Mit Halloween ist das so eine Sache. "Es kommt aus Amerika rübergeschwappt", sagt Angelika Moraw aus Zeil. Sie würde das Fest nicht vermissen, hätte es sich hier nicht etabliert, wie in den vergangenen Jahren geschehen. Geschnitzte Kürbisse und geschmückte Hauseingänge sind für die 59-Jährige trotzdem "wunderschön". Nur das Fest am 31. Oktober, bei dem Kinder von Haus zu Haus ziehen, damit kann Moraw nichts anfangen.

Vor zwei Jahren wurde ihr Haus sogar mit Böllern beworfen, weil sie einer Gruppe Halloween-Kinder bei der obligatorischen Frage nach Süßigkeiten antwortete, dass sie nichts da habe. Der Grund, warum Angelika Moraw an diesem Nachmittag einen Kürbis bei Reinhold Seuerlings Stand in Haßfurt kauft, hat also nichts mit Halloween zu tun: "Der ist zum Essen", sagt sie und lacht. Der Hokkaidokürbis, den sie einpackt, wird zu Suppe verarbeitet. Und ein paar andere kulinarische Ideen hat sie auch noch. "Da kann man alles mögliche mit machen."

Aus einem ganz anderen Grund kommt Alexandra Lamm zu Seuerlings Kürbis-Stand gefahren: Sie braucht die großen Halloween-Kürbisse zum Aushöhlen und schnitzen, denn ihre Kinder Hannah und Nik sind ganz verrückt nach Halloween. Aber nicht nur die, sondern auch die Erwachsenen mischen kräftig mit. In Unterschleichach feiert Alexandra Lamm mit vielen anderen befreundeten Familien im Dorf gemeinsam Halloween. Heuer erwartet sie rund 30 Gäste, und die Vorbereitungen dauern mehrere Tage: "Wir feiern bei uns in der Garage", erzählt die 38-Jährige.

Gekonnt geschminkt

Da wird geschmückt und dekoriert, gegruselt und gekocht, geschminkt und verkleidet, was das Zeug hält. Für Lamm ist es auch deswegen etwas Besonderes, weil sie als Künstlerin arbeitet und Airbrush-Tattoos und Kinderschminken anbietet. Selbstredend, dass sie da die Kinder, die an der Halloweenfeier möglichst gruselig und verzaubert aussehen wollen, startklar macht für die Geisterparty: Ihre siebenjährige Tochter Hannah ist schon seit Tagen aufgeregt und kann es kaum erwarten, mit ihren Freunden geschminkt durch Unterschleichachs Straßen zu ziehen und an den Haustüren Süßigkeiten einzusammeln.

Auch für Reinhold Seuerling ist Halloween ein wichtiges Fest geworden: Vor rund zehn Jahren hat er das erste Mal bei sich zu Hause in Priesendorf eine Halloween-Feier veranstaltet. Freilich gab es auch ausgehöhlte Kürbisse, und weil damals nach dem Basteln ein Haufen Kerne übrig geblieben waren, hat Seuerling die Samen auf seinem Grundstück ausgesät. "Die gingen wunderbar auf", erinnert sich der 51-Jährige. Seitdem wurden es von Jahr zu Jahr mehr. Und im Oktober, wenn er geerntet hat, verkauft er die Früchte.

Größe macht den Unterschied

Halloween hilft dabei, denn seitdem es die gruselig geschmückten Hauseingänge gibt, ist die Nachfrage nach den großen dicken Halloween-Kürbissen gestiegen. Die anderen Sorten wie Hokkaido, Muskat- oder Schlangenkürbis gebe es oft auch in ganz normalen Lebensmittelgeschäften. "Mit denen alleine würde es sich nicht lohnen", erklärt Seuerling. Ein Glück also, dass es Halloween gibt.