Ein Schwimmteich oder ein Swimmingpool gleich vor dem Haus? Das ist ein "totaler Run", meint Jörg Pischel vom Zeiler Elektrotechnik-Unternehmen "Scheuring und Pischel". Die Firma ist besonders dann gefragt, wenn es um die Anschlussarbeiten für Filter, Pumpe und Beleuchtung geht und hat das früher, schätzt Pischel, etwa einmal im Jahr gemacht. Inzwischen ist man schon gut fünf Mal im Jahr dabei, diesen Kundenwunsch zu erfüllen.


Ebelsbacher Spezialist

Ziemlich die einzige Firma im Landkreis Haßberge, die spezielle, fest eingebaute Beton-Pools eines französischen Herstellers in den Garten "pflanzt", ist die Ebelsbacher Firma "M+R Heizungsbau". Chef Klemens Reinwand hat sich auf dieses System konzentriert, das fast jede Form und Farbe ermöglicht, die Seitenwände und der Boden erfolgen in einem Guss. Darüber kommt eine Folie. "Die Nachfrage ist auf jeden Fall größer als vor zehn oder 15 Jahren", meint Reinwand, auch ein Grund, weshalb er sich inzwischen neben dem klassischen Geschäft mit Sanitär, Heizungsbau und Klima auf den Schwimmbadbau spezialisiert hat. "Ob es ein Trend ist, weiß ich nicht."

Trend? Immerhin hat das Thema - indirekt- den westlichen Landkreis erreicht: Hier ordnete der Zweckverband zur Wasserversorgung der Kleinmünster-Gruppe für sein Versorgungsgebiet Humprechtshausen, Kleinmünster, Kleinsteinach, Mechenried sowie Holzhausen an, dass wegen der Trockenheit Trinkwasser aus der öffentlichen Wasserversorgung nicht verwendet werden darf zum Waschen von Fahrzeugen sowie zum Bewässern und Gießen von Rasen- und Gartenflächen und zur Befüllung von Schwimmbädern und Swimmingpools. Ein paar Regentage wie in dieser Woche genügen bei Weitem nicht, um die Pegel der Trinkwasserbrunnen ausreichend anzuheben.


Regen reicht nicht alleine aus

Ob Pool oder Schwimmteich, beides füllt sich nicht eben mal so durch einen Regenguss. Schon das Discounter-Becken (bis zu sieben Kubikmeter) braucht nur mit dem Wasserschlauch über einen Tag. "M+R" füllt seine deutlich größeren Pools nach Absprache mit der Gemeinde über einige Stunden per Hydrant auf.

"Der Freizeitwert ist heute ein ganz anderer", erklärt Klemens Reinwand die steigende Beliebtheit eines Schwimmbads im Garten. Liegt es daran, dass es auf der Bank keine Zinsen fürs Geld gibt? "Man kann es sich heute auch leisten", sagt Reinwand, der vor 18 Jahren "auf Zuruf und durch Mundpropaganda" einen Pool einrichtete, heute so um die 15 bis 20 pro Jahr baut.


Handwerk breit aufgestellt

Das Thema Schwimmbad hat sich in den letzten drei bis vier Jahren intensiviert, findet der Ebelsbacher. Dabei hat sich der Handwerksbetrieb mit dem Betonbau ein neues Gewerk erschlossen, das Fachwissen hat sich Reinwand in Fortbildungen angeeignet. "Poolbauer" ist kein Ausbildungsberuf. Dazu klärt seine Firma den Kunden über wichtige Sicherheitsaspekte auf: Ein Pool muss beispielsweise "einsinksicher" sein für Mensch und Tier. Wird er nicht genutzt, gehört eine Abdeckung darauf, die mindestens 75 Kilogramm trägt.

"M+R" liefert das ganze Paket von den Betonarbeiten über die technische Anlage, Filter, Pumpe und Heizung. Die Erdarbeiten muss der Kunde selbst organisieren. Bei diesen Pools wird "das Wasser nur teilweise ergänzt", eine Füllung hält vier bis fünf Jahre, erklärt der Firmenchef. Beim Überwintern hilft die Pumpe, indem sie das Wasser bewegt und vor dem Zufrieren schützt, das Heizen übernimmt meist eine Solaranlage auf Carport oder Dach. In Ebelsbach setzt man statt auf Chlor auf Salz-Elektrolyse zur Desinfektion: trocknet die Haut nicht so aus, rötet die Augen nicht, riecht nicht. Den Salzgehalt schmeckt man mit drei bis vier Gramm pro Liter - wenn man es weiß. Auch bei der Filtertechnik ist man heute weiter als vor 20 Jahren: Der feine Membranfilter kann in der Waschmaschine gewaschen werden und hält Jahre.


Nicht so teuer, wie man denkt

"Der Poolunterhalt wird immer völlig überschätzt", meint Reinwand. Für Chemie, Filterstrom und Beheizung fallen im Durchschnitt etwa 800 Euro im Jahr an. Ein Pool kostet zwischen 20 000 und 40 000 Euro - so viel wie ein solider Mittelklassewagen. Freilich muss man Arbeit einplanen. Jede Woche etwa eineinhalb Stunden: Filter reinigen, Laub mit dem Kescher herausfischen, Saugroboter einwerfen.


"Ex und hopp" ist hygienischer

Einer, der auf Kinder-Planschbecken schwört, ist der Hygieneinspektor am Haßfurter Gesundheitsamt Stephan Leitschuh: Von den jetzt so trendy Plastik-Pools hält er wenig. Sandfilter holen, erklärt er, nur gröbere Teile wie Grashalme heraus, Hautschuppen hingegen bleiben im Wasser und zirkulieren da. "Dieses organische Material tendiert zur Keimbildung", erläutert der Fachmann. Chlortabletten schaffen auf den ersten Blick Abhilfe, doch Chlor kann nur einmal desinfizieren, dann wird es gebunden, und was der Schwimmer riecht, das ist das verbrauchte Chlor. Es sorgt für die roten Augen und die Pickel und die Allergien. Der Laie kann sie kaum richtig dosieren. "Die Chlorsuppe wird immer dicker", bilanziert Leitschuh.
Es hat schon seinen tieferen Sinn, meint er, dass es in den öffentlichen Bädern die "Fachkräfte für Bädertechnik" gibt. Der Bademeister steht nicht nur tagsüber in der Sonne. Seine eigentliche Arbeit beginnt am Abend, wenn er die Chlorwerte überprüft und die Filter rückspült.
Mit stillem Vergnügen erzählt Leitschuh die Geschichte einer Bekannten: Die Familie hatte sich einen Pool gleich beim Hausbau mit einbauen lassen; die Hausfrau meinte neulich, der "größte Luxus sei es doch, für Einsfünfzig ins öffentliche Freibad gehen zu können". Den Pool daheim hat man inzwischen zugeschüttet, der Aufwand war zu hoch. Was bleibt, ist der Betonklotz im Garten. Leitschuh liebt das Planschbecken daheim: Das schüttet man aus, dreht's um und lässt es trocknen. Sauber.