Die Bergfahrer findet man ausgerechnet häufig auf dem flachen Main. Nicht etwa im Gebirge. Heribert Schmalz hat fast täglich damit zu tun, eben solche Bergfahrer eine Stufe weiterzubringen. Der 59-Jährige ist Schleuser und steuert mit seinen Kollegen vom Wasser- und Schifffahrtsamt Schweinfurt (WSA) die vier Schiffsschleusen Viereth (Kreis Bamberg), Limbach, Knetzgau und Ottendorf (alle drei Kreis Haßberge). "Ein Schiff, das sich in Richtung Bamberg bewegt, fährt zu Berg", erklärt Schmalz. Schiffe in Richtung Schweinfurt fahren zu Tal, sprich: flussabwärts.

Insgesamt rund 90 Meter Höhenunterschied durchfahren die Schiffe im Gebiet des WSA Schweinfurt an 19 Schleusen von Viereth bis Rothenfels (Kreis Main-Spessart). In Knetzgau, erklärt Schmalz, sind es etwa vier Meter, in Ottendorf fast sieben.

Heribert Schmalz ist Schichtleiter in der Fernsteuerzentrale in Haßfurt. An vier Kontrollpanels haben er und seine Kollegen alles im Blick. Kameras zeigen rund um die Uhr, was an den vier Schleusen los ist. Über Sprechanlagen und via Funk wird kommuniziert, wenn zum Beispiel in Knetzgau ein Schiff einfährt. Früher, sagt Schmalz, war er als Schleuser direkt vor Ort und überblickte aus dem Kontrollhaus in Knetzgau heraus die 300 Meter lange Anlage. 1958, als die Schleuse in Betrieb ging, war der gebürtige Knetzgauer ein Jahr alt. Mit 32 hatte er dort die Kontrolle und sorgte auf dem Main für ein reges Auf und Ab. An guten Tagen bis zu 40 Schiffe, manchmal aber auch nur 15 bis 20 passieren laut Schmalz täglich den Main. Derzeit aber nicht: die Schifffahrt ruht wegen der jährlichen, rund dreiwöchigen Pause noch bis 29. April für die Schleusen-Inspektionen .


Früher per Fax angemeldet

Dass seit 2008 aber keine einzige Schleuse mehr vor Ort bedient wird, hängt mit Sparmaßnahmen zusammen, wie Helko Fröhner, der stellvertretende Leiter des WSA, erklärt. Die Technik heutzutage erlaube es, die vier Schleusen sicher zentral zu bedienen. Zwei Schichtleiter teilen sich den Dienst für vier Schleusen. Alle 19 Schleusen im Bereich des WSA Schweinfurt werden laut Fröhner mittlerweile zentral gesteuert, um Personalkosten zu sparen. Dafür gibt es jetzt 24-Stunden-Betrieb, die moderne Schifffahrt verlange das so. Früher konnten sich Kapitäne bis 22 Uhr per Fax anmelden, wenn sie nachts schleusen wollten, sagt Schmalz: "Dann ist der Schichtleiter nochmal nachts hergefahren."

Aber auch heute gibt es das noch, wie Fröhner erklärt: Wenn in Mainnähe Straßenbauarbeiten stattfinden, komme es hin und wieder vor, dass die Lichtwellenleiterkabel beschädigt werden, die die Schleusen mit der Fernsteuerzentrale verbinden. Dann muss der Schleuser wieder vorübergehend vor Ort Dienst tun.