Wenn es um die zusätzliche Zufahrt im Norden ihrer Siedlung geht, dann sind sich die Bürger im Eberner Baugebiet "Mannlehen" einig. Die Anbindung an die Coburger Straße müsse, wie beim Anlegen des Wohngebiets und dem Verkauf der Grundstücke an die Bürger versprochen, gebaut werden, fordern sie. Und zwar lieber heute als morgen. Erst recht, wenn im kommenden Jahr das Diakonische Werk Bamberg Forchheim mit dem Bau eines neuen Altenpflegeheims an der Nordseite des Wohngebiets beginnt.

Bei einer Anliegerversammlung im Rathaus waren die Bürger des 1997 erschlossenen Baugebiets am Mittwochabend zahlenstark vertreten. Mit allen möglichen Argumenten suchten sie ihre Forderung zu untermauern. "Nach 987 Tagen findet nun endlich die zugesagte Anliegerversammlung statt", hatten Bewohner in den sozialen Medien getrommelt, "jeder Einwohner sollte unbedingt die einmalige Gelegenheit" zum Mitdiskutieren nutzen. Dementsprechend voll war die Rathaushalle an diesem Abend.


In sieben bis zehn Jahren

Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) dämpfte allzu hochgesteckte Erwartungen und machte den Bürgern klar, dass mit einer Verwirklichung erst in sieben bis zehn Jahren zu rechnen sei.
Die Verhandlungen mit dem Diakonischen Werk Bamberg-Forchheim über den Neubau eines Altenheims mit Kindertagesstätte seien weit vorangetrieben worden, letztlich aber gescheitert. Inzwischen plane die Stadt in Eigenregie den Bau einer neuen Kindertagesstätte an anderer Stelle. Doch an den Plänen für das Seniorenheim hält die Diakonie fest, was vor ein paar Tagen endlich klargestellt worden sei. Dem vorgelegten Plan nach sollen dort 60 stationäre Pflegeplätze entstehen, während anschließend für die noch rüstigeren Senioren das Haus St. Elisabeth in der Innenstadt umgebaut wird.

Der Altenheimbau stehe mit der Bedarfsfrage für die zweite Zufahrt zum Mannlehnen unmittelbar in Verbindung, sagte Hennemann. Auch in einem weiteren Punkt hätten die Abstimmungen mit den Behörden lange gedauert, weshalb sich der Termin für die Anliegerversammlung so lange hinausgezögert habe. Die Frage, ob die Kosten auf die Anlieger umgelegt werden müssen, habe man erst in den letzten Wochen klären können. Ergebnis: Die Bürger dürfen nicht zur Kasse gebeten werden, müssen keine Erschließungsbeiträge zahlen.


Die geplante Nordzufahrt

Zum Plan: Der Anschluss von der Coburger- an die Gemeindeverbindungsstraße Richtung Lützelebern, bisher ein geschotterter Feldweg, soll als Einmündungsbereich für die neue Zufahrt dienen. An der Coburger Straße wird eine Abbiegespur entstehen, was die Kreuzung teurer macht. Wenn nicht die Stadt als Veranlasser des Bauprojekts auftreten, und damit einen hohen Anteil der Kosten übernehmen will, müsse man sich in Geduld üben, denn das Staatliche Bauamt sieht derzeit keine Veranlassung, eine Abbiegespur an der Staatsstraße zu bauen. Laut Bürgermeister ist eine "Kreuzungsvereinbarung" mit der Behörde nötig, welche auf die Kostenverteilung regelt.
Je nachdem, welche Fördertöpfe man in Anspruch nehmen kann, sei mit staatlichen Zuwendungen zwischen 50 und 80 Prozent der kosten zu rechnen, berichtete Hennemann. Die Stadt müsse sich in eine lange Warteschlange einreihen. Ein Horizont von sieben bis zehn Jahren ist realistisch", sagte der Bürgermeister, was in der Runde für Raunen und Gelächter sorgte.


Bürger drängen zur Eile

Michael Geuß forderte einen schnellen Bau der Zufahrt, weil es bei medizinischen Notfällen um Leben und Tod gehen könne. Da sei es unverantwortlich, Fahrzeuge zweimal durch die verschnörkelten Straßen des Baugebiets zu lotsen. Monika Liebender erwartet, dass der Verkehr in der Siedlung durch den Altenheim-Bau "extremst ansteigen wird", weshalb die zweite Zufahrt absolut wichtig sei. Sie sei den Bürgern vor 20 Jahren versprochen worden. Waltraud Schumann konnte nicht nachvollziehen, warum man zuerst das Altenheim baut und dann erst die Straßenanbindung. Ein Verkehrsleitsystem forderte Frank Ziegler, weil die Rudolf-Metter-Straße die Hauptlast des Verkehrs im Baugebiet trage. Die Straße sei so belastet, dass die Fahrbahn bald ausgebessert werden müsse.


Versprochen ist versprochen

Ein Verständnis der Stadt für die Angst der Anwohner vor zu viel Verkehr forderte ein Bürger ein. Er fühle sich gemaßregelt. "Was haben wir verbrochen, wenn wir für Versprochenes eintreten?", fragte er.

Ulrike Stöhr wollte wissen, warum es binnen zweier Jahren möglich war, den Kreisel an der Coburger Straße zu verwirklichen, während es nun Ewigkeiten dauere. Der Bürgermeister erklärte, ohne näher auf die CSU-Kontakte zu Verkehrsstaatssekretär Gerhard Eck einzugehen, damals habe Wahlkampf geherrscht: "Das war etwas anderes."



Weitere Themen d er Versammlung

Bolzplatz Den Erhalt des Bolzplatzes im Mannlehen hatten 65 Anwohner im Januar in einem Brief gefordert. Der marode Kunstrasen dort soll beseitigt und Gras angesät werden, kündigte der Bürgermeister an. Er sagte den Erhalt des Platzes zu, machte aber zugleich klar, dass die Stadt mittelfristig über eine Erweiterung des Baugebiets (Mannlehen III) nachdenke. Dann könne die Bolzplatz-Fläche für eine Verbindungsstraße erforderlich werden. Aber das sei Zukunftsmusik.

Internet Die Telekom wird demnächst für schnelleres Internet im Baugebiet sorgen. Glasfasertechnik werde Geschwindigkeiten bis zu 60 Mbit/s, Vectoring auch bis zu 100 Mbit/s möglich machen, stellte der Bürgermeister in Aussicht.

Freibad Applaus ihre Mitbürger erntete Gundi Schmitt, die meinte, die Stadt solle ihr Freibad als "Alleinstellungsmerkmal" besser vermarkten. Es zähle zu den Attraktionen, die es zu bewahren gelte und die auch hoch dotierte Manager nach Ebern locken könnten.

Kreisstraße Der Ausbau der Kreisstraße Richtung Losbergsgereuth, unmittelbar an der Einfahrt zum Mannlehen, wird in den nächsten Wochen beginnen. Bürgermeister Hennemann stellte die Planung des Landkreises kurz vor, die bessere Sichtkorridore und einen Ausgleich der Senkungen und Kuppen vorsieht. Damit werde die Straße sicherer, aber auch schneller befahrbar, sagte er. Ein Trampelpfad vom Mannlehen in Richtung Freibadstraße sein möglich.

Radweg Bei die Frage einer Bürgerin, warum beim Straßenausbau in diesem Bereich (Kreisstraße nach Gleusdorf) kein Radweg geschaffen werde, musste Hennemann passen. "Überall an neuen Straßen kommen Radwege hin", klagte sie, "nur in Ebern passiert nichts".