Wenn er aufkreuzt, staubt's. Und zwar gewaltig. Weite Fahnen wehen übers Land. Aber das liegt in der Natur der Sache. Fritz Paulus rückt mit seinem 500-PS-Gerät nur aus, wenn es trocken ist. Die heißen Tage in der vergangenen und zu Beginn dieser Woche kamen ihm und seinen Kollegen dabei entgegen, wenn er mit einer Fahrt eine über neun Meter breite Schneise in die Getreidefelder rund um Ebern "frisst".

Der 52-jährige Heubacher ist Lohndrusch-Unternehmer und in diesen Tagen viel unterwegs. Gut, dass seine neueste Errungenschaft, ein Mähdrescher mit einer Schnittbreite von über neun Metern, über eine klimatisierte Kabine verfügt. Dennoch kommt Paulus immer wieder ins Schwitzen, beispielsweise, wenn das Mähwerk verstopft ist und er nicht mehr vorwärts kommt.

Der Neupreis der neuen Errungenschaft liegt bei 270.000 Euro, Paulus hat das vier Jahre alte Gerät gebraucht in Landsberg/Lech erworben. Eine Zukunftsinvestition. Denn: "In denn nächsten Jahren werden immer weniger Bauern selbst noch dreschen."

Wunderwerk der Technik

Ein Wunderwerk der Technik, einer der "leistungsstärksten Drescher im Landkreis", ist Paulus überzeugt. Ein Computer steuert bei Bedarf über die Felder, misst und kontrolliert alles. Dabei dröhnt's aus den Lautsprechern wie in einer Spielhölle an italienischen Stränden. Doch der Ernteeinsatz ist kein Computer- und schon kein Kinderspiel, sondern harte Arbeit und ein Stoßgeschäft, das perfekt organisiert sein will. "Ich bin seit 3,5 Wochen daheim", sagt Paulus, der den Rest des Jahres als selbstständiger Spediteur durch die Lande kurvt: "Wir hatten erst zwölf richtige Einsatztage."

Aufgrund des Wetters im Frühjahr sei das Getreide spät zeitig geworden, zum Teil stehen die Ähren auch noch auf den Feldern. "Am Anfang war das Getreide noch nicht richtig abgereift und wir sind viel in der Gegend herumgefahren", bilanziert Paulus für sein vierköpfiges Team, dem ein Ingenieur und ein Haupt- sowie ein Nebenerwerbslandwirt angehören.

Gewitter verhagelt die (Zeit-)Pläne

"Wenn's so warm bleibt, sind wir am Wochenende fertig", hatte Paulus noch am Montag prophezeit. Doch die Gewitter und die Regenfront machten ihm und etlichen Landwirten einen Strich durch Rechnung. "Am Sonntagabend musste mein Kollege in Brünn wegen einsetzenden Regens abbrechen, hat dann aber auf der Heimfahrt noch einen Acker bei Unterpreppach mitgemacht, weil's dort trocken war." Zwischen Vorbach und dem Itzgrund, Reckendorf und Pfarrweisach sind die vier Paulus-Drescher unterwegs.

Zu erst war die Wintergerste dran. Dabei waren die Erträge vollkommen unterschiedlich, wie Fritz Paulus bei jeder Spur an seinem Bord-Computer ablas, der sowohl Trocknungsgrad wie auch Ertrag ermittelt. "Da gab es zwischen 40 und 80 Doppelzentner je Hektar, je nach Bodenbeschaffenheit, Niederschlag und Bewirtschaftung." Viel besser dagegen die Erträge zuletzt beim Raps, mit dem Spitzenwerte eingefahren wurden.

Viel Arbeit in der Werkstatt

Der ist in der Erntefolge eigentlich erst nach dem Weizen und Triticale dran, aber "durch die ständigen neuen Sortenzüchtungen schiebt sich das immer mehr zamm". Eine Tatsache, die sich bei den neueren Dreschern kaum noch auswirkt. "Ein Knopfdruck und die Maschine stellt sich und alle Düsen automatisch um. Nur beim Mais muss etwas aufwändiger umgerüstet werden", beruhigt Paulus, der dennoch oft zu Schraubschlüssel und Hammer greifen muss.

"Nach jedem Erntetag gibt es etwas zu reparieren", wissen er und seine Helfer, die die Vormittage "zum Schrauben" nutzen. So gab es eine Walze nach einem Steinschlag auszubessern und am Montag düste Fritz Paulus in der Früh schon nach Höchstadt in eine Niederlassung des Herstellers, um eine Welle, die am Abend zuvor gebrochen war, auszuwechseln. "So weit möglich, erledigen wir das alles selbst - im schlimmsten Fall kommt aber auch ein Servicemonteur, denn das muss alles sehr schnell gehen."

Zeit ist ein wesentlicher Faktor im Lohndrusch-Geschäft. Deshalb auch der Kauf des größeren Dreschers, dessen Korntank bis zu 8,5 Tonnen fasst (bei Raps und Wintergerste sind's nur 7,5 Tonnen). "Heuer haben wir bisher alles trocken heim bekommen."

Bis in die Nacht unterwegs

Doch während früher schon Jahre dabei waren, da bis um 3 Uhr über die Felder gekurvt wurde, war heuer stets um 23 Uhr Schluss. "Das Wetter gibt nicht mehr her. Nachts wird wieder zu feucht."
Wann genau das Ende der Ernte ansteht, steuert der Wettergott. Fritz Paulus wird dann rund 800 Hektar im Eberner Land abgedroschen haben.