Wenn ein 80-Jähriger ins Krankenhaus kommt, hat er oft mehrere Gebrechen. Dann ist nicht nur ein Fuß verstaucht. Sondern dazu kommen Bluthochdruck, Herzleiden und Demenz. Das stellt hohe Anforderungen an eine Klinik. Diese will die Hauptabteilung für Akutgeriatrie in Haßfurt ab sofort erfüllen. Die Einrichtung wurde am Montag offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Der neue Chefarzt Frank Schröder erklärte bei der Einweihung, die Abteilung sei eine "wichtige Reaktion auf die demografische Entwicklung".

Die Patienten werden immer älter. Laut Schröder ist die Zahl der "hochbetagten" Patienten auch am Haus Haßfurt der Haßberg-Kliniken in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Bei den über 70-Jährigen geht er seit 2006 von einem Plus von zehn Prozent aus, bei den über 80-Jährigen sogar von 50 Prozent. "Das stellt die Medizin und Pflege vor neue Herausforderungen", sagte Schröder.

Die Versorgung gebrechlicher Menschen erfordert Teamarbeit. In Haßfurt arbeitet die neue Akutgeriatrie deshalb eng mit Experten aus der Physiotherapie, der Logopädie, der Ergotherapie und der Psychiatrie zusammen. Ganzheitliche Behandlung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt, will die Abteilung leisten.

Dafür wird an der Klinik seit Mai 2013 angebaut. Auf 750 Quadratmetern ist jetzt Platz für 20 Patienten in Ein- und Zweibett-Zimmern. Alle Räume sind auf die Bedürfnisse alter und gebrechlicher Patienten ausgelegt: mit ebenerdigem Zugang, behindertengerechten Nasszellen, niedrigen Betten und großen Raumnummern, die Verwirrten Orientierung geben. Die ersten zehn Betten sind schon belegt. Die folgenden werden ab dem 1. Mai gemacht sein. Dann ist der neue Bau fertig.

Der Freistaat finanziert mit

Bezuschusst wurde das Zwei-Millionen-Projekt mit knapp 1,4 Millionen Euro vom Freistaat Bayern. "Ohne die staatliche Förderung wäre das Bettenhaus nicht realisierbar gewesen", dankte Landrat Rudolf Handwerker der Gesundheitsministerin Melanie Huml. Sie war ebenfalls zu der Einweihung gekommen, um das Projekt zu begutachten. Sie wies darauf hin, dass bei der Pflege alter Menschen auch "psychische und soziale Aspekte zu berücksichtigen" seien. Das stationsübergreifende Netzwerk an der Haßfurter Klinik nehme sich der Aufgabe an und habe ein vielversprechendes Konzept.

Die Haßfurter Akutgeriatrie ist als Hauptabteilung angelegt. Das hat zur Folge, dass sich der Chef-Geriater Schröder und die Chefärzte der anderen Hauptabteilungen auf einer Ebene begegnen. "So können wir auf Augenhöhe über Behandlungen sprechen und ganzheitliche Therapiemaßnahmen beschließen", sagte Schröder. Der 47-Jährige Mediziner wurde eigens aus der Geriatrie in Burghausen in Oberbayern in die Region geholt. Er ist Facharzt für Innere Medizin, außerdem Experte für Gefäßerkrankungen sowie Diabethologie. Sein neuer Stellvertreter, Thomas Ringel aus Haßfurt, ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. "Dadurch stellt er eine sehr gute Ergänzung in unserem Team da", sagte Frank Schröder.

Bis zu 14 Tage werden Patienten in der neuen Abteilung verweilen. In dieser Zeit werden sie auf weitere Rehabilitationsmaßnahmen vorbereitet, die dann in anderen geriatrischen Kliniken (Bad Kissingen, Coburg) geleistet werden. Ein treibender Motor hinter dem Neubau war Landrat Rudolf Handwerker, der das Projekt leidenschaftlich mit betreute. Seine Rede bei der Einweihung war eine seiner letzten Amtshandlungen als Landrat: "Ich freue mich, dabei zu sein, jetzt da wir mit der Akutgeriatrie einen medizinischen Leuchtturm in den Landkreis setzen", sagte Handwerker.