Es ist nur eine kleine Geste, aber sie kann unangenehme strafrechtliche Konsequenzen haben: Gemeint ist das "Vogel-Zeigen", also jemanden anzuschauen und dabei mit dem Zeigefinger gegen die eigene Stirn zu tippen. Derartige verächtliche und ehrverletzende Handlungen gelten als Straftat, als Beleidigung. Eine Hausfrau (34), die sich darüber geärgert hatte, dass ein ehrenamtlich tätiger Feuerwehrmann sie bei einer Straßenabsperrung nicht mit ihrem Auto durchfahren ließ, zeigte ihm den Vogel und setzte mit dem Wort "Arschloch" noch eins drauf. Dafür muss sie nun 250 Euro zahlen, wie in einem Strafprozess am Amtsgericht in Haßfurt geurteilt wurde. Die Angeklagte wurde der Beleidigung schuldig gesprochen.

Es geschah am letztjährigen Tag der offenen Gartentür. Am letzten Sonntag im Juni waren im Ebener Stadtteil Unterpreppach die Gartentore offen, aber die Durchgangsstraßen wegen des Besucherandrangs gesperrt.
Nachmittags kurz vor 15 Uhr kam die Angeklagte am Steuer ihres Wagens angefahren, auf dem Beifahrersitz ihr Lebensgefährte. Sie wollte partout nicht einsehen, dass sie nicht bis zu ihrem Ziel in einer gesperrten Straße weiterfahren durfte.

Lange diskutierte sie mit einem jungen Mann von der Freiwilligen Feuerwehr, der den Absperrdienst übernommen hatte. Insbesondere, weil angeblich kurz davor ein anderer Autofahrer durchgelassen worden war, pochte sie auf die Weiterfahrt. Als der mit einer Warnweste bekleidete und mit einer Verkehrskelle ausgestattete Feuerwehrmann hart blieb, gab sie verdrossen auf, bog auf einen nahe gelegenen Feldweg ein und stieg zusammen mit ihrem Freund aus dem Auto.

Als sie dann zu Fuß wieder an der Absperrung vorbeikamen, konnte sich die Frau offenbar nicht beherrschen und beleidigte in der oben beschriebenen Art den Floriansjünger. Dieser meldete den Vorfall seinem Einsatzleiter, der in dieser Hinsicht keinen Spaß versteht. Am folgenden Tag erstattete der Betroffene eine Anzeige bei der Polizeiinspektion in Ebern.

Kurz darauf folgte ein Strafbefehl des Staatsanwalts über 20 Tagessätze á 40 Euro, also insgesamt 800 Euro. Weil sie dagegen Einspruch einlegte, kam es zu der Verhandlung vor dem Amtsgericht in Haßfurt. Aufgrund der wirtschaftlichen Verhältnisse der Beschuldigten plädierte Ilker Özalp seitens der Anklagebehörde auf ein Strafmaß von 25 Tagessätzen á zehn Euro. Diesen Antrag übernahm Strafrichterin Ilona Conver unverändert in ihrem Urteil, das noch nicht rechtskräftig ist.

Aus Sicht der Verurteilten hat sich die Geldstrafe zwar erheblich reduziert, da sie aber nun zusätzlich die Gerichtskosten übernehmen muss, fällt die Katze wohl auf die gleichen Füße.

In der Sache selbst stritt die Angeklagte den Vorwurf der Beleidigung ab. Sie will weder den Vogel gezeigt noch das Wort mit dem A am Anfang ausgesprochen haben. Ein Zeuge jedoch, ein weiterer Feuerwehrmann, bestätigte die Angaben des betroffenen Feuerwehrkollegen.

Übrigens: In den USA wäre der Frau nichts passiert, denn dort darf man anderen Menschen bedenkenlos den Vogel zeigen. Das Tippen an die Stirn gilt da als anerkennende Geste und signalisiert dem Mitmenschen, dass man ihn und das, was er tut, für besonders clever hält.