Es ist 13 Uhr, ein weißer Laster fährt vor einer Halle in Eichenbühl im Kreis Kronach vor. Drei Männer in Arbeitskleidung räumen zahlreiche Kisten aus dem Zwölftonner in die Maschinenhalle. An der Decke der Halle hängen mehrere alte Ventilatoren, eine leere Bühne steht an einem Ende der Halle, die Biertischgarnituren stehen bereit. Am Abend sollen Markus, Philipp und Tobias Thomann aus Kirchaich, besser bekannt als Dorfrocker, auf der Bühne bei dem Hoffest der Familie Schubert vor mehreren hundert Menschen spielen.

Die Bühne sieht allerdings noch nicht danach aus, als würde dort ein Konzert stattfinden können. Für den Aufbau sind Jürgen Laved, Alexander und Markus Oertelt und Daniel Düngfelder verantwortlich. Düngfelder ist bei jedem Auftritt dabei, er fährt den Lkw. Alexander Oertelt hilft hin und wieder aus, sein Bruder Markus Oertelt ist immer dabei.


Vier Stunden Aufbau

"Es geht alles nacheinander", sagt Laved. Der 49-Jährige ist seit 2012 mit den Dorfrockern unterwegs. Ergeben hat sich das Ganze per Zufall. Schon seit 2010 hat der Lichtoperator immer wieder ausgeholfen, bis er dann fest zu der Band wechselte.

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Zuerst kümmert sich das Aufbauteam um die Installation der Licht- und Tontechnik. An einer Aluminium-Konstruktion werden Boxen und Scheinwerfer angebracht. Außerdem werden insgesamt fünf Banner daran befestigt, die die Rückwand und Seite der Bühne bilden. Wenn alles fertig ist, wird das Aluminium-Gestell hochgefahren. Im Anschluss werden auf der Bühne sechs Podeste aufgestellt, auf denen der Keyboarder, der Schlagzeuger und der Bassist am Abend stehen werden. Zuletzt baut die Crew noch die Instrumente und die Mikrofone auf und verkabelt alles.

"Ein normaler Mensch arbeitet fünf Tage die Woche je acht Stunden. Ich arbeite zwei Tage je 20 Stunden", erzählt Laved. Im Schnitt hilft er bei zehn Auftritten im Monat. "Ich habe auch schon mal in zwei Tagen gar nicht geschlafen", erzählt der 49-Jährige.


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Die Arbeit bei den Dorfrockern ist ein Vollzeit-Job. Der Aufbau der Bühne dauert knapp vier Stunden, nach dem Auftritt müssen die Helfer noch etwa zwei Stunden alles wieder abbauen. Während die anderen während des Auftritts frei haben, kümmert sich Laved noch um die Lichteffekte. "Das ist eine Talentsache", erklärt er. Die Lichttechnik hat er sich selbst beigebracht.

In der Mitte der Halle stehen zwei große Pulte mit zahlreichen Knöpfen, Hebeln, Rädchen und Schaltern. Das eine Pult ist für den Ton, das andere für das Licht. Laved steht vor dem Lichtpult. Er beginnt, Knöpfe zu drücken und Rädchen zu drehen. Die ersten Scheinwerfer leuchten. Die Bühne nimmt langsam Gestalt an.

Mittlerweile ist es 17 Uhr. Nach und nach kommt die Band: Freddy Steinmann spielt das Keyboard, Phips ist der Schlagzeuger und Jens Ludwig der Bassist. Der Soundcheck beginnt. Tontechniker Gebhardt Grimm testet zusammen mit der Band, ob alles funktioniert. Danach gehen alle zusammen ein paar Häuser weiter zu Familie Schubert. Sie sind der Veranstalter des Hoffestes.

Auf dem Tisch im Esszimmer stehen Wurst- und Käseplatten, Eiersalat, Wurstsalat und Ostereier. Philipp, Markus und Tobias Thomann sitzen bereits am Tisch. Die drei Brüder kommen direkt von der Nordsee, wo sie am Tag zuvor einen Termin hatten. "Das ist die beste Brotzeit im Jahr", sagt Philipp Thomann. Das gemeinsame Essen ist mittlerweile schon Tradition. Bereits zum achten Mal spielen die Dorfrocker bei dem Hoffest der Familie Schubert. "Entstanden ist das Ganze aus einem Blödsinn", sagt Manuel Schubert. Vor Jahren, als die Band noch nicht so bekannt war, haben sie den ersten Auftritt ausgemacht. Seitdem spielen sie regelmäßig auf dem Hoffest. Mittlerweile ist auch eine Freundschaft entstanden, erzählt Schubert.


