Von Freude kann nicht die Rede sein. Es traut sich ganz einfach niemand mehr, sich (zu früh) zu freuen. Nicht, nachdem sich die Suche nach einem Tierheim-Standort im Landkreis Haßberge als schwieriger erwiesen hatte, als es die Verantwortlichen jemals für möglich gehalten hätten.

Deswegen waren die Mitglieder des Kreisausschusses des Landkreises Haßberge bei ihrer Sitzung am Montagnachmittag im Landratsamt Haßberge ziemlich zurückhaltend, als es um das Thema Tierheim ging: Die Information, dass es zu dem bereits vorgestellten (und ursprünglich favorisierten) Grundstück bei Zell am Ebersberg (Gemeinde Knetzgau) eine weitere Alternative gibt, nahmen sie emotional regungslos, aber freilich interessiert zur Kenntnis.

Information in Zell
Die eigentliche (womöglich eine emotionale) Diskussion sollte wohl der Abendveranstaltung am selben Tag vorbehalten bleiben, in der Landrat Wilhelm Schneider (CSU) die Zeller Bevölkerung über die Standortsuche informieren wollte. Jedenfalls sah sich der Landrat zu der Suche nach einem Alternativ-Standort veranlasst, nachdem er im Mai dieses Jahres bei der Vorstellung des ersten Standorts - das Grundstück einer ehemaligen Gärtnerei bei Zell - viel Kritik seitens der Zeller Bevölkerung einstecken musste.

Suche beendet? Von wegen!
Und das, obwohl die Tierheim-Tristesse eigentlich gar nicht sein Thema mehr sein sollte: Schneiders Vorgänger Rudolf Handwerker (CSU) hatte noch kurz vor dem Ende seiner Karriere erleichtert die alte Gärtnerei als optimalen Standort für ein Tierheim präsentiert. Dem war eine rund drei Jahre währende Suche nach einem geeigneten Grundstück vorausgegangen. Dabei gab es jedes Mal Probleme, so erwies sich zum Beispiel einmal die Grundstückerschließung als zu kompliziert, ein anderes Mal änderte ein Grundstücksbesitzer kurzfristig seine Verkaufsabsichten, dann wiederum gab es vehemente Proteste aus der Bevölkerung.

Letzteres war auch in Zell der Fall, als der seit Mai regierende Landrat Wilhelm Schneider frohen Mutes in den Knetzgauer Gemeindeteil gereist war, ihm dort aber Protest entgegenschlug: Einige Dorfbewohner fühlten sich übergangen und vom Landkreis vor vollendete Tatsachen gestellt.

Das geplante Tierheim auf dem Grundstück der ehemaligen Gärtnerei befände sich nach Ansicht der Zeller zu nah am bewohnten Gebiet (etwa 360 Meter entfernt), so dass es womöglich zu Lärmbelästigung etwa durch Hundegebell kommen könnte. Schneider versprach daraufhin, weitere Standorte zu prüfen. Der nun gefundene Standort liegt etwas weiter hinter der Gärtnerei nahe der Autobahn. Der Abstand beträgt über 800 Meter zum Dorf.

Sollte die Zeller Bevölkerung diese Alternative akzeptieren, sind die Chancen hoch, dass dort ein neues Tierheim entsteht: Weil an der Staatsstraße 2276 auf Höhe der ehemaligen Gärtnerei aus verkehrsrechtlichen Gründen eine zwischen 150 000 und 200 000 Euro teure Linksabbiegespur (Schneider: "Das ist kein Pappenstiel") zu der möglichen Tierheim-Zufahrt gebaut werden müsste, beim Alternativ-Standort dies jedoch nicht notwendig ist (weil hier wegen der nahen Autobahnauffahrt ein Tempolimit auf 70 Stundenkilometer besteht, was die Abbiegespur nicht notwendig macht), wäre der Alternativ-Standort günstiger. Für den geplanten Tierheim-Neubau (ohne Abbiegespur) rechnet der Landkreis mit 1,2 Millionen Euro Kosten.

Fundtierbetreuung ungeregelt
Der Kreis Haßberge braucht dringend ein Tierheim, nachdem die bisherige Unterkunft in Haßfurt 2010 wegen Mängeln geschlossen werden musste. Seither ist die Fundtierbetreuung nicht geregelt. Zeitweise übernahm sie die Tierschutzinitiative (TI) Haßberge auf einem Privatgelände provisorisch. Die TI (Sitz in Oberschwappach, Gemeinde Knetzgau) würde das künftige Tierheim betreiben.