Er ist nicht nur einer der ältesten Vereine der Stadt, sondern auch der größte im gesamten Landkreis Haßberge. Der Turnverein Ebern blickt auf eine 150-jährige Geschichte voller beachtlicher Erfolge, aber auch deprimierender Momente zurück.. Dies soll am Samstag, 6. Juli, im Mittelpunkt eines Festabends stehen. Neben einem großen Umzug wird er Höhepunkt eines dreitägigen Festwochenendes sein. Doch ein Verein wie der TV darf nicht nur seine Vergangenheit im Augen haben, er muss sich auch der Zukunft stellen. Wir sprachen mit Karl-Heinz Krebs, dem Vorsitzenden, der selbst vor wenigen Wochen einen runden Geburtstag gefeiert hat: den 70.

FTDer Jubilar TV Ebern hat allen Grund zum Feiern. 150 Jahre sportlich aktiv und jetzt auch der größte Verein im gesamten Landkreis Haßberge. Sie haben sich in den zurückliegenden Monaten viel mit der Geschichte des Vereins beschäftigt. Worauf sind Sie als Vorsitzender besonders stolz?
Karl-Heiz Krebs: Stolz kann man eigentlich nur auf eigene Leistungen sein. Aber ich bewundere die Idealisten, die mit Einsatz und Engagement den Verein durch Kriege, wirtschaftliche Schwierigkeiten und gesellschaftliche Veränderungen gesteuert haben und denen es immer wieder gelungen ist, den Erfordernissen der Zeit gerecht zu werden. Über das sportliche Engagement hinaus hat der Verein im Lauf der Zeit dem gesellschaftlichen Leben in Ebern viele Impulse gegeben. Erinnert sei nur an Silvester- und Faschingsbälle, an "Bunte Abende" und Faschingsumzüge, Theateraufführungen, die TV-Lichtspiele und Götz-Wanderungen.

Wie gelingt es, ein so heterogenes Konstrukt mit zwölf weitgehend selbstständigen Abteilungen zu führen? Was verbindet die TV-Familie in Ebern?
Das Zusammenwachsen der vielen Abteilungen ist sicherlich eine Aufgabe, an der immer wieder gearbeitet werden muss. Probleme, die alle betreffen, werden in den Turnratssitzungen, in denen ja alle Abteilungsleiter anwesend sind, gemeinsam zu lösen versucht; und Entscheidungen, die für alle gelten, müssen auch für alle nachvollziehbar sein. Wichtig ist, dass auch kleinere Abteilungen unterstützt werden. Im Übrigen schafft der leichte Wechsel zwischen den Abteilungen innerhalb des Vereins für junge Leute die Möglichkeit, verschiedene Sportarten auszuprobieren und so Leute aus anderen Abteilungen kennenzulernen. Schön ist auch, dass das Sportheim immer mehr als "Heim" für alle Abteilungen angenommen wird, dass das gemeinsame Sommerfest von allen getragen wird, dass Veranstaltungen gemeinsam angekündigt werden und seit einiger Zeit ein gemeinsamer Internetauftritt aufgebaut wird. Was verbindet noch? Natürlich die Liebe zu Sport und Bewegung in der Gemeinschaft eines Vereins, die Geselligkeit in den verschiedenen Gruppen und der Mannschaftssport als solcher.
Als Sie vor acht Jahren die Führung im Sportverein übernahmen, standen Sie, als ehemaliger Gymnasiallehrer in Ebern eher für Begriffe wie Schule, Kultur und Theater. Mit Sport hätte Sie damals wohl kaum jemand in Verbindung gebracht. Waren Sie je ein engagierter Turner und: Worin steckt für Sie persönlich der Antrieb, diese Aufgabe zu stemmen?
Sport war für uns ehemalige Internatsschüler in Münsterschwarzach so ziemlich die wichtigste Freizeitbeschäftigung, vor allem Fußball und Tischtennis. Außerdem hatten wir einen Sportlehrer, der uns sehr für das Turnen begeisterte. Später habe ich als aktiver Fußballer bei meinem Heimatverein TSV Oberschleichach gespielt. Grund für mein Engagement war nicht zuletzt die hervorragende Jugendarbeit des Vereins, die ich über meine Kinder kennenlernte. Und wenn man sein Leben lang mit Jugendlichen gearbeitet hat, engagiert man sich auch gerne für einen Verein mit so vielen Jugendlichen. Natürlich macht auch die Vielfalt, das große Angebot des Vereins die Aufgabe reizvoll und spannend.