Sehr familiär

Die Stimmung am Tisch ist gut, es wird viel gelacht. Immer wieder erzählen die Thomann-Brüder Witze. "Dadurch, dass wir uns schon so lange kennen, ist es schon familiär", erzählt Philipp Thomann. Immer wieder ziehen sich der Gastgeber und die Band gegenseitig auf. "Letztes Jahr waren die Leute enttäuscht", scherzt Schubert. "Wenn du ein Star bist, dann spielt man maximal bis zwölf Uhr", kontert Markus Thomann. Die drei Brüder teilen ordentlich aus, können aber auch einstecken.

Seit elf Jahren gibt es die Dorfrocker, nach etwa drei Jahren wurde es ernst. "Wir haben uns bei Plattenfirmen beworben", erzählt Markus Thomann. Einer der Firmen hat die Musik der Brüder gefallen, sie haben Lieder aufgenommen und ihren ersten Auftritt bei Entertainer Florian Silbereisen gehabt. Danach nahm alles seinen Lauf. Inzwischen füllen die Dorfrocker ganze Hallen. Bis zu 120 Live-Auftritte hat die Band im Jahr, dazu kommen noch zahlreiche TV-Auftritte.

Es ist halb neun. Auf dem Weg in die Maschinenhalle werden die drei Brüder aus Kirchaich gleich erkannt. Die Fans fragen nach Autogrammen und Bildern. "Es geht alles Hand in Hand", erzählt Markus Thomann kurz vor dem Auftritt. Die drei Brüder kümmern sich um alles selbst. Jeder hat sein Spezialgebiet: Markus kümmert sich um das Management, er ist Ansprechpartner für Anfragen. Tobias schreibt die meisten Lieder, wobei ihm seine Brüder aber helfen. Philipp kümmert sich um die Homepage, Werbung und Social Media. Am Wochenende ist die Band meistens bei Auftritten, unter der Woche müssen die Brüder aus Kirchaich zu TV-Aufnahmen und sich um ihre anderen Aufgaben kümmern. Noch zehn Minuten bis zum Auftritt. Die Band zieht sich noch schnell um und dann geht es los. Die Fans warten schon gespannt. Das Licht geht an, die drei Brüder gehen auf die Bühne. Das Publikum applaudiert und kreischt. Die Stimmung ist von Anfang an gut, das Publikum feiert die Band und singt jedes Lied mit.

Nach etwa eineinhalb Stunden macht die Band eine Pause. In einem kleinen Raum hinter der Bühne stehen zwei Biertischgarnituren und Getränke bereit. Es ist still. Die Erschöpfung ist den Musikern anzumerken. Immer wieder kommen Fans hinter die Bühne und Fragen nach Fotos und Autogrammen. "Die Bandbreite ist extrem", sagt Philipp Thomann über die Fans. Von jung bis alt sind alle Altersklassen vertreten.


Um halb eins ist Schluss

Nach einer halben Stunde Pause beginnt die zweite Hälfte des Konzerts. Bis halb eins spielen die Dorfrocker. Von Müdigkeit und Erschöpfung ist nichts zu sehen. Die drei Brüder heizen dem Publikum nochmals richtig ein. 90 Prozent der Lieder, die die Band spielt, sind eigene Songs, der Rest sind Coversongs. Um kurz vor halb eins ist dann Schluss. "Ich werd' euch nächstes Jahr vielleicht wieder nehmen", scherzt Manuel Schubert nach dem Auftritt hinter der Bühne. Nach dem Konzert geht alles schnell. Die drei Brüder haben es eilig, denn sie müssen noch etwa eine Stunde nach Hause fahren.Für Laved, Düngfelder und die Oertelt-Brüder ist noch lange nicht Schluss. Noch zwei Stunden dauert der Abbau. Die Instrumente, die Licht- und die Tonanlage und die Technik müssen wieder in die Kisten und danach im Laster verstaut werden, bevor sie sie wenige Stunden später an einer anderen Location wieder aufbauen müssen.