"Unser Ziel war es, gute Zahlen an unserer Hauptversammlung präsentieren zu können. Dieser hohen Anforderung wurden wir voll gerecht, denn welches Unternehmen kann nach einer so kurzen Zeit eine Dividende von 50 Prozent ausschütten?" Eine erfolgreich Bilanz zog sichtlich stolz der Vorstandsvorsitzende der Schülerfirma "charming spruce", Jonas Gehring, an der Wallburg-Realschule Eltmann.

Das Szenario am Donnerstagabend in der Aula: Wie bei großen Unternehmen kamen die Anteilseigner und Aktionäre zur Hauptversammlung mit Büfett und Imbiss. Der Vorstandsvorsitzende in dunklem Anzug mit Krawatte, die Leiterin der Finanzabteilung Ann-Kathrin Wolf und die Marketing-Vorstandsfrau Anna-Lena Ebner nahmen die Gäste persönlich in Empfang. Die Frauenquote im Vorstand hier war im Gegensatz zu den Dax-Unternehmen schon mehr als erfüllt.

Das interessiert die Jugendlichen


Wirtschaft ist ein spannendes Thema für die Jugend. Das "Junior-Programm" der deutschen Wirtschaft hatte die Wallburg-Realschule dazu animiert, ein eigenes Schülerunternehmen zu gründen. Das Verstehen wirtschaftlicher Zusammenhänge, die Anwendung der Theorie in der Praxis und Schlüsselqualifikationen waren die Ziele.

Jonas Gehring erinnerte, dass sich so viele Schüler gemeldet hatten, dass die Schulpaten die Auswahl treffen mussten. Mit Workshops und der Einladung zu einer Messe für Junior-Unternehmen erfolgte dann der Einstieg. Nach der "Geschäftsreise" habe man sofort mit der Produktion begonnen, weil man das Weihnachtsgeschäft ausschöpfen wollte. Jede Schulpause und freie Zeit ging drauf für Produktion der Schmuck-Armbänder; professionelle Produktfotos, Flyer und Internetauftritt rückten alles ins rechte Licht.

Jonas Gehring sprach Höhen und Tiefen an. "Auf Workshops stellten viele Kollegen unser Alter in Frage und meinten, dass es zu früh sei, in der neunten Klasse eine solche Firma zu gründen. Die meisten Unternehmen waren um die 20 Jahre alt. Sie warnten uns vor eventuellen Problemen, aber wir konnten auch unangenehme Dinge konstruktiv umsetzen. Es ist nämlich nicht entscheidend, wie lange, sondern mit welcher Tatkraft man eine Aufgabe erfüllt. Unsere Zahlen, die wir vorlegen, beweisen das."

Gewinn von 450,34 Euro


Finanz-Vorstand Ann-Kathrin Wolf legte die Zahlen vor. Startkapital waren 900 Euro. "Nach der Gewinn- und Verlustrechnung bleibt damit ein Gewinn von 450,34 Euro, womit Ihre Aktie um 50 Prozent stieg. Ihre Einlage von 10 Euro ist damit heute 15 Euro wert. Das hat sich somit nicht nur für Sie gelohnt, sondern auch für uns."

Marketing-Chefin Anna-Lena Ebner zeigte, wie man Produkte richtig präsentierte und verkaufte. Die Eltmanner waren beim Wein- und Korbmarkt in Sand, beim Ostermarkt in Prölsdorf, bei der Rosenschau in Königsberg und der Landesgartenschau in Bamberg; auch in der Fußgängerzone in Bamberg. "Wir haben dabei jedenfalls sehr viel erfahren, dazu gelernt, auch wenn es manchmal nervenaufreibend war. Insgesamt haben wir etwa 500 Armbänder in verschiedenen Preisklassen verkauft und dabei einen Umsatz von 2200 Euro erzielt."

Jonas Gehring bilanzierte: "Die Schülerfirma war durchaus eine sehr, sehr positive Werbung für unsere Wallburg-Realschule und zeigte, dass wir auch sehr große Projekte auf die Beine stellen können." Den Lehrern, insbesondere den Schulpatinnen Beate Reiser und Susanne Müller bescheinigte er eine sehr gute Zusammenarbeit. Den größten Nutzen habe man selbst gehabt. "Wir haben hier Erfahrungen gemacht, die für den weiteren Lebensweg jedes Einzelnen sehr wertvoll sein können. Mit diesem Projekt besteht durchaus die Möglichkeit, bei einer Bewerbung aus der Masse heraus zu stechen. Denn wer kann schon im zarten Alter von 15, 16 Jahren wirtschaftliche Erfahrung vorweisen? In einer Sache bin ich mir sicher: Dass dieses Projekt jedem Einzelnen hilft, seine eigene Erfolgsgeschichte zu schreiben."

Realschulrektor Hendryk Heckl fand es sehr bemerkenswert, was die Schüler in diesem einen Jahr fertig gebracht hätten. Es seien alle Lügen gestraft worden, die meinten, dass die Neuntklässer dafür zu jung seien. Ihn habe vor allem die Professionalität gewundert, mit der alles über die Bühne ging. Darauf sei er sehr stolz. Zum zweiten wollte er natürlich als Aktionär auch den Profit sehen. "In der heutigen Zeit kann man schon die Firmen suchen, die innerhalb so kurzer Zeit so einen Gewinn ausschütten können."

Die Wirtschaftslehrerinnen und Schulpatinnen Beate Reiser und Susanne Müller zeigten sich sogar ein bisschen wehmütig, dass dieses Projekt schon abgeschlossen werden musste. Die Schüler hätten viele Erfahrungen gehabt, die sie ohne Firma nicht erlebt hätten. Das werde ihnen bei Vorstellungsgesprächen und dem Einstieg ins Berufsleben viele Vorteile bringen, hoben die Fachfrauen hervor.

Bürgermeister Michael Ziegler (CSU) meinte: "Ich bin hin- und hergerissen. Ich habe zwar viele Termine zu absolvieren. Aber über diesen heute bin ich sehr stolz. Was Ihr auf die Beine gestellt habt, war toll. Das müsste auch bei großen Aktienfirmen gezeigt werden, dass der Mensch im Vordergrund stehen muss. Ich bin mir sicher, Ihr macht alle Euren Weg und vielleicht sehen wir Euch einmal in der Zeitung oder im Fernsehen wieder."