"Wer sein Fleisch beim Discounter kauft, sorgt dafür, dass die Fleischproduktion aus der Region verschwindet." Auf diesen Nenner bringt Schweinezüchter Klaus Schneider die Problematik, deretwegen der Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands (BBV) im Kreis Haßberge, Klaus Pieroth, zum Pressegespräch in den Hofheimer Stadtteil Ostheim geladen hatte.

Umgekehrt gilt nämlich auch: Wer beim örtlichen Metzger einkauft, stärkt die bäuerlich geprägte Landwirtschaft. Beispielhaft tun das praktisch alle Vereine im Landkreis bei ihren Festen, wie etwa der Sportverein Ostheim und der Obst- und Gartenbauverein, die am Wochenende das Ostheimer Dorffest ausrichten.


Zum gegenseitigen Nutzen

"Das sind gewachsene Strukturen, wir kaufen das ganze Jahr über bei allen Veranstaltungen und Heimspielen bei Metzgern und Bäckern in und um Hofheim ein. Schließlich unterstützen die örtlichen Geschäfte auch wieder umgekehrt die Vereine", erklärt Karl-Heinz Scheuring, Vorsitzender des Sportvereins.
"Die Menschen legen bei unseren schönen Festen hier im Kreis gerne für gutes Essen gutes Geld hin. Ich wünsche mir, dass sie auch am Montag nach dem Fest ihr Grillfleisch nicht beim Discounter, sondern bei dem Metzger kaufen, dessen Bratwurst ihnen am Sonntag so gut geschmeckt hat", erklärt Klaus Pieroth.

Das "Geben und Nehmen", von dem Karl-Heinz Scheuring zuvor gesprochen hat, sei zwischen Verbraucher und Landwirt nämlich kaum noch ausgeprägt, wie es hieß. In Umfragen wolle ein Großteil der Verbraucher qualitätvolle Lebensmittel und gibt an, dafür auch einen ordentlichen Preis zahlen zu wollen - in der Realität jedoch ziehen Fleisch-Sonderangebote die Kunden in Massen an, auch wenn diese für die Landwirte ruinös sind.

Als ob die Landwirtschaft in diesem Jahr durch die Trockenheit nicht schon genug belastet wäre, liegen auch die Fleischpreise seit Jahresbeginn weit unter dem Vorjahreswert. Dabei waren die Preise schon 2014 so niedrig, dass die meisten Ferkel erzeuger von der Substanz lebten. So bekommen Ferkelzüchter wie Klaus Schneider derzeit 38 Euro für ein gesundes, geimpftes 30-Kilogramm-Ferkel, investiert hat er in dieses Ferkel aber 55 bis 58 Euro.


Die Marktmacht der Großen

"Billiger kann ich in bäuerlicher Struktur mit um die 200 Muttersauen nicht produzieren", unterstreicht der Landwirt. Bei solchen Preisen wird für Klaus Schneider das Unglück vom letzten Jahr, als sein Maststall niederbrannte, schon fast wieder ein Glück. Jeder kann sich ausrechnen, welchen Verlust er mit dem Verkauf von sonst durchschnittlich 6000 Ferkeln einfahren würde.

Die Marktmacht der wenigen Großen, die den Lebensmittelmarkt beherrschen, zu schwächen, das ist das Anliegen des Bauernverbandes - aber dazu braucht er die Verbraucher.

Auch der Landmetzger kennt die üblichen Marktpreise und zahlt dem Landwirt nicht unbedingt mehr, als der Fleischgroßhandel - aber der regionale Einkauf stützt die regionale Erzeugung. Großabnehmer nämlich kaufen nur im großen Stil, entsprechend müssen die Betriebe wachsen.


"Keine fairen Preise"

Klaus Schneider hat kürzlich einen Neubau in Niedersachsen besichtigt: zwei Hektar Ställe mit über 1000 Muttersauen. "Das ist das Ergebnis der Marktmacht von ein paar Wirtschaftsbossen, die sich zwar Fußballvereine leisten, aber dem Landwirt keine fairen Preise anbieten", sagt Schneider. Auch bei Milch und Butter wurde kürzlich die Preisspirale nach unten wieder in Gang gesetzt. "Qualität wird nicht wertgeschätzt, der Verbraucher erkennt sie oftmals gar nicht, weil er den Bezug zur Produktion verloren hat", ergänzt die Kreisbäuerin Cäcilie Werner.

Diese Erfahrung stützt die Statistik, wonach deutsche Verbraucher im europäischen Vergleich den geringsten Anteil ihres Einkommens für Lebensmittel einsetzen. Die Bedeutung eines gesunden, daheim vor der Haustüre erzeugten Lebensmittels ins Bewusstsein zu rücken, dafür kämpft sie nicht nur auf der politischen Ebene, sondern gemeinsam mit vielen Kolleginnen auch durch das Programm "Landfrauen machen Schule". Es endet mit dem "Ernährungsführerschein".

Dabei geht es auch um die Eltern, denn "den Preis kennen alle, aber nicht den Wert" eines hier erzeugten Lebensmittels. Die meisten Verbraucher lehnten Massentierhaltung ab, "dann müssen sie aber auch wissen, wie sie selbst dazu beitragen, dass sich nur noch große Tierhaltungen rechnen", so Klaus Pieroth.

Karl-Heinz Scheuring weiß, was er an seinen hiesigen Metzgern und Bäckern hat: eine hervorragende Qualität und große Flexibilität, denn im Nachbarort kann der Vorsitzende am Sonntagnachmittag nochmal Bratwürste nachordern. Viele Gäste genießen das Fest in Ostheim wegen des herrlichen Ambientes rund um Kirche und Sportheim, aber auch wegen des Spießbratens nach dem Sonntags-Gottesdienst. "Und ich weiß schon jetzt, dass ich ein Schaschlik essen werde", meint Klaus Pieroth und grinst. Gerade die örtlichen Spezialitäten machten doch den Charme der fränkischen Feste aus.


Protest wie in Frankreich?

Weil das so ist, werden beim Ostheimer Dorffest in diesem Jahr auch die Plakate des Bauernverbandes mit dem Motto "Gute Speisen zu fairen Preisen" zu sehen sein. Auch an stark frequentierten Straßen möchte Klaus Pieroth diese Plakate platzieren. "Solche heftigen Maßnahmen wie durch die französischen Bauern vor einigen Wochen wären bei uns ja undenkbar." Aber Pieroth ist überzeugt: Die Landwirte müssen jetzt auf ihre Misere aufmerksam machen.