holz muss von Arbeitern gefällt, entastet und herausgerückt werden. Allein dafür entfallen 25 bis 30 Euro. Weitere 25 bis 30 Euro gehen an die Kommune. Der Holzverkauf sei eine Haupteinnahmequelle der Städte und Gemeinden, erklärt Förster Henfling aus den Haßbergen. Der Preis im Steigerwald liegt ebenfalls bei 60 Euro.

Wer einen Wald besitzt, kann sich in Zeiten knapper Ressourcen also glücklich schätzen. Trotzdem beobachtet Henfling, dass viele private Waldbesitzer in den Haßbergen ihren Bestand horten. "Die kaufen lieber Holz zu, als dass sie in ihrem Wald Holz schlagen", erzählt er und vermutet, dass das Holz "für schlechte Zeiten" aufgespart werden soll. Doch so blieben Holzreserven ungenutzt.

Was wächst nach?

"Wir können nur ernten, was dazu wächst", erklärt Henfling. Vier bis fünf Festmeter jährlich wachsen etwa pro Hektar nach. Das macht bei 60 Hektar 300 Festmeter Holz, die weiterverarbeitet werden. "Wir haben die Leute jahrelang motiviert, auf Holz umzustellen, und jetzt wird Brennholz zum Problem", sagt er. Sind für Holzhändler also goldene Zeiten angebrochen?

Günstiges Holz aus dem Osten

Robert Karl ist für den Rundholzeinkauf und Brennholzverkauf bei "kaminholz24.com" in Unterschleichach verantwortlich. Er bestätigt, dass mit dem Ölpreis auch die Nachfrage stark gestiegen ist. Doch nun stehe er vor dem Problem, billiges Brennholz zu bekommen. "Günstiges Holz gibt es in der Ukraine, Slowenien oder Bosnien. Aber ist es sinnvoll, das Holz tausende Kilometer zu transportieren?" Aus ökologischer Sicht sicher nicht. "Aber bei uns heben die Bayerischen Staatsforsten jedes Jahr den Preis an. Das müssen wir an die Kunden weitergeben", ärgert er sich.

Da immer mehr Kunden fertig aufbereitetes Holz möchten, das sie sofort verheizen können, steigt der Preis. Denn Robert Karl muss das Brennmaterial in 150 bis 200 Kubikmeter großen Trockenhallen zwischenlagern. "Die Leute würden viel Geld sparen, wenn sie rechtzeitig frisches Holz kaufen und bei sich zuhause trocknen lassen würden", sagt Karl.

In diesen Zeiten könnte man die Rechtler in Stettfeld fast beneiden.Deren Kassier Gerald Simon hat seine Heizung vor sieben komplett auf Holz umgestellt. "Es ist schön zu wissen, dass die Energie zwei Kilometer vor der Haustür wächst", sagt er. Noch schöner ist, dass ihm sein Anteil Brennholz im Gemeindewald Jahr für Jahr sicher ist.