Der Klimawandel und der Steigerwald waren die beherrschenden Themen bei einer Diskussionrunde von Bündnis 90/Die Grünen mit der Bundestagsabgeordneten Lisa Badum. Im kleinen Saal der Haßfurter Stadthalle, der mit rund 50 Interessierten gut gefüllt war, bezeichnete Christoph Appel als Mitglied des Kreisvorstandes die Parlamentarierin als "Vorzeigepolitikerin der Partei".

Mit Leidenschaft und Engagement referierte Badum dann auch rund eine Stunde. Das Klimaschutzziel 2020 verfehle die Bundesrepublik Deutschland um acht Prozent, so dass nun 2030 anvisiert werde. Um die Klimawende bei der Energie anzupacken, fordert die Grünen-Politikerin den Einstieg in den Kohleausstieg, den Ausbau erneuerbare Energien und bei der Windkraft die Abschaffung der in Bayern gültigen 10H-Regelung. "Der Windkraftausbau ist in Bayern um 50 Prozent eingebrochen", berichtete Badum und wünschte sich statt der derzeitigen Regel lieber eine Regionalquote, nach der jedes Bundesland dazu verpflichtet wird, seinen Anteil zu leisten.

Für eine Verkehrswende

Tief betroffen war die junge Politikerin, als sie persönlich den Kohleabbau in Nordrhein-Westfalen in Augenschein nahm. Es könne nicht sein, dass ganze Dörfer mit Kirchen und Friedhöfen zerstört und umgesiedelt werden, empörte sich Badum.

In Sachen Mobilität wünsche sie sich eine Verkehrswende und die Abschaffung der Subventionen für fossile Brennstoffe. Nach Badums Ansicht sei es auch durchaus möglich, dass Ministerpräsident Markus Söder in Erzwingungshaft kommt, weil Bayern seit sieben Jahren die Luftreinhaltepläne überhaupt nicht interessieren, geschweige denn, dass sich das Land daran hält. Weil alle bisherigen Maßnahmen zur Erzwingung der Maßnahmen nicht greifen, prüfe der Europäische Gerichtshof zur Zeit, ob eine Haft möglich sei.

Einem Zitat von Markus Söder stimmte die Bundestagsabgeordnete allerdings zu: "Unser Ziel ist: ein Euro pro Tag für den ÖPNV - egal wie lang und wie oft man am Tag fährt." Alle, die sich klimaschonend fortbewegen, müssten belohnt anstatt bestraft werden, forderte Badum, die auch die Landkreise in die Pflicht nahm. Diese könnten nämlich anhand des Fahrplans und der Beauftragung der Busunternehmen durchaus das Angebot beeinflussen.

"Etwas Einzigartiges"

Die seit 2007 andauernde Diskussion um einen Nationalpark Steigerwald müsse fortgeführt und dieses Ziel verwirklicht werden. Laut Badum ist der Steigerwald einer der ursprünglich erhaltenen Buchenwälder in Deutschland und somit etwas Einzigartiges. Wenn man bedenke, dass ein Baum 150 Jahre wächst, bis er eine stattliche Größe hat, sei das Abholzen unverantwortlich.

Um dagegen zu protestieren, kettete sich Badum zusammen mit Mitstreitern im Dezember vergangenen Jahres symbolhaft an eine Buche. Die Wiederaufnahme der Forstwirtschaft im "Hohen Buchenen Wald" im Ebracher Forst durch den Forstbetrieb Ebrach der Bayerischen Staatsforsten müsse gestoppt werden, erklärte die 35-Jährige. Auf einer Büttensitzung im Steigerwald war sie mit ihrer Protestaktion auch ein Thema und wurde dort als "Flamingo" belächelt, weil sie damals ganz in Rosa gekleidet gewesen sei. Die "Baum-Umarmerin", wie Badum auch von Andersdenkenden genannt wird, steht jedoch darüber, denn sie setze sich sehr gerne für eine intakte Umwelt ein. "Wenn wir die Power vom Hambacher Forst in den Steigerwald adaptieren, dann haben wir gewonnen", war sich die gebürtige Forchheimerin sicher.

Diskussionsfreudiges Publikum

Nach dem Vortrag nutzte das Publikum ausgiebig die Möglichkeit der Diskussion mit der Bundespolitikerin. So wurden seitens der Zuhörer zum Beispiel die Biogasanlagen angesprochen, die eine Fehlentwicklung seien, "weil es dadurch zu viele Maisfelder gibt". Ebenso fand ein Teilnehmer, dass 15 Millionen Holzöfen in Deutschland die umweltschädlichste Heizvariante überhaupt seien, denn dadurch trete angeblich auch Mikrostaub aus, der um ein Vielfaches schädlicher als Feinstaub sei. Auch ein Gegner des von den Grünen befürworteten Nationalparks Steigerwald war vertreten, der die Auffassung vertrat, dass es in Buchenwäldern viele "tierische Verlierer" gebe. Auch ist es seiner Meinung nach nicht sachlich bewiesen, dass die Buche der Urbaum im Steigerwald ist.