Ein kleines Jubiläum konnte am Wochenende der Poetry-Slam in Haßfurt feiern. Bereits zum zehnten Mal fand die wortreiche Veranstaltung des Bibliotheks- und Informationszentrums (Biz) im "Silberfisch" am Schulzentrum statt.

Der bekannten Moderator und Slammer Christian Ritter hatte dank seines großen Netzwerkes fünf Teilnehmer aus ganz Deutschland verpflichten können. "Ein Geschenk, Liebe und Anerkennung" versprach Ritter humorvoll dem Sieger des Abends. Mit dabei waren Maron Fuchs aus Bamberg, Felin Schnee aus München, Veronika Rieger und Luise Kommaklar aus Berlin sowie Xaver Wienerroither aus der österreichischen Landeshauptstadt Wien.

Auch dieses Mal gab es eine Teilnehmerin aus dem Heimatkreis, die auf der sogenannten offenen Liste teilnahm. Hier kann sich jeder melden, der einen selbst geschriebenen Text vortragen will, egal ob heiter oder tiefsinnig. Von ihrem Thailand-Urlaub, in dem sie zur Besitzerin einer Nudelsuppenküche wurde und Erfolg als Karaoke-Sängerin hatte, erzählte die fiktive Geschichte, die Kiki Tabiri aus Zeil dem Publikum vortrug. Spontan hatte sich die aus Berlin stammende junge Frau, die seit 15 Jahren in der Fachwerkstadt am Main lebt, entschlossen, an dem Wettbewerb teilzunehmen.

Normalerweise verbringt die ehemalige Profisängerin, aus deren Zeit ihr interessanter Künstlername stammt, den Winter regelmäßig in Thailand, Dort wurde sie auch inspiriert zum Schreiben ihres Textes, der nur ein Teil einer größeren Geschichte ist. Zur Teilnahme am Finale hatte es trotz des großen Beifalls nicht gelangt, aber wer weiß, vielleicht kann man bald die Wahl-Zeilerin als Autorin wiedersehen. Zurzeit nimmt Kiki Tabiri nämlich an der Schreibschule eines Bestsellerautors teil, bei dem sie lernt, den perfekten Roman zu schreiben.

Das erste Mal überhaupt war David Rubenbauer aus Rügheim beim Haßfurter Poetry-Slam. Der 17-Jährige kannte solche Veranstaltungen vorher nur aus Internet-Videos, war jedoch begeistert von der professionellen Gestaltung und den abwechslungsreichen Beiträgen. Seine Freundin Sina Hahn aus Obertheres war bereits vor einiger Zeit zu Gast im "Silberfisch" bei dem Wörter-Spektakel und animierte ihren Freund auch, sich zu melden, als fünf Personen für die Publikumsjury gesucht wurden.

Ausgestattet mit einer Tafel, ähnlich wie bei Tanzsportwettbewerben, durfte dann David Rubenbauer die einzelnen Vorträge mitbewerten. Mit einer Eins als schlechteste und einer 9,5 als beste Bewertung nahm er so Einfluss auf den Ausgang des Slams. "Das war ein super Abend und hat sehr viel Spaß gemacht. Ich komme wieder, versprochen!", fasste der Azubi seinen Eindruck zusammen.

Im Finale standen dann Veronika Rieger, Luise Kommaklar und Xaver Wienerroither auf der Bühne. Ziemlich knapp setzte sich Veronika Rieger als Siegerin durch, die unter anderem mit ihrem Text "Schach, Politik, Liebe, Familie und die Welt" die Zuschauer begeisterte. Hierbei erzählte sie das Verhältnis zu ihrem Opa und dem gemeinsamen Schachspiel aus verschiedenen Altersperspektiven, vom Grundschulkind bis zur jungen Frau. Als kleine Anerkennung erhielt die sympathische Berlinerin eine Drei-Liter-Flasche fränkisches Bier.

Sylvia Büttner, die Leiterin der Biz-Außenstelle im "Silberfisch", dem Ganztagesbetreuungsgebäude am Schulzentrum, war stolz, dass der Poetry-Slam bereits so lange erfolgreich veranstaltet werden kann. Ihrer Idee war es damals zu verdanken, dass es überhaupt so eine Veranstaltung in Haßfurt gibt, die normalerweise hauptsächlich in Hochschulstädten besondere Beachtung findet.