"Aber wir bauen selbst keine Radwege", sagt Alfons Schanz, der Chef der Tiefbauverwaltung, an den man sich wenden muss, wenn man die Quizfrage richtig beantworten will. Bauherr der Radwege im Landkreis sind in aller Regel die Gemeinden oder jüngst im Zuge eines Sonderprogramms der Staatsregierung das Staatliche Bauamt.

Ideell und finanziell


"Der Landkreis unterstützt diese Initiativen ideell, mit seinem Förderprogramm auch direkt finanziell und von Fall zu Fall bei der Betreuung", sagt Schanz. Eigene Radwege hat er aber so gut wie gar nicht, und die wenigen sind Oldtimer, haben schon mehr als 20 Jahre auf dem Buckel, etwa die Trasse von Sand nach Zell am Ebersberg.
Dem Radler ist es grundsätzlich egal, wer der Bauherr des Weges war, auf dem er durch die schöne Landschaft fährt. Aber auch der erfahrenste Radfahrer dürfte Probleme mit der zweiten Quizfrage haben, die sich nahtlos an die erste anschließt: Wie viele Radwegekilometer gibt es im Landkreis Haßberge? Vielleicht so viele wie Kreisstraßenkilometer (321), auch wenn die allerwenigsten Kreisradwege sind? Auch da dürften die meisten Antworten weit daneben liegen: Rund 750 Kilometer sind es nach der aktuellen Bestandserhebung, die Schanz zusammengestellt hat, um das Radwege-Portal des Landkreises im Internet (www.hassberge.de) auf den neuesten Stand zu bringen.

In jedem Winkel


Damit gibt es im Landkreis fast so viele Radwege wie Kreisstraßen, Staatsstraßen und Ortsverbindungsstraßen zusammen, auf den ersten Blick ein dichtes Netz, das nahezu jeden Winkel der Region erschließt.

Der zweite Blick zeigt allerdings, dass Radweg und Radweg im Landkreis zweierlei sind: Der einzige "Fünf-Sterne-Radweg" (Prädikat des Deutschen Fahrradclubs ADFC), nicht nur des Landkreises, sondern des gesamten Bundesgebietes, ist die Trasse im Maintal, die in den Sommermonaten geradezu zur Radlerautobahn wird.
Ein Glücksfall für den Radtourismus im Landkreis war auch die Schließung der Bahnstrecke zwischen Haßfurt und Hofheim. Auf dem ehemaligen Bahndamm verbindet einer der landschaftlich schönsten Radwege die Kreisstadt mit der ehemaligen Kreisstadt. Geradezu vergoldet wurde die Radlertrasse von Zell am Ebersberg nach Oberschleichach, die mit großem Aufwand und enormen Kosten dem Zeller Berg abgerungen wurde, wegen der Steigung aber in erster Linie von Sportfahrern und E-Bikern (Unterstützung durch Elektromotor) angenommen wird.

Abseits dieser Hauptrouten und der Strecken, die das Staatliche Bauamt derzeit entlang der Staatsstraßen verwirklicht, führt der größte Teil der Radwege als Schotterpiste durch Wald und Flur. "Von den 750 Kilometern Radwege im Landkreis sind nur etwa 150 mit einer Asphaltdecke versehen", beschreibt Schanz ein Manko, das sich nicht sofort erschließt, wenn man sich das dichte Wegegeflecht auf der Karte im Internet anschaut.
Diese Karte, die in Schanz' Haus als wichtiger virtueller Baustein im Radler-Landkreis Haßberge erarbeitet wurde, ist ein wichtiges Hilfsmittel bei der Tourenplanung. Und gut planen muss der Radler, der abseits der Hauptrouten unterwegs ist.

Zum einen wegen des unterschiedlichen Zustandes der Wege, die meist umso unwirtlicher sind, je schöner die Landschaft ist. Zum anderen deshalb, weil das Netz Lücken hat. Das mit 100.000 Euro jährlich ausgestattete und zunächst bis 2015 befristete Förderprogramm des Landkreises für den Radwegebau spuckt bei größeren Projekten nicht mehr als den berühmten Tropfen auf den heißen Stein aus, weiß Alfons Schanz.

Wunschprogramm


Aus diesem Topf alleine lässt sich das offene Wunschprogramm nicht abarbeiten, denn gerade die letzten Lückenschlüsse sind aufwändig und teuer: Dazu zählen die Verbindungen von Hofheim nach Stadtlauringen und in der Gegenrichtung nach Maroldsweisach/Ebern.

Ein Aushängeschild für den Radler-Landkreis wäre die direkte Trasse zwischen Haßfurt und Ebern - die Fahrt hier wäre eine Sternstunde für jeden Radler, die Finanzierung dieser langen und topografisch schwierigen Strecke steht in den Sternen. Die Quizfrage, wann die Lücke geschlossen wird, kann auch Alfons Schanz nicht beantworten.