Geuß habe als Kindergartenreferent an den Einrichtungen für die Kleinen ebenso "mitgebaut" wie am Seniorenzentrum St. Elisabeth als Mitglied des Spitalausschusses. Otto Schmitt rückte er in die Rolle des "Bürgermeisters von Eyrichshof", der in vielen Vereinen führende Aufgaben übernahm. Eine Vorbildrolle maß Hennemann seinem Parteifreund beim Aufbau des Stadtteiltreffs zu, der auch auf andere Orte ausstrahlen sollte, wozu Schmitt als Berater und Kameramann zur Seite stehe.

Zwei Geehrte, zwei komplett unterschiedliche Lebensläufe, zwei Parteien - und doch viele Gemeinsamkeiten. 42 Jahre Stadtrats-Erfahrung saßen am Freitagabend am festlich geschmückten Tisch in der Rathaushalle Ebern. Mit Franz Geuß (CSU) und Otto Schmitt (SPD) trugen sich zwei ehemalige Ratsmitglieder ins goldene Buch der Stadt ein. Um ihren Hals trugen sie die Bürgermedaille, die ihnen Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) zuvor in einer Festsitzung des Stadtrates verliehen hat.

Dass das Engagement der beiden Geehrten, die 2014 beziehungsweise 2008 aus dem Gremium ausschieden, bis zum heutigen Tag nachwirkt, wurde aus den Laudationes deutlich, da der Bürgermeister mehrere Bögen zur aktuellen Stadtratsarbeit spannte.

So stellte er im 25. Jahr der deutschen Wiedervereinigung bei Geuß' Werdegang heraus, dass er dies- und jenseits der Grenzzaunes lebte, da er in Lindenau im Heldburger Unterland aufwuchs. "Zwei Besatzungszonen und später auch die Teilung Deutschlands haben Sie hautnah miterlebt." Als CSU-Ortsvorsitzender und CSU-Fraktionssprecher im Stadtrat sowie als Abteilungsleiter in der Standortverwaltung habe sich Geuß später mit allen seinen Möglichkeiten für den Erhalt des Bundeswehrstandortes eingesetzt.


Zwei Bürgermeister erlebt

Als Fraktionssprecher unter zwei Bürgermeistern habe der FC-Bayern-München-Fan konstruktiv und maßgeblich Einfluss auf viele Entscheidungen genommen. "Es gab viele Themen, bei denen ich als Stadtrat Ihre Positionen nachvollziehen, ja sogar teilen konnte, aber es gab auch ein paar, wie die offene Jugendarbeit und den Jugendtreff, wo wir nicht einer Meinung waren", zog Bürgermeister Hennemann eine persönliche Bilanz. "Ich erinnere mich gut an die Diskussionen zur Einrichtung eines Jugendparlamentes, das von mir, als junger Stadtrat, gefordert wurde und von Ihnen und der CSU-Fraktion abgelehnt wurde. Leider kam es dann nie dazu, die Jugend entsprechend zu beteiligen, auch als das von jungen CSU-Nachwuchspolitikern eingebracht wurde. Mal sehen...", kam ein Generationskonflikt zum Vorschein, der von der Rückschau wieder in die Gegenwart führte.
So sprach der Bürgermeister auch Geuß' Mitgliedschaft im Spitalausschuss an. In einer Zeit, da der Neubau des Seniorenzentrums St. Elisabeth erfolgte. "Jetzt machen wir und die Diakonie uns Gedanken über die Sanierung des damaligen Neubaus und die Errichtung einer weiteren Einrichtung."


Die Kinder stets im Blickfeld

Und auch das Wirken des CSU-Ehrenvorsitzenden als Kindergartenreferent von 1990 bis 2014 führte in die Gegenwart. "Im Gespräch mit dem Personal in den Kindergärten und auch im permanenten Kontakt mit den Elternbeiräten erreichten Sie viele Verbesserungen in den drei Kindergärten. Vor allem beim Ausbau der Kinderkrippen war es Ihrem Einfluss zu verdanken, dass in den Eberner Kinderta-geseinrichtungen vier Krippengruppen eingerichtet wurden."

