Der Richter hat seine Kollegen noch gewarnt. Vorsicht, die Bilder haben es in sich. In der Tat: Der Richter und seine zwei Richterkollegen sowie die beiden Laienrichter, auch Schöffen genannt, mussten sich die Fotos einer Babyleiche ansehen. Das geht an die Nieren.

"Das war heftig", erinnert sich Susanne Langer. Sie war eine der beiden Schöffen in diesem Prozess am Landgericht in Bamberg und musste sich die Aufnahmen anschauen. Dabei ging es um ein totes Baby, das seine Mutter in einer Hecke bei Walsdorf im Landkreis Bamberg abgelegt hatte. Die Mutter musste sich vor dem Landgericht verantworten und wurde später zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.

Zwei Schöffen

An dem Urteil hat Susanne Langer mitgewirkt. Zusammen mit dem Vorsitzenden Richter, zwei weiteren Richtern und einem weiteren Schöffen. Das war der Sander Karl Seifert, der einst in der Gemeindeverwaltung seines Heimatortes gearbeitet hat.

Solch spektakuläre Strafprozesse wie die Verhandlung um den Tod des kleinen Mädchens sind eher die Ausnahme. Aber auch die anderen Verfahren, die weniger Aufsehen erzeugen und vor allem in den Medien kaum auftauchen, erfordern von den Richtern, von den hauptamtlichen ebenso wie von den ehrenamtlichen wie Susanne Langer, hochkonzentrierte Arbeit.

Seit 2004 im Ehrenamt

Seit neun Jahren ist die Ebelsbacherin Schöffin am Landgericht in Bamberg. Bei rund 70 Prozessen saß sie am Richtertisch. Jetzt endet ihre Amtszeit nach zwei Wahlperioden (zunächst vier und dann fünf Jahre). Länger ist nicht möglich. Es ist eine Zeit, die sie nicht missen möchte und die ihr viele Erfahrungen gebracht hat. "Ich bin immer interessiert" in Verhandlungen gegangen - und "habe immer etwas mitgenommen".

Vor über neun Jahren ist sie vorgeschlagen worden, gleich von zwei Seiten: Von der CSU, für die die 54-Jährige im Ebelsbacher Gemeinderat sitzt, und von kirchlicher Seite (sie engagiert sich im Magdalenenverein und bei der KAB). Sie wurde ausgewählt, und auch mit dem Arbeitgeber und ihren Kolleginnen lässt sich die ehrenamtliche Tätigkeit am Landgericht vereinbaren. Susanne Langer leitet die Caritas-Mittagsbetreuung an der Grundschule in Zeil. Natürlich: Die Abwesenheit von der Arbeitsstelle muss organisiert sein. Mitunter kommt es sogar vor, dass Prozesse sich verzögern und länger dauern.

Mit den hauptamtlichen Richtern haben die Schöffen, wie Susanne Langer erfahren hat, eine sehr kollegiales, vertrauensvolles und professionelles Verhältnis. Die Hauptamtlichen weisen die Ehrenamtlichen vor der Verhandlung in den Sachverhalt ein. Aber zu tief sollte diese Information nicht gehen, denn die Schöffen sollen unvoreingenommen, natürlich neutral und emotionslos in die Verhandlung gehen - und sich erst während des Prozesses ein umfassendes Bild machen. Die Schöffen müssen vor dem Antritt ihrer Amtszeit einen Eid ablegen, dass sie ihre Aufgabe unparteiisch wahrnehmen.

Schicksale

Hinter vielen Fällen steckt eine oft eine große Tragik, oder unglaubliche Lebensgeschichten und Schicksale kommen zutage. Mitfühlen oder Abscheu darf sich ein Schöffe ebenso wie ein hauptamtlicher Richter nicht anmerken lassen. "Es geht um die Tat. Es geht um den Sachverhalt", beschreibt Susanne Langer die Professionalität. Persönliches oder Gefühle müsse man ausblenden, sagt die erfahrene Schöffin.

Wenngleich: An der Tür des Landgerichts kann sie alle ihre Erlebnisse nicht ablegen. Man bringe schon einiges mit nach Hause, und dann ist sie froh, dass sie mit ihrem Ehemann einen Partner hat, der gut zuhören kann. Natürlich darf sie keine Interna ausplaudern, jedoch Bekanntes aus einer öffentlichen Sitzung kann sie mit anderen Personen teilen.

"Die Lüge schreit"

Gab es auch heitere Begebenheiten in den neun Jahren ihrer Schöffenzeit? Ja. Auch hier gilt: "Man darf's nicht zeigen", aber innerlich hat sie öfter mal geschmunzelt, gesteht Susanne Langer. Wenn zum Beispiel sogenannte Entlastungszeugen mit aller Macht versuchen, ihren angeklagten Kumpel herauszuhauen, aber die Unwahrheit so deutlich offen liegt, dass sie jeder sehen muss. "Die Lüge schreit", bezeichnet Susanne Langer solche Situationen vor Gericht.

Aus berufsrichterlicher Sicht

Roland Wiltschka, der seit vielen Jahren als Strafrichter am Amtsgericht in Haßfurt tätig ist, beurteilt die Arbeit der Schöffen als "sehr wichtig". Zwei Gründe nennt er als entscheidende Faktoren für das Mitwirken der Laienrichter. Die "Schöffen sollen ihren gesunden Menschenverstand einbringen."

