Ein bisschen überspitzen das Ganze kann der Sache nicht schaden, dachte sich wohl Eberns Bürgermeister Robert Herrmann (CSU). Bei der Kreistagssitzung am Montag (29. April) im Landratsamt Haßfurt jedenfalls versuchte er, die Abstimmung über die Wiedereinführung der Altkennzeichen im Landkreis Haßberge mit einigen wortwörtlich ziemlich weit hergeholten Vergleichen zu beeinflussen.

Ebern sehe sich nicht als das letzte gallische Dorf, das gegen den Landkreis Haßberge Widerstand leiste, sagte er. "Wir haben auch keinen Zaubertrank." Und weiter: "Wir sind auch nicht das Nordkorea des Landkreises", führte er weiter aus. Dann fügte er schließlich noch hinzu, auch mit den Taliban habe seine Heimatstadt nichts gemein. Viel eher stehe Ebern für Freiheit und Toleranz und halte es mit der Devise "leben und leben lassen". Darum sei es angebracht, dem Wunsch einiger Bürger zu entsprechen und das Kennzeichen "EBN" auf Nummernschildern für Kraftfahrzeuge aller Art wieder zuzulassen. Das, meine er, "sollte ein Zeichen der Toleranz sein".
Robert Herrmann stand mit seiner Sicht im Kreistag nicht alleine da, wenngleich keiner der anderen EBN-Befürworter Comic-, Diktaturen- oder Miliz-Vergleiche bemühte: Immerhin 21 von 49 anwesenden Kreistagsmitgliedern stimmten gestern gegen die Empfehlung des Kreisausschusses, die Wiedereinführung der Altkennzeichen im Kreis Haßberge abzulehnen.

Emotionale Debatte
Die Debatte war emotional geführt. Landrat Rudolf Handwerker (CSU) hat sie letztlich überhaupt erst ermöglicht, denn er hatte sich dazu entschlossen, die Entscheidung über die Altkennzeichen dem Kreistag zu überlassen, anstatt sie selbst und allein in seiner Amtsstube zu treffen (was nach Vorgabe der Landespolitik in diesem Fall möglich gewesen wäre). Handwerker selbst sprach sich mehrmals klar gegen die Wiedereinführung der alten Kennzeichen aus und hoffte wohl insgeheim darauf, der Kreistag würde seiner Auffassung folgen. Das tat er auch.

Sonst keine Probleme?
Warum er die Entscheidung nicht einfach selbst getroffen hat? "Weil ich überzeugter Demokrat bin", sagte der Politiker dazu. Warum er das einheitliche HAS-Kennzeichen im Landkreis bevorzugt? Weil er glaubt, dass das bestehende Nummernschild "einen Identifikationswert für den Landkreis hat", wenn auch nur einen geringen.
Über die enorme Resonanz, die das Thema hervorgerufen hat, habe er sich allerdings gewundert. Wenn man so viel Zeit in die Diskussion darüber investieren könne, müsse man annehmen, dass "wir in einem Landkreis wohnen, in dem es wirklich keine Probleme gibt". Als unverschämt habe er allerdings den "missionarischen Eifer" empfunden, mit dem hier die Wiedereinführung der Kennzeichen von einigen vorangetrieben werde. "Ich kann den Vorteil einfach nicht sehen."

Die Diskussion im Kreistag hatte mit politischen Lagern überhaupt nichts zu tun. Aus den einzelnen Parteien meldeten sich jeweils Befürworter und Gegner zu Wort. Steffen Vogel, der CSU-Kreisvorsitzende, aber Kreisrat für die Junge Liste, widersprach "seinem Landrat" vehement: "Wenn die das wollen, es kostet uns nichts, warum sollten wir es ablehnen?", fragte er. "Ich warne davor, das einfach abzubügeln." Es wäre das falsche Signal in Richtung Ebern, dann hieße es: Die da unten in Haßfurt nehmen Ebern etwas weg. "Das hat fatale Folgen."
Der CSU-Fraktionsvorsitzende Günther Geiling sah das anders. Ein Bürger habe ihm einen Brief zum Thema geschrieben, darin stehe: "Die Wiedereinführung ist überflüssig und der größte Blödsinn, den der Landkreis entscheiden kann." Dem könne er nur zustimmen.

Eberner wollen ihr "EBN"
Die Eberner Kreisräte Jürgen Hennemann (SPD) und Sebastian Stastny (Junge Liste) hatten sich in einem Schreiben an den Landrat dafür eingesetzt, das Kennzeichen "EBN" wieder einzuführen, nachdem sich in der Eberner Bevölkerung laut einer Befragung durch die Stadt 72,9 der Bürger dafür ausgesprochen hätten. "Es geht um Identifikation und Stadtmarketing, nicht hauptsächlich um Nostalgie", heißt es in dem Brief. Hennemann sagte nun im Kreistag: "Für die Bürger ist es ein Thema. Und das sind nicht einzelne Spinner."
Oskar Ebert (FW), Bürgermeister in der Steigerwald-Gemeinde Rauhenebrach, versuchte zu beschwichtigen: "Ich habe Verständnis für die Eberner." Dennoch sprach er sich gegen die Kennzeichen aus, ein solches Merkmal zur Identifikation sei nicht notwendig. Ebert hatte vor kurzem im Kreisausschuss (scherzhaft) erklärt, dass, wenn es denn ein anderes Kennzeichen als "HAS" geben sollte, es eines für den Steigerwald sein müsse. Er bat allgemein darum, die Entscheidung nach der Abstimmung zu respektieren und nicht weiter zu polarisieren "oder nachzukarten".

Buchstaben wichtiger als Geld?
Kreisrat Kurt Sieber (FDP) hatte für das ganze Hickhack rund um die alten Landkreiskennzeichen kein Verständnis: "Als Liberaler tut es mir schon leid, was alles als liberal bezeichnet wird", versuchte er Argumente zu entkräften, die darauf abzielten, dass es nie leichter gewesen sei, Bürgern einen Wunsch zu erfüllen. Dabei müsse man sich klar fragen, ob man denn nicht ganz andere Sorgen habe: "Diese drei Buchstaben haben offensichtlich mehr Bedeutung als die Millionen, über die wir im Kreishaushalt heute zu sprechen haben."