Fünf Meter hoch ragt der Windwurfteller empor, 20 Kubikmeter Erde oder mehr haften noch an der Wurzel. Im Sturz hat der schätzungsweise 20 Tonnen schwere Gigant noch andere Bäume mit sich gerissen, überall liegen zerschmetterte Äste und splittriges Holz, Zweige und Blätter.

Es herrscht Chaos im Buchenwald bei Ebrach. Doch Georg Sperber, einer der besten Kenner der Wälder Deutschlands und leidenschaftlicher Hüter der Altbuchen im Steigerwald ist nicht traurig darüber, dass das Gewitter, das Samstagnacht über Franken fegte, ausgerechnet in den beiden Naturwaldreservaten Brunnstube und Waldhaus gewütet hat - mehr als in den Wirtschaftswäldern ringsum.

Die Kraft der Natur reicht viel weiter


Ein seltenes Naturereignis hat sich da abgespielt. Denn die Wucht der Windhose, die sich gegen 22 Uhr von Süden der Waldfront bei Ebrach näherte, hat nur kleinräumig zugeschlagen. Zwei Hektar des 50 Hektar großen Naturschutzgebietes mögen es sein, die seit Samstag noch mehr nach Urwald aussehen als bisher.
Denn hier im Naturschutzbiet darf der Windwurf nicht aufgearbeitet werden. Er bleibt liegen und dem Zerfall überlassen, ein wildromantisches Bild, wie es sich ohne menschliche Nutzung überall bieten würde.

Was den Experten freut: Wenige Stunden nach einer Buchenwaldtagung in Ebrach, in der Wissenschaftler den, gemessen an nordostdeutschen Buchenwäldern vergleichsweise niedrigen Totholzanteil im Steigerwald beklagten, kam der Sturm und "hat der Donnergott für eine Korrektur gesorgt", wie Sperber meint.
Doch auch der Herr der Nutzwälder, Ulrich Mergner, Chef des Forstbetriebs, sieht die Folgen des Orkans nicht mit der wirtschaftlichen Brille: "Das ist schon spannend zu sehen, was in der Brunnstube jetzt passiert. Was sich entwickelt, wie das Holz sich zersetzt."

Im Forstbetrieb Ebrach sind durch Starkregen und Wind vom Wochenende insgesamt rund 500 Bäume mit 2000 Kubikmeter Holz umgefallen - überschaubar im Vergleich zur jährlichen Ernte von 100 000 Kubikmetern. Auffällig: Mit 95 Prozent ist besonders die Buche betroffen, wohl weil sie auf den Böden mit Sandsteinbänken und Tonschichten häufig nur flache Wurzeln ausbildet. Manche Bäume hat der Wind um die eigene Achse gedreht und regelrecht zerfetzt.

Im Naturkreislauf


Nur die Hälfte des Windwurfs will Mergner im Herbst aufarbeiten lassen, der Rest soll dem Naturkreislauf überlassen bleiben - "ein solcher Sturm ist ökologisch betrachtet sehr wertvoll", sagt Mergner. Nicht nur der Wildnischarakter, auch die Artenvielfalt wächst.
Auf der politischen Ebene herrscht im Steigerwald zurzeit eher die Ruhe nach dem Sturm. Bambergs Landrat Günther Denzler (CSU) verfolgt seine Pläne für das beantragte Großschutzgebiet bei Ebrach weiter mit Nachdruck. Zwei Investoren gibt es für den Baumwipfelpfad.
Die Gespräche mit der Regierung von Oberfranken machen ihm Hoffnung, dass sich am Ende der lange Weg gelohnt hat. "Ich sehe sehr viel positive Entwicklungen im Steigerwald und bin überzeugt, dass am Ende ein Großschutzgebiet entstehen wird. Das könnte durchaus einen anderen Namen haben."