Mit seinen 20 Jahren hat der junge Mann doch schon einiges auf dem Kerbholz. So hat er mehrere Vorstrafen und zuletzt gemeinsam mit einem Komplizen mehrere Einbruchdiebstähle in den Landkreisen Haßberge und Schweinfurt begangen und dabei rund 18 000 Euro erbeutet sowie fast 19600 Euro Schaden verursacht.

Diese Taten reichen ins Jahr 2011 zurück. Im vergangenen Jahr wurde der junge Mann dafür von einem Schweinfurter Gericht verurteilt. Dort kam er mit zwei Jahren Haft auf Bewährung davon, weil man ihn nicht als Haupttäter ansah und zu der Überzeugung gekommen war, dass der 20-Jährige aus dem nördlichen Kreis Haßberge eine "letzte Chance" verdient hätte und fortan keine weiteren Straftaten mehr begehen werde.

Weit gefehlt: Noch am Tag seiner Verurteilung setzte der Auszubildende zur nächsten illegalen Aktion an und bestellte Waren im Internet, die er offenbar nicht zu bezahlen beabsichtigte. Bis zum Jahresende hatte er Produkte im Wert von 1300 Euro beieinander, die Rechnungen aber beglich er nicht. Deswegen stand er nun vor dem Schöffengericht in Haßfurt und wurde nach dem Jugendstrafrecht zu einer Einheitsjugendstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt, die er in der Justizvollzugsanstalt Ebrach absitzen muss, sobald das Urteil rechtskräftig ist.


Ohne Schulabschluss

Der Fall ist kompliziert, denn der junge Mann, der vor Gericht keine Aussagen machte und nur über seinen Anwalt Axel Altstötter kommunizierte, war offenkundig kein Verbrechertyp, der sich dazu entschieden hat, dass Gesetz und Ordnung für ihn prinzipiell nicht gelten. Vielmehr, so sah es zumindest die Jugendgerichtshilfe, habe der 20-Jährige in entscheidenden Phasen seiner Entwicklung keine oder eine nur unzureichende Bindung an seine Familie gehabt. Seine Eltern leben getrennt und ihnen gelang es scheinbar nicht, dem damaligen Teenager geordnete Strukturen zu bieten, innerhalb derer sein bisheriges Leben möglicherweise anders verlaufen wäre.

Ohne Schulabschluss und die notwendige Grundbildung gelang es dem jungen Mann nicht, drei von ihm begonnene Ausbildungen abzuschließen. Zwar mangelte es laut Jugendgerichtshilfe nicht an der Einstellung, aber im theoretischen Bereich der Berufsschulausbildung sei der 20-Jährige stets überfordert gewesen. Seinen vierten Ausbildungssversuch, den er erst im September gestartet hat, kann er nun wohl auch nicht beenden, da er ins Gefängnis muss.


Keine Alternative

Staatsanwalt Marc Heusinger sah hierzu keine Alternative: Das Urteil von Schweinfurt, diese "letzte Chance", habe den Angeklagten "null interessiert. Er hat einfach weitergemacht. Das war ihm völlig wurscht. Da sehe ich keinen Spielraum für ein Entgegenkommen", erklärte Heusinger. Für die insgesamt seit seiner letzten Verurteilung begangenen Taten (nach der Beweisaufnahme zwölf Mal Betrug sowie einmal versuchter Betrug) forderte Heusinger das Schöffengericht auf, eine Gesamtfreitheitsstrafe aus der bestehenden Bewährungsstrafe zu bilden. Das tat das Schöffengericht dann auch, obwohl die Verteidigung auf Freispruch plädiert hatte: Altstötter erklärte, sein Mandant sei davon ausgegangen, dass seine Eltern die Rechnungen für die von ihm bestellten Waren begleichen würde. Für den Tatbestand Betrug reichten die Fakten nicht aus.

Dem wollte Richter Martin Kober nicht folgen und gab dem Staatsanwalt Recht, der erklärt hatte, nach dieser Auffassung könnte ja jeder etwas kaufen in der Hoffnung, jemand anderes werde es dann schon irgendwann bezahlen. Betrug stand für Kober und die Schöffen "völlig außer Zweifel". Ein Freispruch kam deswegen für das Gericht nicht in Frage. "Dann können wir gleich den Paragraf 263 (Betrug, die Red.) ins Runde Fach ablegen und das Strafgesetzbuch dazu", sagte Kober.