Das beste Gegenmittel ist immer noch Wasser. Und das in vielerlei Hinsicht. "Im Moment dürstet die ganze Pflanzenwelt", sagt Guntram Ulsamer, Kreisfachberater für Gartenbau und Landespflege in Haßfurt. Und nicht nur die, auch die Menschen verbrauchen jetzt viel mehr Flüssigkeit als sonst, sie schwitzen bei 35 Grad im Schatten (gemessen am Montagnachmittag in Zeil).

Der Körper verlangt nach Wasser. Da sind Pflanzen wie Menschen gar nicht so verschieden, nur dass (besonders junge) Pflanzen den Nachteil haben, sich kein Wasser beschaffen zu können: Denn bei einigen unter zweijährigen Gewächsen sind laut Ulsamer die Wurzeln noch nicht weit ausgebildet, sie können nicht aus tieferen Erdschichten Wasser ziehen. Daher empfiehlt er Hobbygärtnern, bei diesen Temperaturen "alle zwei Tage" zu gießen - "und dann kräftig". Auf offenen Wiesen ist derzeit an vielen Stellen Dürre zu beobachten. "Das sieht aus wie in Spanien", sagt Ulsamer. "Palmen wären jetzt ideal", erklärt er und lacht. Insgesamt hält er die heißen Tage aber für alles andere als eine Zumutung: "Es ist endlich mal wieder Sommer. Also: Freuen wir uns."


Schuften in der prallen Sonne

Das mit der Freude mag Holger Eichhorn und Uwe Ahne nicht so recht gelingen: Sie schuften in Zeil in der Oberen Torstraße in praller Sonne, gegenüber dem Zeiler Finanzamt musste ein Kabel unter dem Gehsteig verlegt werden. Die Männer arbeiten unter diesen strapazierenden Bedingungen bis zu achteinhalb Stunden am Tag. "Ab und zu muss man da schon mal in den Schatten", sagt Eichhorn. "Und abends ist man richtig fertig."
Wohl dem, der frei hat: Im Eltmanner Freibad herrscht spätestens am Nachmittag Hochbetrieb.

Die Autos reihen sich am Straßenrand. Man ist froh, wenn man endlich drin ist und sich abkühlen kann. So auch Patrick, Celil, Joshua, Jeremy, Kevin und Adrian. Die Schüler haben sozusagen hitzefrei, und dürfen sich zusammen mit ihren Lehrerinnen im Freibad von den drückenden Temperaturen erholen. Wie es um die Moral im Klassenzimmer wohl aussieht, wenn die Temperaturen noch weiter steigen, lässt sich nur vermuten. Es könnte also sein, dass man in den nächsten Tagen noch die eine oder andere Schulklasse in den Wasseroasen des Landkreises zu Gesicht bekommt.


Zu heiß für Eis

"Wenn es zu heiß ist, ist es auch nicht gut für uns", sagt Martin Fischer, Besitzer zweier Eiscafés in Zeil und Sand. Es gibt zwar viele Radtouristen, die immer unterwegs sind, "egal ob es warm ist oder nicht", und sich auch gerne mal eine Abkühlung gönnen. Aber für die Einheimischen sei es tagsüber oft einfach zu heiß. Die kämen lieber gegen Abend. Zwischen 5 und 6 Uhr startet in diesen Tagen die Hauptbetriebszeit in den Eiscafés. Da kann es auch mal ein bisschen später werden: "Gegen zehn Uhr, wenn die Leute vom Biergarten zurücklaufen, holen sie sich gerne nochmal ein Eis", sagt der Eisverkäufer.

In den kommenden Tagen werden die Temperaturen weiter steigen. Der Diplom-Meteorologe Dominik Jung, der unter anderem das Internetportal www.wetter.net betreibt, hält die Prognosen für sehr zuverlässig: "Mir wird irgendwann langweilig", scherzt er. Seit drei Wochen Sonnenschein und keine Änderung in Sicht. Im Gegenteil: Die Hitze wird bis zum Wochenende "teilweise unerträglich", warnt er. Denn bislang war die Luft eher trocken, das Azorenhoch Yasmin hatte hierzulande für reichlich Sonnenschein gesorgt. Dabei bleibt es, nur kommt die Luft laut Jung nun direkt aus dem Südwesten und damit aus Spanien und Portugal. Sie strömt aus der Sahara in Afrika über das Mittelmeer nach Europa und nimmt über dem Wasser noch einmal richtig Feuchtigkeit auf. Die Folge: "Es wird schwüler", sagt Jung. Er warnt vor Kreislaufproblemen und rät jedem, der sich länger draußen aufhält, eine Kopfbedeckung zu tragen. Vereinzelt kann es zu lokalen Gewittern und Starkregen kommen, vorhersagen lassen sich diese Wetterereignisse nach seiner Darstellung aber nicht.


Luftbeobachter fliegen täglich

Unterdessen steigt die Waldbrandgefahr. Zwar ist die Region Main-Rhön mit dem Landkreis Haßberge kein typisches Waldbrandgebiet, wie Wolfgang Raps erklärt. Der Katastrophenschutzbeauftragte der Regierung von Unterfranken ist mit seiner Behörde in Würzburg aber dennoch zu dem Entschluss gekommen, dass das Team der Luftbeobachter ab dem heutigen Dienstag "bis auf weiteres täglich fliegen" wird. Von den Flugplätzen Haßfurt und Bad Kissingen starten nun am späten Nachmittag und abends die Flieger zur vorbeugenden Waldbrandbekämpfung für den gesamten Regierungsbezirk.


Kommentar von Andreas Lösch, Redakteur: Juchee, es ist Sommer!

Mein Chef hat für vieles Verständnis, nur nicht für hitzefrei. Ist doch klar, sagt er, die Hitze ist unser Thema morgen, also fang' an zu recherchieren! Die Ventilatoren laufen im Büro, und nichts würde man lieber tun, als sich einfach hinzulegen, Siesta machen, wie in Spanien. Denn von der iberischen Halbinsel strömt derzeit warme Luft in Richtung Norden und die wird uns die kommenden Tage richtig einheizen. Vorher war die Luft sogar noch in der Sahara in Afrika und hat sich auf ihrem Weg nach Europa über dem Mittelmeer feucht gesogen, sagt der Klimaexperte Dominik Jung. Soll heißen: Es wird drückend warm, heiße Tage und nur minder kühlere Nächte stehen bevor. Ja, ist das denn nun schlimm oder was? Sicher: Zu hohe Temperaturen können dem Kreislauf schaden, vor allem ältere Menschen sind betroffen. Manchmal vergisst man auch einfach, genügend zu trinken.

Wer sich länger draußen aufhält oder unterwegs ist, sollte Wasser dabei haben oder welches besorgen. Ansonsten aber gilt: Einfach den Sommer genießen! Und ruhig auch mal faul sein. Die Hitze fordert einen schon genug. Da kann man sich mittags ein schattiges Plätzchen suchen, den Sonnenhut tief ins Gesicht ziehen und ein Nickerchen machen. Abends empfiehlt sich ein Spaziergang im Wald, dort ist es meist angenehm kühl. Hitzefrei wie früher in der Schule, das sollte es auch auf der Arbeit geben. Was Ökonomen dazu erzählen, ist mir egal.
Wer sich jedoch beschwert, es sei zu heiß, der hat vergessen, dass wir im Mai noch alle gefrustet aus dem Fenster geschaut haben, weil es ständig regnete und niemand vor die Tür wollte. Jetzt endlich scheint die Sonne - und das nicht zu knapp: Juchee! Und über hitzefrei werd' ich mit meinem Chef noch einmal neu verhandeln.