Reinhold Albert hat sein übliches Musikinstrument beiseite gelegt und zur Motorsäge gegriffen. Der freischaffende Künstler und Musiker hat auf der einen Seite des Holzstamms eine organische Form, Pflanzen und Blüten aus dem Boden wachsen lassen, verbunden mit einer Sitzfläche; auf der anderen Seite des Eichenstamms prangen die geschwungenen "Baum staben" von Zeil, wie sie Albert nennt.

"Die Idee habe ich aus Äthiopien mitgebracht, wo ich in Gambela bei einem Projekt zur Nutzung von Stielblütengras als Baustoff, Brennstoff und Biodiesel helfe", erzählte Reinhold Albert. "Da für dieses Projekt Wald gerodet wird, der im Land verarbeitet oder verbrannt werden muss, habe ich mir überlegt, aus den Bäumen nicht nur Material für den Bau von Lodges herzustellen, sondern auch Kunstwerke." Zur Übung hat er aus einem Pappelstamm mit einer Carving-Säge eine Figur gesägt und vor dem Gebäude der Budo-Akademie, wo er wohnt, aufgestellt. "Vielleicht wird sie ja als Insektenhotel genutzt", meinte Albert, "denn das Holz ist teilweise schon morsch."

Die Willkommensstele schuf er in 45 Stunden. Die Eingebung führte seine Hand; Albert hörte, wie er sagte, auf das, was der Baum ihm mitteilte. "Das Eichenholz ist sehr hart und schwierig zu bearbeiten. Außerdem wiegt die Säge immer noch gut fünf Kilo, die sich gerade bei den Arbeiten über Kopf nach einiger Zeit deutlich bemerkbar machen." Nach fünf, sechs Stunden seien alle Muskeln erschöpft. Die Konzentration nehme ab. "Die ist aber wichtig, um keine Fehler zu machen und aus Versehen zu viel Holz wegzusägen. Gerade bei den Buchstaben kam es darauf an, sorgfältig zu arbeiten", schilderte er.

Die Skulptur ist rund 2,20 Meter hoch und gut 400 Kilogramm schwer. Ein wenig stolz ist Reinhold Albert auf seinen "Graffiti-Tree" schon: Fußgänger und Radfahrer bleiben stehen, betrachten das Werk und lassen sich, wenn sie Radtouristen sind, sogar damit ablichten. "So nehmen sie ein Stück Zeil mit nach Hause."
Kunstwerke aus Holz zu sägen, das würde Albert, der bekannt ist für seine Konzerte mit afrikanischer Musik, ganz gerne öfters machen. Rückfragen von Leuten, die einen Baum auf ihrem Grundstück fällen müssten und sich eigentlich nicht von ihm trennen wollten, steht er offen gegenüber. "Für sie könnte ich aus einem Baumstumpf noch etwas Schönes zur Erinnerung formen."