Mit Interesse allein ist es nicht getan. Erzieher müssen ganz bestimmte Charakterzüge haben, um diesem anspruchsvollen Beruf gerecht zu werden, und die Anforderungen werden eher mehr. "Wir müssen aber auch werben, denn der Bedarf an Erziehern ist hoch und die Zahl der Schulabgänger sinkt", erklärte Fachakademie-Leiter Peter Popp im Gespräch mit unserer Zeitung.
Leonie und ihre Mutter sind eigentlich nur zur Bestätigung des Berufswunsches zur Fachakademie für Sozialpädagogik (Faks) in Haßfurt gekommen. Leonie wartet auf positive Antwort einer Kita, an der sie das zweijährige sozialpädagogische Seminar (Sps) absolvieren kann. Diese ersten beiden Jahre der Ausbildung gestalten sich an der Faks so, dass die Schüler in den Einrichtungen praktisch ausgebildet werden und alle zwei Wochen für zwei Tage Seminar nach Haßfurt kommen. Am Ende der zwei Jahre steht der Abschluss als Kinderpflegerin. Diesen kann man auch an der Berufsfachschule für Kinderpflege erwerben; dort ist das Verhältnis schulische zu praktischer Ausbildung genau umgekehrt.
Wer an der Faks das Sps absolviert, hört meist mit der Kinderpflege nicht auf, sondern wird dann Studierender der Faks mit dem Ziel, staatlich geprüfte Erzieherin/Erzieher zu werden.
Das bedeutet zwei Jahre Fachakademie. Aber auch hier gibt es wieder viel Praxis. In der direkten Umsetzung merken viele Studierende auch, wozu der manchmal trockene Stoff in Pädagogik, Psychologie oder in Medienpädagogik wichtig ist. Aber auch Fächer wie Ökologie und Gesundheit oder Theaterpädagogik und Musik stehen auf dem Programm.
Das ist bis heute das liebste Feld von Sonja Wißmüller. Sie ist seit elf Jahren Erzieherin im Caritas-Kindergarten St. Maria in Limbach und in der Region auch bekannt als Chorleiterin und Klangstein-Musikerin. In ihrem Beruf vereint sie ihre beiden Leidenschaften und setzt auch einen besonderen musikpädagogischen Akzent in ihrem Kindergarten. Dieser hat eine zweite Besonderheit: Die Erzieherinnen hatten durch ihre Einbindung in die Planung des Neubaus die Möglichkeit, das Haus quasi maßzuschneidern. Leiterin Ellen Steinhäuser und ihr Team profitieren von dieser engen Zusammenarbeit mit dem Architekten in der täglichen Arbeit mit den Kindern. Das Raumkonzept ist angelehnt an die Reggio-Pädagogik. Das fordert eine hohe Teamfähigkeit und selbstständiges Handeln der Erzieherinnen.


Gute Karrierechancen

In das Team in Limbach sind derzeit auch zwei Sps-Praktikantinnen eingebunden, die im Herbst dann an die Faks wechseln. Nach den Abschlussprüfungen an der Faks sind sie zwar staatlich anerkannte Erzieherinnen, doch ein weiteres Jahr Berufspraktikum gehört noch zur Ausbildung, bis sie wirklich eigenverantwortlich Gruppen leiten dürfen.
Relativ schnell kann man mit den entsprechenden Fortbildungen auch die Leitung einer ganzen Kindertagesstätte übernehmen. So wie Julian Bayer. 25 war er erst, als er "Chef" der Kindertagesstätte St. Josef in Kirchaich wurde. Als Mann ohnehin "Exot", sei ihm angesichts seines Alters auch ein bisschen Skepsis entgegengeschlagen, erinnert er sich. Doch sich intensiv nicht nur mit Kindern, sondern auch mit Eltern auseinanderzusetzen, gehört zum täglichen Brot der Erzieher.
Männer sind an der Faks noch immer in der Minderheit, aber nicht mehr die Ausnahme. Sieben oder acht pro Jahrgang sind seit Jahren Standard. Zu ihnen gehört derzeit Frederic. Sein Ziel ist aber nicht die Kindertagesstätte, sondern die Grundschule. Der Abschluss der Faks bietet nämlich viele Möglichkeiten, und wer auch in Englisch und Mathematik richtig gute Noten schreibt, kann die Fachhochschulreife oder sogar die fachgebundene Hochschulreife erwerben. Überhaupt ist das Feld der Erzieher-Tätigkeit weit gesteckt, von den ganz Kleinen in der Krippe bis zur Jugend- oder Heim-Arbeit. Und jede Erzieherin, jeder Erzieher kann auch seine ganz speziellen Begabungen einbringen.


Weiterbildung Wildnispädagoge

So ist Julian Bayer Elternberater in Erziehungsfragen, und in der Schweiz bildete er sich zum Wildnispädagogen weiter. Fährtenlesen, Seilklettern, Seilbrücken über Schluchten spannen, das gehörte zum Lehrgang, und in der regelmäßigen Waldwoche profitieren die Kirchaicher Kindergartenkinder davon. Bayer, bald selbst dreifacher Vater, geht in seinem Beruf auf. "Dabei war es eher Zufall, dass ich Erzieher geworden bin." Mediengestalter war das eigentliche Berufsziel nach der Mittleren Reife. Doch dann meldete der Ausbildungsbetrieb kurz vor Beginn der Lehre Insolvenz an. Die Tante schlug ihm dann den Erzieher-Beruf vor.
Träger seines Kindergartens ist die Caritas Bamberg, deshalb wird er zu den Leitertreffen in den Landkreisen Bamberg und Haßberge eingeladen. "In Bamberg bin ich noch immer der einzige Mann, in den Haßbergen waren wir schon drei."
Auch wenn sich vieles gewandelt hat, kämpfen die Erzieherinnen und Erzieher noch immer um die adäquate Anerkennung ihres Berufes. Mit Peter Popp haben sie dabei auch einen großen Unterstützer. Er wird nicht müde, die Bedeutung der Erzieher für das weitere Leben von Kindern zu betonen, zumal die Zahl der Krippenkinder weiter steigt. "Wir sorgen für eine gute Ausbildung, aber dazu gehören auch Anerkennung und eine angemessene Bezahlung." Diese sei angesichts des zunehmenden Mangels an qualifiziertem Nachwuchs mittlerweile bereits besser geworden, freut sich der Haßfurter Schulleiter.
"Politische Verbesserungen zu erreichen, ist nicht ganz einfach, weil wir halt nur einen kurzen Lebensabschnitt der Familien begleiten. Ganz schnell richtet sich das Interesse dann auf die Schule", sagt Julian Bayer.
Doch auch Schulkinder werden heute am Nachmittag von Erziehern betreut. Und immer mehr Aufgaben, die früher die Familie wahrgenommen hatte, verlagern sich auf die Erzieher.