Gerade in der dunklen Jahreszeit kann man ohne eine funktionierende Beleuchtung am Fahrrad in Lebensgefahr schweben. Deshalb startete die Polizeiinspektion Haßfurt in Zusammenarbeit mit der Kreisverkehrswacht Haßberge die Aktion "Sicherer Schulweg" in Haßfurt.

Kurz nach halb Acht, es fängt langsam an, hell zu werden. Die ersten Kinder treffen mit ihrem Fahrrad am Schulzentrum in Haßfurt ein. Die beiden Verkehrserzieher der Polizei, Dominique Heim und Matthias Krapf, halten die Zweiradfahrer an, die sich zunächst wundern, warum Polizei vor der Schule steht.

Eine der ersten ist Christina Müller, die jeden Tag von ihrem Wohnort Sylbach zum Gymnasium fährt. Die Beleuchtung funktioniert tadellos und auch ansonsten ist das Fahrrad der 13-Jährigen verkehrssicher. "So soll es sein, damit man in den düsteren Morgenstunden auch von anderen Verkehrsteilnehmern wahrgenommen wird", freuen sich Heim und Krapf, die als kleine Belohnung für das Sicherheitsbewusstsein Naschereien verteilen.

Lange dauert es aber nicht, dann ist den Polizisten auch schon der erste "Verkehrssünder" ins Netz gegangen. Bei einem elfjährigen Jungen ist die komplette Beleuchtung außer Betrieb. Schnell erkennt Krapf, dass die Verbindungskabel an der Frontlampe nicht eingesteckt sind, und will erste Hilfe leisten. Aber auch nach der ordnungsgemäßen Installation bleibt es dunkel. "Da scheint irgendein anderer Defekt vorzuliegen", sagt Krapf und übergibt dem Schüler eine Prüfliste. Auf ein Verwarnungsgeld wird verzichtet, aber das Fahrrad muss unverzüglich bei der Polizei nach Behebung der Mängel vorgeführt werden.

Zeitgleich findet dieselbe Aktion auch im Dürerweg vor der Mittelschule statt. Dort sind der Sachbearbeiter Verkehr, Stefan Scherrer, und sein Kollege Werner Rottmann im Einsatz. "Wir hatten sogar den Fall, dass eine Lehrkraft mit unbeleuchtetem Fahrrad zur Schule kam", erzählt Scherrer nach Ende der Aktion. Rottmann ergänzt: "Äußerst vorbildlich hatte sich dagegen der Hausmeister verhalten. Er radelte gleich mit vierfacher Beleuchtung zu seinem Arbeitsplatz und hatte sogar noch eine Warnweste an."

Die Verkehrserzieher erklären, wie ein verkehrssicheres Fahrrad auszusehen hat. Vorgeschrieben sind zwei voneinander unabhängige Bremsen, eine Klingel, die nicht zu leise sein sollte, sowie rutschfeste und fest verschraubte Pedale, die mit je zwei Pedalreflektoren ausgestattet sind. Außerdem sind vorne eine Lampe und ein weißer Reflektor Pflicht, genauso wie ein rotes Rücklicht und ein roter Reflektor hinten. Vier gelbe Speichenreflektoren, sogenannte Katzenaugen, müssen in den Speichen angebracht sein, wobei alternativ auch reflektierende weiße Streifen an den Reifen erlaubt sind. Ein Dynamo ist nicht mehr zwingend vorgeschrieben. Seit 2013 sind auch Lampen mit Akku- oder Batteriebetrieb zugelassen. "Ohne diese Ausstattung darf ein Rad im Verkehr nicht genutzt werden", betont Heim und ergänzt, dass nach der Straßenverkehrszulassungsordnung die Beleuchtung auch tagsüber funktionieren muss. Die Beleuchtungsanlage ist besonders störanfällig: Kabelverbindungen reißen leicht, Glühbirnen brennen durch, der Dynamo läuft schwer oder funktioniert nicht, Akku oder Batterie sind leer. Deshalb sind die beiden Speichenrückstrahler pro Rad sowie der vordere und hintere Rückstrahler besonders wichtig, garantieren sie doch ein Minimum an Sichtbarkeit, auch bei ausgefallener Beleuchtung oder Radstillstand. "Gerade bei Kindern ist auch ein bunter Wimpel empfehlenswert, da sie aufgrund ihrer Größe oft erst sehr spät zu sehen sind", ergänzt Kollege Krapf im Hinblick darauf, dass natürlich bei allen Fahrten eine gute Sichtbarkeit wichtig ist, nicht nur auf dem Schulweg.

Zwar nicht vorgeschrieben, aber sehr empfehlenswert ist auch ein Fahrradhelm. Julius Vogt aus Haßfurt war dafür das beste Beispiel. Das Fahrrad des zehnjährigen Gymnasiasten ist absolut verkehrssicher und auch seinen Helm trägt er immer. Stefan Scherrer erklärt, warum ein Fahrradhelm äußerst sinnvoll ist: "Der Helm absorbiert bis zu zwei Drittel der Energie, die bei einem Aufprall ohne Helm direkt auf den Kopf einwirken würde. Das bedeutet, dass es bei Helmträgern seltener zu schweren Kopfverletzungen wie Schädelbrüchen oder Hirnblutungen kommt". Außerdem sind moderne Fahrradhelme mit Reflektoren ausgestattet, die dafür sorgen, im Dunkeln besser von Autofahrern gesehen zu werden.

Insgesamt wurden am Montagmorgen rund 50 Fahrradfahrer kontrolliert. Zehn davon hatten keine Beleuchtung am Rad. Matthias Krapf weiß aber auch, dass nicht immer ein technischer Defekt vorliegt: "In einigen Fällen war es auch so, dass die Schüler nach dem Motto ,Ich kann sehen, also sehen mich die anderen auch" unterwegs waren". Das ist aber natürlich ein Trugschluss, denn gerade in der Dämmerung ist es wichtig, dass der im Verhältnis zum Auto schwächere Verkehrsteilnehmer das Licht anmacht, um noch besser gesehen zu werden.