Wenn die Zeiler Narren an diesem Samstag ihre Schautänze im Rudolf-Winkler-Haus zeigen, wird sich eine Frau besonders freuen: Anni Fanenbruck.

Die Zeilerin ist in den vergangenen Wochen und Monaten Tag für Tag an der Nähmaschine gesessen und hat alle Kostüme für die Garden/Tänzerinnen der Zeiler Narrenzunft genäht. Jetzt ist sie ein bisschen müde, aber auch ein wenig stolz. "Mit 78 Jahren steckt man das nicht mehr so leicht weg", gesteht sie.
Die Leidenschaft für ihren Verein, die Zeiler Narrenzunft, lässt sich aber auch nicht so leicht ablegen. "Ich hab' einen Heidenspaß daran. Der Verein liegt mir am Herzen", sagt sie.

So muss es wohl sein. Ansonsten würde die Zeilerin kaum seit über 40 Jahren die Herbst- und Wintertage in ihrem Nähzimmer im Keller verbringen. "Im Oktober geht es los und vor fünf Tagen bin ich fertig geworden", erzählt die Rentnerin. An einem Kostüm näht sie durchschnittlich drei Tage.

Bei 48 Kostümen macht das 144 Tage, an denen Anni Fanenbruck von früh bis spät an ihrer Maschine sitzt. "Meine Freundinnen schimpfen schon immer. Aber mir gefällt's" , erzählt die Hobbyschneiderin.
Als junges Mädchen hat sie ein Jahr lang bei einer Schneiderin gelernt. Danach hat sie ihren Lebensunterhalt als Arbeiterin in Fabriken in der Umgebung verdient.


70 Meter in 144 Tagen

In dieser Faschingssaison hat die Rentnerin 70 Meter Stoff verarbeitet und ihre Kreationen mit Pailletten, Fransen und Rüschen verziert. Was sie genäht hat, darf sie vor der ersten Büttenrede aber nicht verraten. Und was sie schon alles gemacht hat, das will ihr nach so vielen Jahren gar nicht mehr einfallen: den "König der Löwen", die "Hexen von Os" und "Mamma Mia" zählt sie auf. "Ich frage immer, was die Mädla vom Verein wollen und dann bringen sie mir einen Ausdruck oder eine Zeichnung. Danach richt' ich mich. Die Stoffe suchen wir zusammen aus", erzählt die Rentnerin.

1969 hat sie zum ersten Mal für die Zeiler Narrenzunft zu Nadel und Faden gegriffen."Da hatten wir vor allem Gardetänze und nur einen Schautanz. Heute sind es drei Schautänze", erzählt Anni Fanenbruck. Die Zeiten ändern sich. Auch die Zeilerin hat ihre Einstellung zur fünften Jahreszeit geändert.

"Ganz früher habe ich mich auch verkleidet, aber heute ist das nichts mehr für mich", sagt sie. Dabei könnte sie für sich so tolle Kostüme nähen! Aber nein, Anni Fanenbruck schüttelt entschieden den Kopf. Sie näht lieber für Freunde und Verwandte. Genauso, wie sie anderen lieber den Vortritt lässt. "Ich mag es überhaupt nicht, wenn mich die Narrenzunft am Schluss auf die Bühne holt", sagt die Näherin und wirkt jetzt schon angespannt. Jahr für Jahr zaubert sie aus den Stoffen etwas Besonderes. "Da schau'n so viele Leut` drauf. Viel mehr, als wenn ich mir ein neues Kleid nähe", meint Anni Fanenbruck. "Das muss richtig passen und schön aussehen." Angst vor Herausforderungen hat sie keine. "Ich trau' mich an alles ran", sagt sie.

Ihr größter (Näh-)Traum wäre es, die Zeiler Narren in Kostüme für den Karneval Brasil einzukleiden. "Das fasziniert mich. Federn, Rüschen, alles glitzert", sagt sie. Aber "die Mädla" hätten abgelehnt. "Das ist ihnen zu viel Haut", sagt Anni Fanenbruck und lächelt breit. "Für uns auf dem Land ist das auch nichts", winkt sie ab.
Jetzt will sie erst einmal ihr Nähzimmer aufräumen und auf Vordermann bringen. Damit für die nächste Saison alles bereit ist.