"Bitte warten, Sie werden gleich mit unserem nächsten freien Mitarbeiter verbunden..." - diese automatische Telefonansage, untermalt mit Musik, kennt wohl jeder. Mal sitzt man schier endlos in der Warteschleife, mal soll man zu einem späteren Zeitpunkt nochmal anrufen, mal wird man mit fadenscheinigen Ausreden vertröstet, und manchmal wird man kommentarlos irgendwann aus der Leitung geworfen.

In dieser Situation platzte einem 41-Jährigen der Kragen, und er schrie wütend ins Telefon: "In euren Laden gehört doch eine Bombe reingeworfen!" Das brachte ihm eine Anklage wegen Störung des öffentlichen Friedens ein.

Verfahren eingestellt gegen Geldauflage von 500 Euro

Nach kurzer Verhandlung stellte das Amtsgericht Haßfurt das Verfahren am Freitag gegen eine Geldauflage von 500 Euro eingestellt.

Anfang Februar hatte der Angeklagte einen Vertrag mit der Kabel Deutschland GmbH geschlossen. Er freute sich schon darauf, in höchster HD-Qualität fernsehen und zusätzliche Sender empfangen zu können.

Aber zuhause, als er seine Zugangskarte in den Receiver steckte, funktionierte nichts. Nach etlichen erfolglosen Anrufen im Call-Center des Anbieters war der im Maintal lebende Kunde am 15. Februar gegen 9.30 Uhr dermaßen außer sich, dass ihm der Hut hochging und der Geduldsfaden riss und er damit drohte, eine Bombe zu werfen und alles niederzureißen.

Situation außer Kontrolle

Rechtsanwalt Jürgen Borowka erläuterte die Umstände und den Kontext, in dem der Ausraster passierte. Der Vertreter der Anklage wies allerdings darauf hin, dass der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt unter laufender Bewährung stand. Vom Amtsgericht in Schweinfurt war der beruflich Selbstständige vor geraumer Zeit wegen Computerbetrugs zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Auf Grund seiner massiven Alkoholprobleme war ihm gerichtlich unter anderem auferlegt worden, regelmäßig an therapeutischen Sitzungen teilzunehmen. Diese Weisung hatte er seit geraumer Zeit schleifen lassen - weil er "keinen Tropfen mehr trinkt", wie er hoch und heilig versicherte. Seine Leberwerte, fügte er hinzu, seien zwischenzeitlich wieder völlig in Ordnung.

Bei einer neuen Verurteilung hätte der Fernsehliebhaber damit rechnen müssen, dass seine Bewährung widerrufen wird. Doch Richter Roland Wiltschka konnte die Gemütslage, in der sich der Mann bei seinem Wutausbruch befunden hat, durchaus nachempfinden.

Deshalb erklärte er sich - mit Zustimmung von Staatsanwalt Christoph Lehmann - bereit, das Verfahren unter Auflagen einzustellen. Erstens muss der TV-Fan 500 Euro an den Weißen Ring Haßberge zahlen und zweitens eine Bestätigung der Drogenberatungsstelle beibringen, dass er tatsächlich clean ist und es einer therapeutischen Begleitung nicht mehr bedarf.