Wegen Computerbetrugs in 13 Fällen musste sich ein 24-jähriger Arbeiter aus dem Landkreis Haßberge am Mittwoch vor dem Amtsgericht in Haßfurt verantworten. Laut Staatsanwaltschaft hat der Angeklagte zwischen Januar und April 2017 bei 13 Gelegenheiten mit der Bankkarte seiner Ex-Freundin ohne deren Einwilligung insgesamt 4620 Euro abgehoben.

Vor Gericht räumte der 24-Jährige ein, das Geld zumindest teilweise abgehoben zu haben. Allerdings habe er dies mit dem Einverständnis seiner Ex-Freundin getan, die im vergangenen Jahr den gemeinsamen Sohn zur Welt gebracht hatte. Da sie von der Geburt geschwächt war und sich um das Baby kümmern musste, habe sie ihm die EC-Karte samt PIN gegeben, damit er Kontoauszüge holen und Geld abheben konnte. Mit einem Teil der Abhebungen habe er sich Geld zurückgeholt, das er ihr zuvor für einen Autokauf geliehen hatte, sagte er. Mit dem restlichen Geld habe er Einkäufe für die kleine Familie getätigt.

Ende Mai 2017 ging die Beziehung nach sieben Jahren in die Brüche. Die Trennung sei "nicht geräuschlos" verlaufen, merkte die Vorsitzende, Richterin Ilona Conver, an. Der Angeklagte wurde mehrfach von seiner "Ex" angezeigt, unter anderem wegen Vergehen nach dem Gewaltschutzgesetz.

Am 22. Juni 2017 zeigte die 21-Jährige ihren Ex-Freund wegen der Abhebungen an. Der Polizei sagte sie, dass die Abhebungen gegen ihren Willen waren. Sie habe ihrem damaligen Freund und Vater ihres Kindes die EC-Karte gegeben, damit er mit der Karte die Kontoauszüge holt. Die PIN habe sie ihm nicht gegeben. Da die PIN mit ihrem Geburtsdatum übereinstimmt, habe er sie wohl herausgefunden.

Vor Gericht sagte die 21-Jährige, sie habe zwischen Januar und April 2017 kaum das Haus verlassen. Als sie dann im Mai die Kontoauszüge nachträglich bekam, habe sie erst festgestellt, dass das Geld abgehoben worden war, und Anzeige erstattet.

Diese Aussage bezeichnete die Staatsanwältin als nicht glaubhaft. Es sei unwahrscheinlich, dass die junge Mutter fast vier Monate lang das Haus nicht verlassen habe und auch nicht ihre EC-Karte benutzt habe. Der Prozess sei das Nachspiel einer Trennung. Der Angeklagte sei von seiner Ex-Freundin beauftragt worden, das Geld abzuheben, war sich die Anklagevertreterin sicher. Dem 24-Jährigen sei keine Schuld nachzuweisen und er sei daher freizusprechen.

Dieser Einschätzung folgte die Vorsitzende, die den Angeklagten freisprach, obwohl er bereits zweimal Betrug und zwei Urkundenfälschungen in seinem Sündenregister stehen hat. Sie nahm der vermeintlich Geschädigten nicht ab, dass sie fünf Monate lang nichts gemerkt haben will. Außerdem müsse die PIN ja irgendwo hergekommen sein, argumentierte die Richterin.

Das letzte Wort hatte der Angeklagte. "Ich hoffe, dass jetzt Schluss ist mit den Anzeigen", sagte er und nahm das Urteil freilich an.