Wo gibt's denn sowas? Ist das ein Museum? Ja und wieder nein, denn in dem kleinen Häuschen in Friesenhausen, wo über der Pforte das Schild "Gemischtwaren Jakob Schmidt" angebracht ist, wohnt Andrea Meub gleich neben dem Verkaufsraum. Die 54-Jährige hat den Fachwerkbau aus dem Jahr 1700 vor vier Jahren privat gekauft und wieder zugänglich gemacht. Jahrzehntelang hatte das Haus kaum jemand betreten. Drinnen ist bis heute noch fast alles so geblieben, wie es vor rund 40 Jahren war: Damals schloss besagter Gemischtwarenladen, der bis ins Jahr 1976 von der Friesenhäuserin Lina Schmidt betrieben worden war, ehe sie 80-jährig verstarb, wie sich Meub erinnert. Sie hatte als junges Mädchen selbst noch in dem "Tante-Emma-Laden" eingekauft. Brausebonbons, Lutscher und Lakritz gab es für ein paar Pfennige, da waren die Dorfkinder natürlich dabei.

Das Besondere ist nun, dass Meub in dem Haus die komplette Ladenausstattung und auch die Waren von damals vorfand und sich dachte, dass man das doch so belassen könnte. Naja, nicht ganz freilich: Ziemlich verstaubt und verdreckt war es, Mäuse waren auch darin, die hatten reichlich Unrat hinterlassen. Einige Lebensmittel fanden sich, die haben der Zeit nicht standgehalten, "offene Fächer mit Gewürzen, Muskat zum Beispiel", das sei nicht zu retten gewesen, sagt Meub. So habe man sich also der verdorbenen Sachen entledigt und das ganze Haus gründlich gereinigt, und siehe da: Der alte Laden kann wieder geöffnet werden!

Aus dem alten Bestand verkaufe sie nichts, erklärt sie, aber dafür öffnet sie regelmäßig die Einganspforte, um Besuchern Einblicke in die Vergangenheit zu gewähren. Und die sind weitreichender als vor 40 Jahren: Im damaligen Kaufladen standen die Kunden nur im vorderen Bereich und verlangten bei Lina Schmidt nach den gewünschten Waren. Waschmittel, Zigaretten, Schmieröl, Seife, Schuhe, Schnaps, alles da. Heute dürfen Besucher einfach hinter die Ladentheke und zwischen den Regalen schlendern, sogar das Treppenhaus hinauf, wo sich die Stube, die Küche, das Schlafzimmer, eine Art Arbeitszimmer und der Dachboden mit den alten Büchern der früheren Ladenbesitzerin befinden.

"Das ist ein Schatz hier", sagt Mathias Roth. Der Goßmannsdorfer weiß schon länger von Meubs historischem Laden (eingebaut wurde er 1890), an diesem Freitagnachmittag hat er es endlich geschafft, ihn zu besuchen. "Ich liebe halt auch so alte Sachen", sagt er mit schwäbischem Zungenschlag, der 56-Jährige kommt ursprünglich aus Burgstall bei Backnang in Baden-Württemberg. Dort habe er als Kind auch in einem ähnlichen Laden eingekauft, "aber das waren die letzten Zuckungen", dann kam die Zeit der Supermärkte. "Und bei uns hieß das nicht ,Tante Emma', sondern ,Tante Lisl", erinnert er sich und lacht. Das lag eben daran, dass die Ladenbesitzerin jenen Namen trug.

Mathias Roth und seine Frau Claudia begeistern sich für Antiquitäten und sind beim Anblick des kleinen Ladens hin und weg. "Sowas gibt's nimmer", staunt Claudia Roth, während ihre Blicke über die unzähligen Waren schweifen.

"Der Laden ist genial", sagt Udo Maly. Er ist extra aus Wülfershausen (Landkreis Rhön Grabfeld) angereist. Das allgemeine Interesse an alten Häusern und Läden hat ihn nach Friesenhausen gelockt. "Erinnerungen an früher" werden dort laut Maly geweckt. Der Wülfershäuser kommt schließlich nach seiner Tour durch die oberen Räume wieder in den Verkaufsraum und bringt ein "Faszinierend" über die Lippen.

In der Stunde, zu der der Laden an diesem Freitag für Publikum öffnet, kommen etliche Besucher, darunter auch Regina Selbach (63) und Hildegard Brendgens (69). Sie kommen aus dem Odenwald und machen ein paar Tage Urlaub in den Haßbergen, wohnen für diese Zeit in Friesenhausen. Zufällig haben sie von dem Laden gehört und ihn sich angesehen. "Es ist eine Erinnerung an die Kindheit", sagt Selbach. All die Waren und Produkte kennen die beiden noch gut, sie waren zu jener Zeit in fast jedem Haushalt vorhanden.

Wer sich selbst einen Eindruck vom alten Dorfladen in Friesenhausen verschaffen möchte, kann dies schon am Samstag, 12. November, von 13 bis 15 Uhr tun, da sperrt Andrea Meub noch einmal auf. Etwa alle vier bis sechs Wochen öffnet sie sonst das Privathaus für Publikum, die genauen Termine dazu können auf der Internetseite der Gemeinde Aidhausen auf der Startseite eingesehen werden.