Rund 40 Zuhörer, die sich bis ins Treppenhaus drängten, wollten wissen, ob der nächste Bürgermeister von Kirchlauter hauptamtlich bleibt oder nicht. Die Antwort: Es bleibt beim Wahlbeamten, der in der Besoldungsstufe A13 laut aktueller Liste des Innenministeriums auf unterster Altersstufe rund 3670 Euro im Monat verdient, was dem Gehalt eines Oberamtsrates oder Hauptlehrers entspricht.

Den Antrag auf Rückkehr zum Nebenamt hatte SPD-Gemeinderat Karl-Heinz Kandler gestellt, der dabei weniger aufs aktuelle Gehalt des Bürgermeisters abzielte. "Die Alterskasse und Beihilfen fressen uns auf", fürchtete Kandler, der zuletzt als Gegenkandidat zum Amtsinhaber Jochen Steppert (CSU) aufgetreten und knapp unterlegen war.

Kandler errechnete einen Anstieg der jährlichen Aufwendungen für den Bürgermeister von rund 78.000 auf 103.000 Euro. Kandler verwies dabei als Vergleich auf den hohen Anteil der Altersbezüge im Landeshaushalt - 40 Prozent - während dem Freistaat gleichzeitig das Geld fehle, um Staatsstraßen herzurichten, wie die Schlaglöcher in Richtung Gleisenau belegen.


Denkfehler korrigiert

Kandler war klar, dass auch ein ehrenamtlicher Bürgermeister sein Geld bekomme, aber "wenn er aus dem Amt ausscheidet, ist die Gemeinde aus dem Schneider", stellte der SPD-Mann aus Neubrunn fest.

Ein Denkfehler, den Jochen Steppert sogleich korrigierte: "Auch ein ehrenamtlicher Bürgermeister bekommt nach dem Ausscheiden seinen Ehrensold." Der Pflichtehrensold liegt nach Auskunft des Landratsamtes nach 11,5 Dienstjahren bei einem Drittel des letzten Gehalts.

Eine klare Position zur Hauptamtlichkeit bezog Bürgermeister Steppert. "Das Hauptamt bringt der Gemeinde mehr als es kostet", lautete seine Überzeugung, die auch sein Vorgänger Peter Kirchner (CSU), der beide Formen praktiziert hatte, teilt(e).

Für das Hauptamt sprechen nach Stepperts Überzeugung mehrere Argumente, bei denen es nicht um Personen oder Parteien gehe. So käme ein nebenberufliche Bürgermeister sicher in Interessenkonflikte, weil viele Besprechungstermine zu Zeiten angesetzt werden, die ein normaler Arbeitnehmer gar nicht wahrnehmen könne. Steppert: "Unsere Leut' haben es verdient, dass sich jemand die Zeit für ihre Anliegen nimmt."


Keine Finanzprobleme

Eine Überforderung der Leistungskraft der Gemeinde durch das Bürgermeistergehalt mochte Steppert auch nicht erkennen: "Unser Haushalt ist ausgeglichen." Was auch Zweiter Bürgermeister Robert Muckelbauer (CSU) so sah. "Wir müssten durch das Peter-Kirchner-Gehalt hoch verschuldet sein, sind es aber nicht. Und man muss auch auf die Habenseite schauen." Als Bürgermeister-Vertreter könne er nur bestätigen, dass immer wieder kurzfristig Termine anfallen.

Weiter gab Muckelbauer zu bedenken, dass "man so einen 2,3-Millionen-Haushalt, wie den der Gemeinde Kirchlauter, nicht so einfach aus dem Ärmel schüttelt". Was nach Einschätzung von Jochen Steppert nicht besser wird: "Die Aufgaben werden nicht leichter und gute Arbeit kann nur ein hauptamtlicher Bürgermeister abliefern."

Bei der Abstimmung waren die Fronten klar: Die vier SPD-Mitglieder stimmten dafür, die Hauptamtlichkeit aufzuheben, die sieben CSU-Räte waren dagegen. Den zweiten Teil seines Antrags, wonach der Zweite Bürgermeister kein Geld für die Urlaubsvertretung mehr erhalten soll, wenn er länger als drei Wochen im Dienst ist, zog Kandler zurück, nachdem Bürgermeister Steppert ihn mit dem entsprechenden Passus aus der Geschäftsordnung konfrontiert hatte. Außerdem sei es noch nie vorgekommen, dass er sich länger als 14 Tage habe vertreten lassen.