Fünf bis sechs Stunden saß er täglich im Sattel. Die sieben Etappen waren bis zu 150 Kilometer lang, und dabei mussten täglich zwei Bergpässe sowie bis zu 3000 Höhenmeter überwunden werden. Die Rede ist nicht von der "Tour de France", sondern von der "Tour Transalp" - dem härtesten Radrennen der Alpen. Unter den 1300 Teilnehmern aus 27 Nationen, darunter viele ehemalige und aktuelle Profis, war auch der Kirchaicher Markus Thomann, der für eine Woche sein Akkordeon mit dem Fahrrad tauschte.

Der 33-Jährige ist bestens bekannt als Mitglied der drei "Dorfrocker". Zusammen mit seinen Brüdern Tobias und Philipp rockt Thomann seit über fünf Jahren mittlerweile bis zu 120 Mal im Jahr Bühnen in halb Europa und den USA und hat bis zu 20 Fernsehauftritte jährlich.

Doch einmal im Jahr gönnt er sich eine Auszeit. Dann legt er nicht - wie sich angesichts des enormen Zeitaufwandes vermuten lässt - einfach mal die Beine hoch und liest in aller Ruhe ein gutes Buch. "Ich bin nicht dazu geboren, mich irgendwo am Strand hinzulegen und Löcher in die Luft zu gucken", lacht er und ergänzt: "Das kann ich nicht und ich werde da auch nervös. Ich bewundere die Leute, die das können." Für ihn war die Woche auf dem Rad "trotz der Strapazen und Wehwehchen" in erster Linie "als Abschalten gedacht, da ich hier seit langem einmal Computer und Handy in die Ecke stellen konnte." Beim Radfahren wie bei dieser Tour lerne er, "den Schweinehund täglich zu besiegen und dann zu kämpfen, wenn andere schlapp machen. Das bringt auch im Alltag einen enormen Vorteil."

Das Arbeitspensum ist hoch


Die Diskussionen um eine 38- oder 40- oder 42-Stunden-Woche betrachtet der Steigerwälder "mit einem Schmunzeln, da dies nicht mal ein Drittel der gesamten Wochenstundenanzahl ausmacht." Viele der Selbstständigen könnten seiner Meinung nach "ein Lied davon singen, wenn man Tag und Nacht beschäftigt ist. Bei uns kommt neben dem Job unter der Woche in Büro, Tonstudio, und so weiter, eben das Wochenende dazu, wo sich live das meiste abspielt." Aber ein Punkt ist Markus Thomann ganz bewusst: "Ohne Fleiß, Ausdauer und Willen wären wir nicht da wo wir heute sind." Er ist jedenfalls froh, neben dem Job Sport machen können. "Das ist ortsunabhängig, egal wo ich bin."

Vorbereitet hat sich der Musiker bereits im Winter ausschließlich mit Laufen für die Ausdauer sowie später mit dem Rennrad. "Ein Training für die Tour ist aber fast nicht möglich, da wir diese Berge nicht haben", betont er. Die Fahrt auf den 100 Kilometer entfernten Kreuzberg war für ihn deshalb deshalb mehr "ein Kinderspiel". Grundsätzlich gehöre "viel Disziplin und Ausdauer" dazu.

Markus Thomann räumt ein, dass bei der Trans-Alp selbst die kurvenreichen Abfahrten, bei denen die Teilnehmer Geschwindigkeiten von bis zu 80 Stundenkilometern erreichen, sehr anstrengend sind. "Man ist im Ziel schon fertig. Wir sind ja auch keine Touristikfahrer, die Fotos machen, sondern fahren auf Zeit", sagt Markus. Auch gibt es bei der Trans-Alp keinen Ruhetag. Es geht jeden Tag aufs Neue los.

Mit dem Papa auf Tour


"Ich freue mich am meisten und bin dem lieben Gott dankbar, dass uns auch bei unserer dritten Teilnahme nichts passiert ist." Mit "uns" meint er sich und seinen Vater Wolfgang, der in den 70er- und 80er-Jahren zahlreiche Erfolge als Radrennfahrer einfuhr und unter anderem vielfacher Meister war. Auch als Langläufer machte Wolfgang Thomann eine glänzende Figur. Der 58-Jährige, dessen Marathon-Bestzeit bei 2,21 Stunden liegt, bildete mit Markus zum dritten Mal nach 2005 und 2010 das "Team Thomann". Am Ende belegten die beiden Haßberg´ler den 200. Platz in der Kategorie "Masters".

Einen positiven Nebeneffekt hat die Schinderei doch noch: "Ich konnte früh und abends essen wie ein Mähdrescher und habe abgenommen", war für Markus Thomann "dieses Gefühl, alles und soviel man will essen zu können" einfach nur "schön". Seine Empfehlung für jammernde Fußballer, die über zwei oder dreimalige Einsätze in der Woche klagen, lautet seine Empfehlung indes: "Die sollen hier mal mitfahren." Viele Fahrer gaben wegen Erschöpfung auf oder kamen mit dem Besenwagen ins Ziel.

