Dieter fährt mit seinem Bagger vorwärts und plötzlich knirscht es unter seinen Ketten. Sofort legt er den Rückwärtsgang ein und fährt zurück. Der Baggerfahrer hat in den letzten Tagen das Gemeindehaus und Pfarrhaus platt gemacht. Jetzt muss der restliche Bauschutt abgefahren werden.Doch das jetzt klang anders.

Als er von seinem Arbeitsgerät steigt, sieht er vor sich eine große Sandsteinplatte. Sofort ruft er Pfarrer Peter Bauer an und erklärt ihm die Situation. Als der Burgpreppacher Pfarrer ankommt, erkennt er sofort, dass hier etwas Besonderes im Dunkeln schlummert. Geschichte und Archäologie sind seine Hobbys.

Historische Zeugnisse

Mit dem Bagger wird die Sandsteinplatte angehoben, die in Einzelteile zerbricht. Wie sich herausstellt, handelt es sich um eine Grabplatte, unter der sich ein aus Sandsteinen gebauter Rundbrunnen befindet. Die Inschrift der Grabplatte ist nicht zu entziffern, große Teile liegen am Grund des Brunnens.
Kein Einheimischer, noch so alt, kann sich daran erinnern, je einen Brunnen im Pfarrhof gesehen zu haben. Sofort werden alte Bücher gewälzt, und ein Anruf beim Landesamt für Denkmalschutz in Seehof bei Bamberg lockt auch die Fachleute an.

Am Brunnenrand wird etwas gebuddelt und schon kommen Glasscherben zum Vorschein. Die Denkmalschützer datieren die Funde ins Hochmittelalter und in die Neuzeit. Neben dem Brunnen finden sich Reste einer Sandsteintränke.

Dort, wo das 1843 erbaute alte evangelische Pfarrhaus bis vor kurzem noch stand befand sich früher ein landwirtschaftliches Anwesen, das die Kirche 1711 von einer Juliane Zechau erwarb.
Im Urkataster von 1849 sind keine Brunnen vermerkt, obwohl es im Markt Burgpreppach zahlreiche Brunnen gab.
Erst in der Pfarrbeschreibung hat Pfarrer Bauer Erfolg. Im Jahr 1912 beschrieb der damalige Pfarrer Friedrich Moninger alle Wasserversorgungen, die im Kirchengemeindegebiet die Menschen versorgten. In der Pfarrbeschreibung ist nachzulesen, "das Pfarrhaus und die protestantische Schule erhielten Wasser von wenige Schritte entfernten Laufbrunnen".

13 Meter tief

Pfarrer Moninger schreibt auch, "im Hofe (Pfarrhof) ist ein ausgemauerter 13 Meter tiefer Brunnen mit einem Kubikmeter Wasserstand. Das Wasser ist ungenießbar und der Brunnen seit Jahren zugedeckt". Nachdem man jetzt eine Tiefe von zehn Metern feststellte, muss sich an der Sohle des Brunnens im Laufe der Zeit drei Meter Schlamm und Erdreich abgesetzt haben.

Pfarrer Bauer betont, dass der Brunnen auf keinen Fall zugeschüttet wird. Er solle der Nachwelt erhalten werden soll, denn er bedeute "einen Schacht in die Vergangenheit von Burgpreppach". Nun wird im Archiv des Schlosses derer von Fuchs nach dem Kaufvertrag von 1711 gesucht, um zu erfahren, ob der Brunnen damals schon bestand.