Hat der 56-jährige Angeklagte einem gleichaltrigen Mann mit einer Dachlatte eins so derb über den Schädel gezogen, dass sein Opfer nach eigenen Worten blutete wie "eine Sau, die gerade geschlachtet wird"? Oder ist das eine erfundene Räuberpistole, wie der Beschuldigte und ein anderer Zeuge zu Protokoll gaben? Weil sich nicht aufklären ließ, wer lügt und wer die Wahrheit sagt, vertagte Richter Roland Wiltschka den Prozess am Amtsgericht in Haßfurt mit der Ankündigung, zum nächsten Termin ein rechtsmedizinisches Gutachten einzuholen und einen weiteren Zeugen vorzuladen.

Die Tat soll sich am Samstag, 27. Oktober, vergangenen Jahres in einem kleinen Dorf im Haßgau zugetragen haben. Kurz nach der Mittagszeit kam damals der Beschuldigte zusammen mit einem 33-jährigen Bekannten zum Anwesen des angeblich Geschädigten. Die Beiden hatten an diesem Tag einen Lastwagen organisiert und wollten einige Holzbohlen sowie einen Hubwagen und einen Rasenmäher abholen.

Explosive Stimmung

Diese Gegenstände gehörten angeblich der Mutter des jüngeren Begleiters. Diese Frau ist die Lebensgefährtin des mutmaßlichen Täters und Angeklagten, der im Lastwagen mitfuhr. Die explosive Stimmung, die sich dann zwischen den drei Männern am Ort des Geschehens entwickelte, ist darauf zurückzuführen, dass diese Dame früher einmal mit dem Eigentümer des Grundstücks liiert war.

Eigentlich hatte der nichts dagegen, dass die Bretter abgeholt wurden. Er sah erst rot, als er den verhassten Nebenbuhler auf seinem eigenen Grund und Boden erblickte. "Du verlässt sofort meinen Hof", kommandierte der Grundstücksbesitzer.

Der Angeraunzte fügte sich widerwillig, und der Jüngste musste unter Aufbietung all seiner Kräfte die schweren Bohlen von der Halle alleine zum Lastwagen schleppen.

Handgemenge

In dem Werkraum, in dem das Holz lagerte, kam es kurz darauf zu einem Handgemenge zwischen dem Hausbesitzer und dem Bretterschlepper, bei dem beide zu Boden gingen. Der Holzholer gab an, wild um sich geschlagen und dabei seinen Widersacher am Auge getroffen zu haben. Trotzdem war er körperlich unterlegen und rief laut um Hilfe, woraufhin der Angeklagte herbei stürmte. Was dann geschah, darüber gab es im Gerichtssaal die gegensätzlichen Aussagen.

Mit diesem unbefriedigenden Ergebnis gab sich der Amtsrichter nicht zufrieden. Deshalb brach Roland Wiltschka die Sitzung erst mal ab. Mit einem rechtsmedizinischen Gutachten der Universität Würzburg erhofft er sich anhand der vorliegenden ärztlichen Atteste Aufschluss über das Tatwerkzeug. Zusätzlich wird der Bruder des Verletzten als Zeuge vorgeladen.

Wenn sich dann herausstellt, welcher Zeuge gelogen hat, hat das für diesen böse Folgen: Er muss dann mit einer Anklage wegen Falschaussage rechnen.