Auf den Haßberg-Kliniken lastet ein Millionendefizit, und das schon seit mehreren Jahren. Um aus den roten Zahlen zu kommen, müssen die Kliniken mit den beiden - noch verbliebenen - Krankenhäusern in Haßfurt und Ebern neue Wege gehen, und es muss gespart werden.
Sparen ist aber gar nicht so einfach, denn ein großer Teil der Kosten sind Personalkosten. Die lassen sich nicht einfach reduzieren. Im Gegenteil: Jede Tariferhöhung bringt erhebliche neue Belastungen mit sich.
Was tun? Im Mai hat der Verwaltungsrat des Kommunalunternehmens Haßberg-Kliniken beschlossen, die Geburtshilfe-Abteilung im Haus Haßfurt Ende 2018 zu schließen. Es ist die einzige Entbindungsstation, die es derzeit noch im Landkreis Haßberge gibt. Würde sie tatsächlich zugemacht, gäbe es dann wohl keine Kinder mehr, die in ihrer Geburtsurkunde einen Ort im Kreis Haßberge als Geburtsort stehen haben - sieht man einmal von der Möglichkeit der Hausgeburten ab.
Als der Beschluss bekannt wurde, dass die Geburtshilfe in Haßfurt geschlossen werden soll, gab es Proteste. Vor allem die Hebammen auf der Station rührten kräftig die Werbetrommel für ihre Abteilung - und ihre Arbeitsplätze. Ihr Hauptargument: Weil Haßfurt ein kleines Haus ist mit weniger Geburten als große Kliniken in der Nachbarschaft (Bamberg, Schweinfurt), könnten sich die Hebammen und die Pflegekräfte weitaus intensiver um die Neugeborenen und die Mütter kümmern.
Viele Eltern, die positive Erfahrungen mit Haßfurt gemacht haben, bekundeten ihre Solidarität mit den Hebammen. Ein Nachdenken setzte ein. Muss man Haßfurt wirklich schließen? Es gab eine Atempause.
Die Nachteile bleiben: Eine kleine Geburtshilfestation wie Haßfurt wird wohl immer defizitär sein. Und: Haßfurt hat keine Kinderklinik wie etwa Bamberg oder Schweinfurt. Viele Eltern wollen eine Kinderklinik im gleichen Haus, um Risiken abmildern zu können.
Ende des Jahres legte der Freistaat Bayern ein Förderprogramm auf, um kleine Geburtshilfestationen erhalten zu können. Der Landtagsabgeordnete Steffen Vogel (CSU) "verkaufte" das Programm nahezu euphorisch. Er sieht darin eine realistische Chance, Haßfurt zu erhalten. Landrat Wilhelm Schneider und andere Kreispolitiker sind vorsichtiger. Der Knackpunkt ist: Um in den Genuss der Förderung zu kommen, müssten in Haßfurt mindestens 50 Prozent aller im Landkreis geborenen Kinder entbunden werden. Derzeit liegt Haßfurt darunter.
Aber: Kurz vor Jahresende hob der Verwaltungsrat den Beschluss zur Schließung auf. Die in Aussicht gestellte Förderung soll die Station retten. Aber die Bedingungen sind hohe Hürden. Gleichwohl herrscht wieder Zuversicht in der Haßfurter Klinik.