Derweil wäre wohl schon die An- und Abreise für die meisten zu strapaziös gewesen, die laut Markus "ganz schon heftig" war. Bis nachts um halb zwei stand er mit den "Dorfrockern" in der Region Linz/Wien in Österreich noch auf der Bühne und fuhr dann 400 Kilometer nach Mittenwald, wo um 8.00 Uhr der Startschuss für die "Transalp" erfolgte. Nach 120 Kilometern und zwei Pässen bis "war ich dann froh, als ich im Bett war."

Am Schlusstag dieselbe Prozedur: Ende im Raum Gardasee, ab ins österreichische Bad Blumau an der ungarischen Grenze, wo die Brüder mit dem österreichischen Echo-Gewinner Andreas Gaballier einen Auftritt hatten. "Da bin ich gerade noch rechtzeitig angekommen." Trotz allem hat Markus Thomann sein persönliches sportliches Glanzlicht "genossen".

Seine ganze Konzentration gilt nun wieder den "Dorfrockern", für die der Musik-Marathon weitergeht. Über 700 Live-Auftritte und 70 Fernsehshows hat Markus mit seinen Brüdern Tobias und Philipp bereits erfolgreich hinter sich gebracht. Dazu unzählige Radio- oder Promotionstermine. Von den bislang vier veröffentlichen Alben landeten zahlreiche Lieder in den Charts. "Dies können nur wenige deutschlandweit vorweisen", sind die drei stolz auf die Zwischenbilanz nach fünf Jahren. Stolz können sie zudem auf die zunehmende Professionalität sein. Sie ist auch ein Mitgrund, warum die Band in Deutschland, Schweiz, Österreich, Frankreich, Südtirol aber auch in Luxemburg oder Holland bis hin in die USA bekannt und beliebt sind.

Nach wie vor benötigen sie dazu keine professionelle Hilfe. "Wir managen uns immer noch komplett selbst", betont Markus, der "Kopf" der Band. "Von daher habe ich ziemlich viele Zahlen, Termine und Informationen im Kopf, sodass viele häufig den Kopf schütteln." Und weil er, Tobias (schreibt, komponiert und produziert teilweise auch die eigenen Songs) sowie Philipp (kümmert sich um die Internetseite, Werbung und das "Drumherum") neben den Auftritten weiter noch viel zu tun haben, spricht er von einem "Full-Time-Job ohne große Pausen, bei dem wir nicht nur täglich, sondern ständig mit der Musik konfrontiert sind." Bleibt da noch Zeit für andere Dinge? "Nein", bedauert Markus, "Freizeit haben wir aktuell so gut wie nicht."

Rückblickend bereut er den im Sommer 2007 gemachten Schritt, welchen er "selbstverständlich wieder" machen würde, dennoch nicht. "Es war eine sehr bewegende Zeit", sagt er. "Wir haben sehr viel erlebt." Ein Ende ist für ihn jedenfalls noch lange nicht in Sicht. Dem pflichtet Philipp bei. "Es macht zurzeit einfach viel Spaß", betont der 24-Jährige. "Warum nicht noch genauso lang oder am besten noch viel länger?" Und Tobias Thomann? Der Leadsänger der Band bekräftigt seine zwei Brüder nur und verweist auf die zahlreichen Termine. Die "Dorfrocker" sind weiterhin "Mega in".

Das neue Album


Das nächste musikalische Glanzlicht ist nun die Veröffentlichung des neuen Albums "Roll den roten Teppich aus", welches am Freitag, 27. Juli, deutschlandweit in den Handel kommt. Bereits eine Woche zuvor, am Samstag, 21. Juli, stellen die "Dorfrocker" in der ZDF-Livesendung "Wenn di Musi spielt" ihre neuen Lieder vor. Für Tobias, der für die Lieder verantwortlich ist, war die Arbeit wieder ein großer Spaß. Probleme, neue Melodien zu komponieren, hatte er nicht. "Mir fällt immer etwas ein", lacht der 29-Jährige. Die Reihenfolge von Melodie und Text ist indes "immer ganz verschieden. Aber es ist zeitaufwendiger, als man denkt." Auf dem neuen Album gefällt ihm besonders "Dorfkind." Dabei geht es um alle, die sich auf dem Land wohlfühlen und von sich behaupten: Ich bin ein Dorfkind und darauf bin ich stolz.


Open Air in Bamberg


Am Samstag, 28. Juli, steigt auf der "Jahnwiese" in Bamberg schließlich das große Open Air. Dabei ist auch Torwartlegende Sepp Maier, mit dem die Steigerwälder vor zwei Jahren auf Tour waren und viel erlebt haben. "Wir freuen uns auch über Markus Becker (Rotes Pferd) und auf den Ex-Klostertaler Markus Wohlfahrt", fiebert Markus Thomann dem Glanzlicht entgegen.