Von einem Desinteresse an der Politik konnte man bei der Regionalversammlung der CSU-Ortsverbände im Gebiet der Hofheimer Allianz nicht sprechen. Über 100 Bürger waren in den Pfarrsaal nach Hofheim gekommen und setzten das Motto "jetzt red i - Bürger reden - Politiker antworten" in die Tat um. Die Themenpalette reichte von Wünschen im Straßenbau und für Radwege über die Abschaffung der Straßenausbau- und Kindergartenbeiträge bis hin zur Versorgung mit Haus- und Fachärzten sowie schnellem Internet.

Bei so manchen Wünschen sicherten die Politiker ihre Unterstützung oder zumindest ihre Überprüfung zu, während man aber auch deutlich machte, dass alles Geld, was man ausgebe, erst einmal eingenommen sein muss.

Gemeinderat Nikolaus Schober, Pfaffendorf/Maroldsweisach, monierte als Mitglied des Rechnungsprüfungsausschusses, dass man für ein Energieprojekt 8800 Euro an Voruntersuchungen ausgegeben habe, von der GUT aber bisher nur 4000 Euro erstattet wurden. Landrat Wilhelm Schneider sicherte zu, sich dafür einzusetzen, vielleicht könne man auch eine Lösung in einem Vergleich erzielen.


In drei Stunden nach Bamberg

Den öffentlichen Nahverkehr oder Probleme mit dem VGN stellte dann Gemeinderat Werner Wunderlich, Maroldsweisach, in den Vordergrund. Dabei fragte er MdL Steffen Vogel, wie lange er mit dem Zug nach München brauche, was dieser mit rund 2.25 Stunden angab. Wunderlich sprach die Verbindung von Maroldsweisach, über Dürrenried (1/2 Stunde Wartezeit) und Seßlach (1/2 Stunde Wartezeit) nach Bamberg an, wo man endlich nach drei Stunden ankomme. "In der Zeit kann ich ja auch mit dem Fahrrad nach Bamberg fahren", meinte er und forderte andere Planungen über die Metropolregion Nürnberg.

Schneider erklärte hierzu, dass sich mit dem Beitritt zum VGN die Linien nicht geändert hätten, man aber mit nur einer Karte vom Start bis Ziel komme. Eine Angleichung in einen Stundentakt sei nicht erfolgt, dafür gelte es einen Nahverkehrsplan zu entwickeln.

Vogel gab zu bedenken, dass es eine Herausforderung für einen Landkreis mit 250 Siedlungen sei, einen Personennahverkehr in einer verträglichen Zeit zu organisieren. Es höre sich oft gut an, aber die Bürger nähmen dies gar nicht an. Dies unterlegte er mit dem Hinweis, dass ein Busunternehmen bei mehrmaligen Fahrten am Tag von Maroldsweisach nach Ebern in einem ganzen Monat nur 30 Fahrgäste beförderte.


40-Tonner auf der Ortsverbindung

Ein großes Thema waren dann Wünsche zu Straßenausbauten. H. Baumeister aus Rottenstein kritisierte den Zustand der Ortsverbindung von Eichelsdorf nach Rottenstein, die 1973 für den damaligen Verkehr gebaut wurde. Mittlerweile würden 40-Tonner von Firmen diese Verbindung als Abkürzung benutzen. "Die Straße ist deswegen in einem desolaten Zustand und müsste für den Schwerlastverkehr gesperrt werden."

Ein Rügheimer forderte für die Ortsdurchfahrt eine "Flüsterteerdecke" und aus Aidhausen sah man höchste Priorität für die Straße von Aidhausen nach Wettringen im Landkreis Rhön-Grabfeld. Eine Überquerungshilfe war der Wunsch aus Humprechtshausen, weil von der neuen Siedlung Kinder und ältere Leute darauf angewiesen seien. Dies sei aber bisher abgelehnt worden, weil auf der anderen Seite kein Gehweg vorhanden ist.


Was wird aus dem Radweg

Dazu passte auch der Wunsch der Zweiten Bürgermeisterin von Riedbach,Elke Heusinger, die bedauerte, dass die Stadt Haßfurt ihre Mitwirkung am Bau des Radweges von Haßfurt nach Riedbach versagt habe. Sie stellte die Frage, ob hier nicht der Kreis einspringen könne. Landrat Schneider betonte, dass sich der Kreis zurückhalte, aber über das Kreisradwegeprogramm mitfördere. Auch er sehe diesen Radweg als vernünftig an und zwar durchgängig bis zum Ellertshäuser See. Das wäre auch gut für die Infrastruktur. Er wolle mit der Stadt Haßfurt da noch einmal reden.