Es folgte der aktuelle Bezug: "Derzeit sind wir in der glücklichen Situation, über weitere Betreuungsplätze zu diskutieren. Das ist gut für unsere Zukunft in Ebern. Wir werden eine weitere Kindertagesstätte mit Kinderkrippe und Kindergartengruppe bauen, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein", schaute Hennemann mit Blick auf die Betreuungsquoten bei Kleinkindern voraus, da mittlerweile 65 Prozent der Kinder bis drei Jahre in eine Krippe gebracht werden - "Tendenz steigend".


Solidarität am Arbeitsplatz

Als zweiter Geehrter bekam Otto Schmitt als gebürtiger Eberner die Bürgermedaille. Er habe sich schon während seiner Zeit als Elektriker-Lehrling bei FAG Kugelfischer für die Kollegen eingesetzt, da er zum Betriebsjugendsprecher gewählt wurde. Ein Wesenszug, der sich bis heute in seinem Lebenslauf findet. Schmitt gehört seit 1964 der IG Metall Bamberg an und war viele Jahre Gewerkschaftsjugendsprecher. Beim TV Ebern spielte er in Jugend, Erste und Zweite Mannschaft, war Trainer und Schülerleiter der Fußballer.

Durch seinen Umzug nach Eyrichshof verlagerten sich auch Schmitts "Einsatzgebiete". Wie der Bürgermeister auflistete, spielte er beim ASC bei den Aktiven und in der AH-Mannschaft, 18 Jahre lang war er Feuerwehrkommandant, baute eine Jugendgruppe auf, trieb den Gerätehaus-Neubau voran. Weiter sei er Zweiter Vorsitzender bei der Krieger- und Soldatenkameradschaft und bei der Siedlergemeinschaft seit 30 Jahren Gerätewart und seit 15 Jahren deren Vorsitzender.


Als Parteiloser gewählt

1996 wurde er als Parteiloser über die SPD-Liste in den Stadtrat gewählt. Zwölf Jahre war er dessen Feuerwehrreferent . "Als er 2008 nicht mehr kandidierte, hatten alle Feuerwehren im Stadtgebiet gewählte Kommandanten, worauf er heute mit Recht noch stolz ist", gelang dem Bürgermeister wieder ein Bezug zur aktuellen Situation.

Und der nächste folgte sogleich, als Hennemann Schmitts größte (Helden-)Tat herausstellte: die Idee zur Gründung eines monatlichen Stadtteiltreffs, der seit 2008 schon 91 Mal zusammengekommen ist und die Lebensqualität verbessert und die Anonymität verringert. Hennemann: "Ich wünschte mir solche Treffs für Senioren auch in anderen Stadtteilen."

Den ausgleichenden Charakter Otto Schmitts und sein Interesse an der Kommunalpolitik las der Eberner Bürgermeister an einer seiner weiteren Leidenschaften ab: der regelmäßigen Teilnahme am fraktionsübergreifenden Stammtisch der Altkommunalpolitiker.


Die Arbeitsfelder der Geehrten

Franz Geuß (76) CSU-Ortsvorsitzender in Ebern (18 Jahre lang), Stadtratsmitglied (30 Jahre, davon 24 Jahre als CSU-Fraktionssprecher und 14 Jahre Kindergarten-Referent), Pfarrgemeinderat (von 1982 bis 2006), Mitglied der Kirchenverwaltung von 2007 bis 2012 (dabei auch Kirchenpfleger) sowie Jugendschöffe am Gericht (zwölf Jahre).

Otto Schmitt
(71) Betriebsjugendsprecher, Gewerkschaftsjugendleiter der IG Metall (51 Jahre Mitglied), Schülertrainer beim TV Ebern, Kommandant der FFW Eyrichshof (18 Jahre), Zweiter Vorsitzender der Krieger- und Soldatenkameradschaft Eyrichshof, Vorsitzender der Siedlergemeinschaft (15 Jahre), zwölf Jahre SPD-Stadtrat und Feuerwehrreferent.