Meldestufe 3 und niemand nimmt's dramatisch. Hochwasser gehört im Itzgrund dazu. Von einer "Alltäglichkeit für die Menschen hier" spricht Bürgermeister Werner Thomas (Gemeinde Itzgrund). Der Bauhof dort, wie auch der in der Nachbargemeinde Untermerzbach hält die Straßenschilder stets bereit, falls die Straßen mal wieder überflutet und nicht mehr passierbar sind.

Mit einem Wasserstand von 4,30 Meter hat die Itz am Pegel Schenkenau die Meldestufe 3 übers Wochenende und am Montag überschritten. Mehrere Straßen sind überflutet und nicht mehr passierbar. Während andernorts in solchen Fällen Hektik ausbricht, Sandsäcke aufgetürmt und Hauseingänge verbarrikadiert werden, üben sich die Bewohner im Flusstal an der Grenze zwischen Ober und Unterfranken in Gelassenheit.


Alles Routine

Dass der Hochwassernachrichtendienst für den Pegel an der Schenkenau rasch Alarmstimmung verbreitet, liegt daran, dass die die Staatsstraße zwischen Kaltenbrunn und Bodelstadt , die im Einzugsbereich der Messstelle liegt, ziemlich tief liegt und deshalb rasch überflutet wird und gesperrt werden muss. Meldestufe 3 wird ausgerufen, sobald eine "Sperrung überörtlicher Verkehrsverbindungen" angesagt ist - und da ist der Itzgrund immer schnell dabei.

Im Grunde ist es stets das Gleiche und dies mitunter mehrmals im Jahr. An der Ortsverbindungsstraße zwischen Hemmendorf und Lahm geht's los, wenn die Wasserhöhe etwa 340 Zentimeter erreicht, später folgen dann die Übergänge an der Alster in Memmelsdorf und an den Straße zwischen Busendorf und Gleusdorf oder Untermerzbach und Kaltenbrunn.


Die Schleichwege kennt man

"Das simmer gewohnt," sagt eine Frau, die aus dem Sudetenland stammt und seit Jahrzehnten in der Gleusdorfer Dorfstraße unweit des Schlosses wohnt. An nennenswerte Überflutungen ihres Anwesens kann sie sich nicht erinnern: "Man darf halt keinen Keller haben unterm Haus". Ein auswärtiger Lkw-Fahrer, der unvermittelt am südlichen Ortseingang stoppen muss, da er auf seinem Weg aus Richtung Ebern keinen Hinweis auf das Hochwasser im Itzgrund entdeckt hatte, steht ratlos vor dem Sperrgitter und dem Schild "Durchfahrt verboten". Doch Ortskundige weisen ihm den Weg über den Kirchberg und die Hangstraße nach Mürsbach weisen. Die Straße nach Hilkersdorf liegt höher und so gelangt er problemlos über die Itz. Alles kein Problem! Ein bisschen Umwege halt, die man jetzt wieder in Kauf nehmen muss.

Aufzupassen gilt es allerdings, dass nicht beispielsweise unvernünftige Autofahrer versuchen, die Absperrung zu ignorieren. Abgesehen davon, dass technische Schäden am Fahrzeug drohen, ist das auch wegen der Strömung gefährlich. Bei einer Abflussgeschwindigkeit von bis zu 230 Kubikmeter pro Sekunde kann die Itz ganz schön mitreißend sein.


Zurück zur Natur

Dies galt insbesondere seit den 1960er Jahren, als der Fluss im Interesse einer intensiveren Landwirtschaft und und für die Wasserkraftnutzung kanalisiert und stark begradigt wurde. Ein Drittel der Flusswindungen wurde damals abgeschnitten und die Ufer wurden befestigt. Aus dem mäandernden Flüsschen von einst wurde bei starkem Regen eine "Hochwasserautobahn". Binnen kürzester Zeit stand der Talgrund regelmäßig unter Wasser. Ein ökologischer Ausbau, wiederhergestellte Flusswindungen und Altwasserbereiche renaturieren die Itz heute und dienen zugleich als Hochwasserschutz. Unterstützt von der europäischen Union wird dieses Projekt vom Wasserwirtschaftsamt Kronach betreut. Es macht die Umweltsünden aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts wett , schafft neue Lebensräume und nutzen letztlich auch dem Menschen,