Willi Hofmann sprach die Straßenausbaubeiträge an. In seinem Bereich seien Straßen, die von 2012 bis 2014 gebaut wurden, noch nicht abgerechnet. Der geschäftsleitende Beamte der VG Hofheim, Andreas Dellert, teilte mit, dass diese Maßnahmen im Rahmen der Dorferneuerung erfolgt seien und die Gemeinde Riedbach nur mit ihrem Eigenanteil beteiligt sei. Bei den Abrechnungen sei man also vom Amt für ländliche Entwicklung abhängig, aber spätestens in vier Wochen würden die Bescheide kommen.

Damit war man aber auch bei der Straßenausbaubeitragssatzung insgesamt. MdL Vogel monierte, die Freien Wähler hätten dieses Gesetz 2016 noch mitbeschlossen, "und jetzt entfachen sie eine solche Diskussion". Landrat Thomas Habermann (Rhön-Grabfeld) ergänzte, dass die Gemeinden und Landkreise schon aufgescheucht wurden. Es den Gemeinden freizustellen sei gefährlich, weil ärmere Gemeinden ihre Kosten verlangen müssten. Wenn man diese Straßenausbaubeiträge abschaffe, dann müsste dies für alle Gemeinden gelten und die Gemeinden müssten dafür auch einen Ausgleich bekommen.


"Was machen wir, damit die Leute nicht von hier flüchten"

Michael Hofmann ging auf die Lebensqualität des ländlichen Raumes ein, aber auch auf die Bedenken in Bezug auf Windräder und Stromtrassen. "Was machen wir, damit die Leute nicht von hier flüchten. Auf dem Land hakt es etwas und ich kann nicht zu meinen Kindern sagen, bleibt hier!"

Vogel antwortete mit einem Plädoyer für den ländlichen Raum, in den der Staat viel investiere und etwa mit der Behördenverlagerung deutliche Zeichen gesetzt habe. "Auf meinem Tisch landen mehr Versetzungswünsche von München raus als nach München rein. Wir sollten auch mit breiter Brust unsere Lebensqualität auf dem Lande herausstellen."

Bürgermeister Wolfgang Borst unterstrich dies mit dem Hinweis, dass der Bau von Dorfgemeinschaftshäusern, die Stärkung der Ortskerne und der Ausbau des schnellen Internets in der "Hofheimer Allianz" dazu geführt habe, dass man seit drei Jahren mehr Zuzug als Wegzug habe.

Zum schnellen Internet kam jedoch aus Richtung Wülflingen Kritik. "Wie kann es sein, dass dort nur Teile und manche Grundstücke angeschlossen werden, es aber an den anderen Bürgern vorbeigeht. Warum werden Bürger, die nur drei Meter neben der Trasse sind, nicht angeschlossen?" Die Notizen des Landrats machten deutlich, dass hier wohl eine Anfrage bei der Stadt Haßfurt landen wird.


Vogel verteidigt Kiga-Gebühren

Ein Bürger aus dem Steigerwald forderte auch die Abschaffung der Kindergartengebühren, "wozu die reichen Bayern doch in der Lage sein müssten". Dann gäbe es vielleicht wieder mehr Kinder. MdL Vogel antwortete, der Staat engagiere sich für die Kindergärten in ganz besonderem Maße, denn jeder Platz würde ohne die staatliche Förderung zwischen 700 und 800 Euro kosten, was für jedes Kind jährlich 8400 Euro ausmache. "In den Betrieb der Kindergärten fließen jährlich 1,8 Milliarden Euro, mit denen man die Kommunen unterstützt, und es gibt kein Bundesland, das mehr Geld für den Vorschulbereich aufbringt." Außerdem würden ja die Beiträge im letzten Kindergartenjahr monatlich mit 100 Euro bezuschusst.

Jürgen Sieber aus Hofheim hatte Fragen zum "versprochenen MVZ" für Hofheim, das ja nach der Schließung der stationären Betten im Krankenhaus kommen solle. Hierzu teilte Landrat Schneider mit, dass noch im ersten Halbjahr Sprechstunden für eine chirurgisch/orthopädische Praxis und so bald wie möglich auch Sprechstunden für Frauenheilkunde angeboten werden.