Der Marketingministerpräsident des Freistaates Bayern, Markus Söder, hat es wieder geschafft. Jüngst gelang ihm mit seiner Kruzifix-Verordnung für bayerische Dienstgebäude ein medialer Coup, der nun schon über eine Woche anhält.

Söder sucht die Öffentlichkeit gerne mit provokant zur Schau gestelltem Selbstbewusstsein (heim) und meistens geht sein Plan auf, vor allem die Nutzer von sozialen Medien lieben es, den CSU-Politiker zu shitstormen (in etwa: "jemandem verbal im Internet mit oder ohne Begründung die Fresse polieren/an den Pranger stellen") und Söder scheint das sogar zu genießen.

Als er 2015, damals noch Finanz- und Heimatminister, ein Bild von sich aus jungen Jahren auf Facebook einstellte, auf dem er vor einem Poster posierte, das den CSU-Übervater Franz Josef Strauß zeigt, schrieb er drunter: "Das war das Poster über meinem Bett in der Jugendzeit. Was hing bei euch?" Prompt hatte er seinen Shitstorm und sich um ein weiteres Mal ins öffentliche Gedächtnis gefräst.

Jetzt fragt er nicht mehr "Was hing bei euch?", nun sagt er, was da "zu hängen hat": Per ministerialem Erlass bestimmt er, dass in bayerischen Dienstgebäuden künftig ein Kreuz angebracht werden muss. Dass in vielen schon eins hängt, weiß er freilich auch; ebenso, dass der Staat als Organ keine religiösen Ansichten vertreten darf (religiöse Neutralitätspflicht, Artikel vier im Grundgesetz), darum sagt er: "Das Kreuz ist nicht ein Zeichen einer Religion", sondern ein Symbol der christlich geprägten, abendländischen Kultur.


Staat und Religion

Weil sich der Ministerpräsident zu solchen Aussagen hinreißen lässt, bringt er sogar die Kirche gegen sich auf, die die Deutungshoheit über ihr wichtigstes religiöses Symbol natürlich für sich allein beansprucht.

Auch im Kreis Haßberge ist die "södersche Kreuz-Verordnung" ein Thema. Im Gespräch mit hiesigen politischen Verantwortlichen und Kirchenvertretern wird deutlich: die meisten von ihnen halten die ganze Debatte für übertrieben. Eher auf die Seite seines Parteikollegen Markus Söder schlägt sich Hermann Niediek, Bürgermeister der Marktgemeinde Burgpreppach. Dass sich die Kirche nun darüber aufrege, dass die bayerische Staatsregierung ein klares Zeichen pro christlich geprägter Kultur setzt, könne er nicht nachvollziehen. "Dass die Kirche hier nun Vorwürfe macht, verstehe ich nicht. Das Kreuz gehört zu uns", sagt er. Die staatliche Neutralitätspflicht sieht er auch nicht verletzt.
Jemand, der anderen Glaubens sei oder gar nicht glaube, "wird ja nicht dadurch, dass ein Kreuz da hängt, anders behandelt", erläutert er. "In meinem Bürgermeisterzimmer hängt auch ein Kreuz", und das nicht erst, seit Söder das so im Namen der Christlich Sozialen Union verordnet habe. Aus parteipolitischer Sicht ist das Ganze für ihn eindeutig zu erklären: "Wir als CSU haben das C im Namen, warum sollten wir nicht dazu stehen?"
Untermerzbachs Bürgermeister Helmut Dietz, SPD, singt natürlich in diesem Zusammenhang kein Loblied auf die CSU, nur weil sie ein C im Namen hat, aber als Christ ist für ihn das Kreuz als religiöses Symbol sehr wohl von Bedeutung. Auch im Untermerzbacher Rathaus hängen Kreuze unabhängig von der aktuellen Debatte. Das Kreuz gehöre einfach dazu, "das ist doch keine Diskriminierung. Wir sind tolerant jedem gegenüber." Als Behörde würde man deswegen nicht anders mit Leuten umgehen, die eine andere Weltanschauung haben.


Diskussion "etwas überzogen"

Für Karl-Heinz-Kandler, SPD-Bürgermeister in Kirchlauter, ist das Christentum ebenfalls fester Bestandteil der eigenen Identität, auch in seiner Gemeindeverwaltung (Kirchlauter gehört zur VG Ebelsbach) sei es normal, dass man Kreuze aufhänge, "ich habe auch eines in meinem Zimmer über der Tür". Sicher brauche man aber keinen amtlichen Erlass dazu, "die Diskussion ist etwas überzogen. Von beiden Seiten", sagt er. Denn in der Sache gebe es im Grunde genommen nicht sonderlich viel zu diskutieren, es bestehe nach der Gesetzgebung längst Klarheit: "Wenn es nach dem Grundgesetz geht, herrscht Religionsfreiheit. Das ist ein hohes Gut." Man müsse sich, um Identität zu stiften, nicht besonders hervortun und betonen, wer oder was man sei. "Das ist das gleiche wie mit der Hautfarbe. Von solchen Unterschieden sollte man sich nicht bei der Beurteilung eines Menschen leiten lassen."
Landrat Wilhelm Schneider (CSU) lässt die Diskussion ziemlich kalt. Denn in der Sache ändere sich nichts: "In unserem Landratsamt hängen bereits Kreuze in den verschiedensten Räumen - unter anderem auch in meinem Büro. Da hat sich bisher noch nie jemand darüber beschwert oder aufgeregt", erklärt er. Und betont, dass die behördliche Neutralitätspflicht davon unberührt bleibt: "Wir achten in unserem täglichen Handeln die Grundrechte", versichert er.