Ein Neunmeterschießen musste entscheiden, ob die Mannschaft der Augsfelder Werkstatt der Lebenshilfe Schweinfurt in der Bayernliga bleiben kann, oder nach vierjähriger Zugehörigkeit wieder zurück in die Oberliga muss. Nach einem 2:2-Unentschieden im Spiel um Platz 5 nach regulärer Spielzeit hatte schließlich der Gegner aus Kaufbeuren das bessere Ende für sich. Nachdem die Lokalmatadoren beim Heimturnier 2013 den Aufstieg geschafft hatten, ging es für sie am Samstag also wieder eine Etage nach unten.


Vorrunden-Turnier in Augsfeld

Bei einem von insgesamt drei Vorrunden-Turnieren der Bayernliga, durchgeführt von der Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) in Bayern in Zusammenarbeit mit dem Landesverband der Lebenshilfe auf dem Sportgelände des FC Augsfeld, war bei der vom Trainertrio Gert Koch, Sven Rink und Andreas Vogl betreuten Mannschaft nach dem unglücklichen Ende gegen die Schwaben, denen der Klassenerhalt gelang, jedoch nur kurz Frust angesagt.

Auch bei Kapitän Benjamin Schunk. "Fußballspielen muss zu allererst Spaß machen", betonte der 27-jährige Haßfurter, der seit sechs Jahren in der Werkstatt beschäftigt ist, bereits nach der Vorrunde. "Es ist zwar ärgerlich. Aber es hat Spaß gemacht", lautete deshalb seine Bilanz nach dem 1:1-Unentschieden gegen Ahorn und der deutlichen 0:4-Niederlage gegen Weißenburg in den beiden Vorrundenbegegnungen sowie der entscheidenden Partie gegen Kaufbeuren. "Man kann eigentlich nichts sagen. Die Mannschaft hat gut gespielt und leider verloren. Man kann nichts ändern."


Alle drei Treffer erzielt

Er persönlich konnte indes zufrieden sein, schließlich erzielte Schunk alle drei Augsfelder Treffer. Im Endspiel setzte sich derweil die Mannschaft Sennfeld 1 mit 3:1 gegen Ahorn (bei Coburg) durch. Das "kleine Finale" gewann Fürth nach Neunmeterschießen mit 6:5 gegen Weißenburg.

Nicht nur Thomas Krug aus Happertshausen, der für den Fußballkreis Schweinfurt zuständige Jugendleiter beim Bayerischen Fußballverband (BFV), sah in Augsfeld wieder "tolle Fußballer, die in vielen Mannschaften mitspielen" könnten. "Manche sind wirklich besser, als in manchen B-Klassen-Vereinen".

Gerade auch deshalb könnte sich der 43-Jährige "echte" Inklusion im Fußballbereich vorstellen. Dass etwa eine komplette Mannschaft einer Lebenshilfe- oder sonstigen Behinderteneinrichtung am Regelspielbetrieb teilnimmt, wäre "auf jeden Fall" denkbar. Benjamin Schunk wäre bei dieser Idee sofort dabei. "Dann müsste man eine Inklusionsmannschaft zusammenstellen, in der dann wirklich alle einmal spielen würden", antwortet der Haßfurter auf die Frage, ob und wie dies funktionieren könnte. "Ich würde mich freuen, wenn etwa in der untersten Klasse jemand mitspielt", ergänzt Thomas Krug. Zunächst "außer Konkurrenz". Außerdem, meint der 43-Jährige, der selbst lange Jahre beim SV Friesenhausen aktiv war und noch im Altherrenbereich kickt, müsste es nicht eine "Elf" sein. Neun gegen Neun, oder Sieben gegen Sieben. "Ja, das könnte ich mir vorstellen."

Doch egal, ob eine solche Ligen-Konstellation eines Tages Wirklichkeit wird oder nur Wunschdenken bleibt: Krug findet es "beachtlich", dass das landesweite Fußballturnier der Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) in Bayern bereits zum 36. Mal ausgetragen wurde. "Man sieht: Fußball verbindet. Wenn es dann noch solche Trainer gibt wie den Gert Koch und den Andreas Vogl, welche die jungen Leute mitziehen, dann ist das einfach toll."

Einen großen Dank richtete zu Beginn Haßfurts Bürgermeister Günther Werner an die Organisatoren, Verantwortlichen sowie Trainer und Betreuer der teilnehmenden Mannschaft, die "viel Zeit und Geduld" aufwenden, um ihr "Know-how" weiterzugeben. Für den Schirmherrn des Turniers könne der Fußball verbinden, "über Grenzen, Sprachen und Religionen hinweg", und sei ein Mannschaftsport, bei dem es "besonders auf Teamgeist und Respekt" ankommt. "Alle Teilnehmer sollen heute Spaß haben. Das ist wichtig, nicht das Gewinnen." Da haben die nur unmittelbar nach der Niederlage enttäuschten Fußballer der Augsfelder Lebenshilfe sicher sehr gut zugehört. Der Ehrgeiz, es beim nächsten Mal wieder besser zu machen und eventuell wieder aufzusteigen, ist aber freilich groß.