Umgekehrt sollen über die Schöffen Einblicke in die Arbeit der Justiz ermöglicht werden. Roland Wiltschka hat bisher nur gute Erfahrungen mit den Laienrichtern gemacht. Ein bisschen Aufwand ist nötig: Sie müssen erst eingearbeitet werden.

Fähige Schöffen werden gesucht

Das Kreisjugendamt Haßberge, eine Teilbehörde des Landratsamtes, trifft derzeit die Vorbereitungen für die Wahl der Jugendschöffen für die Geschäftsjahre von 2014 bis 2018. Jugendschöffen wirken als Laienrichter am Jugendschöffengericht oder in der Jugendkammer beim Landgericht Bamberg mit. Wer Interesse an diesem verantwortungsvollen Ehrenamt hat, dem steht die Möglichkeit offen, sich beim Kreisjugendamt im Landratsamt in Haßfurt bis spätestens 5. April zu melden, wie das Landratsamt dieser Tage mitteilte.

Der Jugendhilfeausschuss des Kreistages Haßberge will in seiner Sitzung am Montag, 13. Mai, eine Vorschlagsliste zur Wahl der Jugendschöffen für die Geschäftsjahre 2014 bis 2018 erstellen. Hierfür können sich Interessenten beim Jugendamt im Landratsamt Haßberge (Am Herrenhof 1, 97437 Haßfurt) melden. Die Vorschlagsliste liegt nach ihrer Erstellung zu jedermanns Einsicht im Jugendamt auf. Die eigentliche Schöffenwahl erfolgt dann durch einen beim Amtsgericht Haßfurt gebildeten Wahlausschuss. Was müssen Interessenten beachten, und worauf kommt es an?

Infos zum Amt des Schöffens:


Ehrenamt
Das Schöffenamt ist ein Ehrenamt und kann nur von Deutschen versehen werden. Unfähig zum Amt eines Schöffen sind Personen, die infolge Richterspruchs die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Ämter nicht besitzen oder wegen einer vorsätzlichen Tat zu einer Freiheitsstrafe von mehr als sechs Monaten verurteilt sind. Ferner sollen Personen nicht berufen werden, die bei Beginn der Amtsperiode das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben oder die das 70. Lebensjahr vollendet haben oder es bis zum Beginn der Amtsperiode vollenden würden, sowie Personen, die zur Zeit nicht im Landkreis Haßberge wohnen, aus gesundheitlichen Gründen zum Amt nicht geeignet sind, und Personen, die in den sogenannten Vermögensverfall geraten sind.

Unparteilichkeit
Jugendschöffen sollten vor allem erzieherisch befähigt und in der Jugenderziehung erfahren sein. Im Klartext heißt das, dass sie auch im Alltag viel Kontakt mit Heranwachsenden und Jugendlichen haben. Das verantwortungsvolle Amt eines Schöffen verlangt in hohem Maße Unparteilichkeit, Selbstständigkeit und Reife des Urteils, aber auch geistige Beweglichkeit und wegen des anstrengenden Sitzungsdienstes körperliche Eignung. Dabei sollen aber bestimmte Berufsgruppen, wie zum Beispiel Lehrer oder Mitarbeiter von Jugendämtern, nicht zu stark bevorzugt werden, sondern geeignete Personen aus allen Kreisen der Bevölkerung berücksichtigt werden.

Gerechtigkeit
Im Amtsgerichtsbezirk Haßberge gibt es während einer Amtsperiode jeweils zwei Jugendschöffenpaare, die immer aus einem Mann und einer Frau bestehen sollen. Sie fällen mit dem hauptamtlichen Jugendrichter die Urteile bei schweren Straftaten, die erhebliche Rechtsfolgen erwarten lassen. Das können zum Beispiel Wiederholungstäter bei Eigentumsdelikten, Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, Fahren ohne Fahrerlaubnis oder schwerem Diebstahl, Körperverletzung und Raub sein. Ganz schwere Straftaten wie etwa Tötungsdelikte werden dagegen nicht vom Jugendschöffengericht, sondern vor der Jugendkammer verhandelt. Daneben sind noch sechs Hilfsjugendschöffen (drei Männer und drei Frauen) zu wählen, die zum Zuge kommen, wenn die Hauptjugendschöffen verhindert sind.

Jugendkammer
Außerdem sind im Landkreis Haßberge für die Jugendkammer des Landgerichts Bamberg zwei Hauptjugendschöffen (ein Mann und eine Frau) zu berufen. Die Jugendkammern verhandeln über die Berufungen gegen Urteile des Jugendrichters oder des Jugendschöffengerichts. In erster Instanz verhandeln sie über schwere Straftaten wie etwa Tötungsdelikte.

Sitzungstage
Wie der Direktor des Amtsgerichts in Haßfurt, Wolfgang Titze, mitteilt, sind für das Jugendschöffengericht zwei Sitzungstage im Monat vorgesehen, die jedoch nicht immer benötigt werden. Die Jugendschöffen beim Amtsgericht werden also maximal einmal im Monat zu einer Verhandlung gerufen. Beim Landgericht werden die Jugendschöffen aus dem Landkreis Haßberge nur selten benötigt, da es dort insgesamt zwölf Hauptjugendschöffen gibt und Sitzungen der Jugendkammern nicht allzu oft stattfinden.

Aufwandsentschädigung
Die Jugendschöffen müssen vom Arbeitgeber freigestellt werden, wie das Jugendamt Haßberge weiterhin informiert hat. Das Gericht zahlt den Laienrichtern immer eine Aufwandsentschädigung und erstattet den Verdienstausfall.