Da hängen sie. Sauber aufgereiht. Die "Liebestöter", wie der Volksmund die langen Unterhosen unserer Altvordern liebevoll titulierte. Frisch gewaschen und gebügelt. Gewaschen im Zuber, auf dem Waschbrett drei Mal durchgeknetet, im Sonnenlicht gebleicht. Gebügelt mit dem Kohle- oder dem Eisenkern-Bügeleisen, das auf dem Küchenherd aufgeheizt worden war. Waschmaschine kannten unsere Vorfahren noch nicht.


Unterstützung aus Würzburg

Wie sie ihren Alltag verbrachten, welche Kleidung sie zu welchem Anlass trugen, das wissen Isabell Andritschke und Lisa-Marie Kriegeis, zwei von 15 Kinder-Museumsführern des Bürgervereins, die ihre Altersgenossen seit einigen Jahren durchs Museum und die Altstadt begleiten und informieren.

"Auf Augenhöhe", wie der Initiator des Projektes, Stefan Andritschke vom Bürgerverein, betont.
Von ihm stammt die Idee, das didaktische und pädagogische Konzept hat Annemarie Heiler, Mitarbeiter der Bezirksheimatpflege in Würzburg, ausgearbeitet.

"Seit 2013", wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt. Das Ergebnis findet sich auf kleinen Spickzetteln, mit denen Isabel und Lisa-Marie auch am dritten Adventssonntag durchs Haus führten. Es ging um die Kleidung und Mode von einst. Die Unterschiede von Werktags- und Festtagskleidung oder auch Nachtgewänder. Hätten Sie gewusst, wann die Frauen gar keine Unterhosen getragen haben? Oder aber gar zwölf Unterröcke? Die Kinder verraten's.

Dass sie ausgewiesene Experten in Sachen Heimatkunde und -geschichte wurden, haben sie ihrer Neugier und ihrem Tatendrang zu verdanken. "Ich habe sie durchs Museum gescheucht und beobachtet, was sie interessiert. Dann durfte jeder nach seinem Geschmack ein Schwerpunktthema auswählen."

So kam ein Programm zustande, das auf dem Bestand des Heimatmuseums an Exponaten aufbaut und gleichzeitig die Interessen von Kindern im Fokus behält.


Für Erwachsene interessant

Aber auch für Erwachsene viele Neuigkeiten bietet. So die Trickserei mit Korsetts, mit denen die Taille derart zugeschnürt wurde, dass sogar die inneren Organe gequetscht wurden, wie Lisa-Marie und Isabel mit Bilder belegen.

Eine Prozedur, die auch bei Säuglingen angewendet wurde, wie sich an der Geschichte der Baby-Bänder nachvollziehen lässt. "Die wurden so eng geschnürt, dass die Kreislauffunktion zurückging und die Säuglinge weniger aufs Klos mussten", erklärten die beiden Museumsführerinnen die Funktion solcher Bänder, was den staunenden Zuhörern bisher völlig fremd gewesen war.


Mode in der Stadt und aufm Land

Deutlich herausgestellt werden auch die Unterschiede zwischen der Mode in der Stadt und auf dem Land sowie der einfachen Werktagskleidung mit Schürzen und Holzschuhen. Der feine Zwirn mit Jackett steht neben der Tracht und dem Nachtgewand, das nur aus einem langem Hemd bestand.

Das Schöne dabei: Im Heimatmuseum ist alles zum Greifen nah, anfass- und (be-)greifbar. Die merkwürdigen Bügeleisen ebenso wie das Wachsbrett. Oder auch das Spinnrad und die anderen Werkzeuge, die zur Herstellung von Leinen und dem Flachsbrechen verwendet wurden.

Über drei Etagen zieht sich die knapp einstündige (Entdeckungs-)Reise durch die Jahrhunderte dahin. Langweilig wird's zu keiner Sekunde, da es neben den präsentierten Exponaten noch viele interessante Ausstellungsstücke zu entdecken gibt.

Für Schulklassen (und Lehrer) gibt es sogar einen Katalog mit Lehrstoff-Bezug bis hin zum Schwerpunkt NS-Geschichte.