Was glauben Sie, sind die Stärken des TV Ebern, was seine Schwächen und wie wird sich der Sportverein in den nächsten 25 Jahren entwickeln?
Zu den Stärken zähle ich die ausgezeichnete Jugendarbeit des Vereins in fast allen Abteilungen, das vielfältige Angebot, das für Jung und Alt Sportmöglichkeiten bietet und vor allem auch das großartige Engagement so vieler Übungsleiter, Betreuer und Helfer.

Und was könnte besser werden?
Natürlich lässt sich immer etwas verbessern. So würde ich mir beispielsweise noch mehr attraktive Angebote für die Generation 40 + wünschen, die sportlich oft sehr aktiv ist, aber nicht mehr unbedingt Leistungssport in einer Mannschaft betreiben will. Die Entwicklung des Vereins, eigentlich aller Vereine, hängt natürlich nicht zuletzt von der demografischen Entwicklung ab. Sicherlich wird sich auch der Betrieb der Ganztagsschule (vermehrter Nachmittagsunterricht) im Jugendbereich auswirken.

Wie steht es um die Finanzen des TV, der sich mit dem Bau seines Vereinsheims und -geländes für Generationen verschuldet hat? Der Landessportverein hat sich lange bitten lassen, ehe er nun, rechtzeitig zum Jubiläum, ein Darlehen bis 2017 stundete. Weitere Darlehen laufen und im Haushalt erwirtschaftet der Turnverein keine Überschüsse. Wie soll der TV aus den roten Zahlen kommen?
Durch die gemeinsamen Bemühungen der verantwortlichen Stellen ist es zum einen gelungen, die Tilgung des Sparkassendarlehens zu senken und zum anderen das BLSV-Darlehen bis 2017 zu stunden. Weitere Darlehensverpflichtungen gibt es nicht. Wenn 2017 das Sparkassendarlehen getilgt ist, kann der Verein mit einiger Zuversicht in die Zukunft schauen. Im Übrigen sollten durch neuerliche Verhandlungen mit dem BLSV vielleicht doch noch ein (Teil-)-Erlass erreicht werden. Jedenfalls ist der TV seit dem letzten Jahr spürbar entlastet; dies werden die konkreten Zahlen in der nächsten Mitgliederversammlung zeigen.
Wie sehen Ihre persönlichen Pläne aus? Kann der jung gebliebene Veteran TV weiter auf seinen jung gebliebenen "Ober-Turner" Karl-Heinz Krebs bauen?

Nicht mehr als "Ober-Turner"! Aber sicherlich bleibe ich dem TV verbunden. Es könnte mich zum Beispiel reizen, eine alte Tradition wieder aufzunehmen und eine Theatergruppe beim TV aufzubauen. Es ist aber unbedingt notwendig, dass ein Führungswechsel stattfindet. Ein so "junger" und dynamischer Verein mit einem Durchschnittsalter von 27/28 Jahren braucht auch einen jüngeren Vorsitzenden, der neue Ideen hat und Neues anstößt.

Was würden Sie künftigen Turner-Generationen ins Stammbuch schreiben?
"Bewegung macht beweglich - und Beweglichkeit kann manches in Bewegung setzen." Paul Haschek

Die Fragen stellte unser Redakteur Eckehard Kiesewetter